region/bitburg

Von der Eifel über das Weltall ins Netz

Kreis setzt bei der Internetversorgung von Kleinstgemeinden auf luxemburgischen Satellitenanbieter

(Bitburg/Betzdorf) Knapp zwölf Millionen investiert der Kreis mit Unterstützung von Land, Bund und EU derzeit in die Verbesserung der Internetversorgung. Weil jedoch nicht bei allen 140 davon betroffenen Gemeinden eine Lösung über Kabel machbar ist, werden nun 35 Gemeinden über Satellit versorgt. Und zwar mit Hilfe des luxemburgischen Unternehmens SES, Europas größtem Satellitenanbieter. Dossier zum Thema: Topthemen

26.01.2015
Uwe Hentschel
Bitburg/Betzdorf. Der Besuch des Schlosses Betzdorf hat bei Helmut Berscheid einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Aber nicht etwa, weil in diesem Haus der luxemburgische Großherzog Henri und seine Geschwister nach und nach das Licht der Welt erblickt haben. Sondern wegen dem, was sich in diesem historischen Gebäude im Osten Luxemburgs seit 1986 abspielt.
Vor gut 30 Jahren hat der Satellitenbetreiber SES-Astra das Schloss übernommen und dort seinen Firmensitz eingerichtet. Doch genau genommen ist es auch nicht das Schloss, das den Leiter der Abteilung Wirtschaftsförderung bei der Kreisverwaltung so nachhaltig beeindruckt hat.
Es sind die vielen, gewaltigen Parabolantennen, die auf dem Schlossgelände stehen und über die das Unternehmen mit der firmeneigenen Satellitenflotte im Weltall verbunden ist. Und über die SES nach eigenen Angaben europaweit bereits 140 Millionen Haushalte mit Fernseh- und Radioprogrammen versorgt. Das gilt auch für die meisten Haushalte des Eifelkreises. Sofern diese keinen Kabelanschluss haben, empfangen sie ihre Fernsehprogramme in der Regel über Satellit.

Schüssel statt Breitbandkabel


Nun können aber über diese Satelliten nicht nur Fernsehbilder übertragen werden, sondern auch sonstige Daten. Und das ist auch der Grund, warum Helmut Berscheid und weitere Vertreter des Kreises SES in Betzdorf besucht haben. Der Kreis arbeitet nämlich im Rahmen seiner Breitbandinitiative Eifelkreis (siehe Extra) mit Europas führendem Satellitenanbieter zusammen. Die Breitbandinitiative wurde vor vier Jahren ins Leben gerufen, um die Internetversorgung des Eifelkreises zu verbessern. Erklärtes Ziel ist es, bis Ende 2015 in allen Gemeinden eine Grundversorgung (Übertragungsrate von mindestens zwei Megabit pro Sekunde) zu haben.
140 Gemeinden sind davon betroffen. Die Mehrheit dieser Orte wird oder wurde bereits über neue Breitbandkabel versorgt. Allerdings sind unter diesen 140 Gemeinden auch 35 Dörfer, wo eine kabelgebundene Lösung wirtschaftlich kaum vertretbar wäre. Und diese Gemeinden (siehe Extra) sollen nun über Satellit mit einem schnellern Internetzugang versorgt werden.
"Wir haben das schon in vielen Dörfern umgesetzt und es funktioniert sehr gut", sagt Dorothea Halbe, zuständige Projektbetreuerin von SES Broadband Services. Wie Halbe erklärt, werde dafür in den jeweiligen Dörfern zentral eine Satellitenschüssel installiert und mit Hilfe eines örtlichen Funknetzwerks (WiFi) und entsprechenden Funkverstärkern eine Verbindung zu den Haushalten hergestellt. Laut Halbe sind mit diesem Verfahren Übertragungsraten von bis zu 25 Megabit pro Sekunde möglich. Und wie die SES-Mitarbeiterin ergänzt, sei diese Internetverbindung genauso zuverlässig wie der Fernsehempfang über Satellitenschüsseln.
Rund 1,6 Millionen Euro investiert der Kreis in diese Sonderlösung. Bis Juni dieses Jahres sollen alle 35 Gemeinden angeschlossen sein - wobei es den Einwohnern frei überlassen ist, ob sie dieses Angebot nutzen wollen oder nicht.
Nach Installation der Technik sind deshalb in allen Gemeinden Infoveranstaltungen geplant, bei denen zunächst die Technik und die verschiedenen Tarife vorgestellt werden sollen.
Extra
Bei der vom Kreis im Jahr 2011 gestarteten Breitbandinitiative wurde zunächst mit Hilfe eine Befragung der Bedarf ermittelt, mit dem Ergebnis, dass in 140 Gemeinden (18400 Haushalte) dringender Handlungsbedarf besteht. Seitdem wurden 11,8 Millionen Euro in die Verbesserung der Internetversorgung investiert. Der Kreis trägt davon 4,13 Millionen Euro, den Rest übernehmen Land, Bund und EU. In dieser Summe enthalten sind auch 1,6 Millionen Euro für die Versorgung über Satelliten. Davon betroffen sind folgende 35 Gemeinden: Brimingen, Echtershausen, Enzen, Halsdorf, Niederweiler, Olsdorf, Affler, Ammeldingen/Our, Berkoth, Fischbach-Oberraden, Gentingen, Heilbach, Hütten, Nasingen, Niederraden, Niehl, Scheitenkorb, Sevenig bei Neuerburg, Übereisenbach, Uppershausen, Zweifelscheid, Buchet, Heckhuscheid, Heisdorf, Masthorn, Oberlascheid, Winringen, Kesfeld, Krautscheid, Lascheid, Mauel, Oberpierscheid, Reiff, Strickscheid und Üttfeld. uhe

 

Empfehlungen

Kommentare