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War am Anfang Gott oder einfach der Zufall?

Katholische Erwachsenenbildung Westeifel fragt in Diskussionsrunde, ob Religion und Wissenschaft vereinbar sind

(Bitburg) Schließen sich Naturwissenschaften und Religion gegenseitig aus? Eine Diskussionsveranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung Westeifel versuchte dieser Frage Dienstag auf den Grund zu gehen.

05.06.2013
Frank Auffenberg
Bitburg. Ist die Entstehung der Welt ein riesiger Zufall oder folgt alle Schöpfung einem göttlichen Willen? Naturwissenschaftler haben mehr oder weniger klare Antworten auf den Ursprung unseres Universums, Theologen aller Weltreligionen setzen in ihren jeweiligen Schöpfungsmythen auf eine schaffende Kraft. Wie oder besser ob Religion und Wissenschaft trotz scheinbar unüberbrückbarer Gegensätze zusammenzubringen sind, damit hat sich Dienstagabend eine Podiumsdiskussion der Katholischen Erwachsenenbildung Westeifel beschäftigt.
In zwei Impulsreferaten fassten der Physiker Johann Collignon und der Theologe Bernhart Lehnart die gegensätzlichen Positionen zusammen. TV-Reporterchef Lars Ross moderierte die anschließende hitzige Diskussion.
Während Collignon einen Überblick über die gängigsten Theorien der theoretischen und experimentellen Physik lieferte, konzentrierte sich Lehnart auf die Grundzüge und Funktion von religiösen Schöpfungsgeschichten. "Die moderne physikalische Kosmologie liefert heute ein genaues und plausibles Bild über die Entstehung der Welt. Ihr gelingt eine Beschreibung in mathematischer Form, die wiederum durch experimentelle Überprüfungen gestützt wird", erklärte der Physiker Collignon. Dem gegenüber stellte Lehnart fest: "Wir haben existenzielle Wirklichkeiten, die wir nicht in einer mathematischen Sprache ausdrücken können. Was ist zum Beispiel Liebe? Der Dialog zwischen Naturwissenschaft und Theologie steckt noch immer in den Anfängen."
Während sich Collignon und Lehnart in ihren Argumenten gut ergänzen konnten, schien manchem der 20 Gäste der Graben zwischen den Weltbildern doch zu groß. "Mir fehlt in der wissenschaftlichen Sicht der göttliche Funke, der zum Leben führt. Er lässt sich nicht in Formeln pressen", stellte eine Teilnehmerin fest. Collignon regte an, diesen nicht fassbaren Faktor beispielsweise in der Quantenphysik zu suchen. Diese Theorie des Allerkleinsten komme kaum ohne die Vorstellung eines Zufalls zurecht. Liegt hier vielleicht der göttliche Wille?
Zusammengeführt wurden die Positionen schließlich doch im Fazit durch Ross: "Die Fragestellungen der beiden Seiten unterscheiden sich erheblich. Während die Wissenschaft wissen will, wo wir herkommen, versucht die Religion zu klären, warum wir hier sind." Gott werde durch die Naturwissenschaft nicht kleiner gemacht, sondern angesichts der vielen Dinge, die es noch zu entdecken gebe, eher größer.
Extra
Seitens der Physik ist der Beginn des Universums in der Urknalltheorie zu suchen. Sie geht davon aus, dass es vor 13,7 Millionen Jahren entstanden ist. Aus einem kaum erklärbaren Zustand, in dem jede Materie auf kleinstem Raum zusammengefasst war, entstand eine Explosion, aus der sich das Universum entwickelt hat. Der Zustand, in dem alles eins war, auch Raum und Zeit noch nicht existierten, wird Singularität genannt. Ob es sie gab und was sie wenn war, ist noch nicht bekannt. aff

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