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aus unserem Archiv vom 09. September 2010
Autor: Von unserem Mitarbeiter Uwe Hentschel Drucken  E-Mail

War der Bruder nüchtern oder betrunken?

Nach dem mysteriösen Tod eines 28-Jährigen auf der L 4 zwischen Sinspelt und Neuerburg im Februar muss sich dessen Bruder nun wegen des Vorwurfs der versuchten Tötung durch Unterlassen verantworten. Am Landgericht Trier war gestern der zweite Verhandlungstag.

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Trier/Sinspelt. "Das, was wir hier gehört haben, passt nicht zu dem, was Sie uns in der letzten Hauptverhandlung gesagt haben", sagt der Beisitzende Richter Hermann-Josef Weber und fragt den 37-jährigen Angeklagten, ob er sich dazu äußern möchte. Doch der verzichtet. Damit endete der zweite Verhandlungstag, an dem sich letztlich alles um die Frage drehte, ob der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat nüchtern oder betrunken war.
 
Dass letzteres der Fall und dies damit auch der Grund gewesen sei, weshalb er sich an die Vorgänge nur noch bruchstückhaft erinnern könne, hatte der 37-Jährige am ersten Verhandlungstag erklärt.
 
Doch bereits damals äußerte Richter Weber Zweifel an dieser Version.
 
Denn laut Vernehmungsprotokoll, das wenige Tage nach dem Geschehen angefertigt wurde, war der Angeklagte absolut nüchtern. Zumindest hatte er dies so zu Protokoll gegeben. Und damals konnte er sich an die Umstände des Geschehens noch ziemlich genau erinnern.
 
Demnach war der Angeklagte am Abend des 17. Februar gemeinsam mit seinem 28-jährigen Bruder sowie einem Bekannten zwischen Neuerburg und Sinspelt mit einem Transporter unterwegs. Der Bekannte ist gefahren, der Angeklagte saß daneben, der Bruder hinten. Zwischen dem 28-Jährigen, der nach Polizeiermittlungen stark alkoholisiert war, und dessen Bruder ist es dann laut Protokoll wegen eines vorangegangen Diebstahls zu einem Streit gekommen.
 

Wichtiger Zeuge hat noch nicht ausgesagt


 

 
Der jüngere Bruder soll während der Fahrt die hintere Tür geöffnet haben und aus dem fahrenden Auto gesprungen sein. Statt dem Verletzten zu helfen, haben die beiden anderen erst nach einem Kilometer gewendet, sind wieder an der Unfallstelle vorbeigefahren, um dann (offensichtlich aus Angst vor der Polizei) das Weite zu suchen.
 
So soll es laut Protokoll gewesen sein. Der zuständige Polizeibeamte, der als Zeuge geladen ist, versichert das mehrfach. Ein weiterer Zeuge, der bislang noch nicht zu Wort gekommen ist, ist der Fahrer. Dieser soll nach Auskunft des Gerichts bei einem der Folgetermine (8. und 23. Oktober sowie 3. November) aussagen.

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