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Was für ein Theater: Neujahrsempfang in Bitburg

(Bitburg) Ausverkauft. Mehr als 400 Menschen drängen sich am Mittwochabend in die Bitburger Stadthalle. Der Gewerbeverein hat zum Neujahrsempfang eingeladen – und statt eines Gastredners nimmt das Improvisationstheater Springmaus die Bühne in Beschlag. Eine gute Entscheidung, wie sich gleich zu Beginn zeigt.

14.01.2016
Wie eigentlich ein Improvisationstheater so geht, lernt Bitburg schnell. Die drei Kabarettisten aus Bonn, die der Gewerbeverein zum Neujahrsempfang in der Stadthalle eingeladen hat, verschwenden keine Zeit. Sie kommen direkt auf den Punkt – treffsicher, ohne Rücksicht. Auch nicht auf ihre Auftraggeber. 
Die hatten wohl im Vorgespräch ein bisschen was über die Stadt erklärt. Dass Bitburg Autostadt sei, eine Landesgartenschau will und nicht ganz glückliche Erfahrungen mit einem Verkehrsexperiment hat. So was wissen die Springmäuse. Den Rest improvisieren sie auf Zuruf und mit Unterstützung des Publikums, das mehr oder weniger freiwillig in die Sache reingezogen wird – oder wie Norbert Frieling bei seinem Gang durch die Reihen auf der Suche nach Mitstreitern sagt: „Ich seh’ Sie trotzdem, auch wenn Sie sich jetzt weggucken.“
Autostadt, klar, ganz wichtig! Bei der Springmaus klingt das dann so: „Wir mussten schon bei der Anfahrt improvisieren. Haben Autostadt ins Navi eingegeben und das wollte uns partout nach Wolfsburg schicken.“ Wo die Gäste denn herkommen, wollen sie wissen. Aus Bettendorf („nicht euer Ernst“), Wiesbaden („Sicher, dass Du hier richtig bist?“) und Oberweiler – „Unterweiler gibt es heute nicht, weil hier ist ja nur die High Society.“ 
So viel Autostadt muss sein
Ob Vertreter der lokalen Politik und Wirtschaft oder des Vereinswesens: Hinterher herrscht bei „Bitte ein Bit“ – auch einer der Sprüche, die die Kabarettisten auf Publikumswunsch neben „Et jet nit jerannt“ und Barack Obama in ein Stück einbauen – Einigkeit. Das ist „einfach klasse“ (Bürgermeister Joachim Kandels), „sensationell“ (Gewerbevereins-Chef Edgar Bujara), „ich hab’mich köstlich amüsiert“ (Volksbankvorstand Andreas Theis), „wirklich spitze“ (Sparkassen-Chef Ingolf Bermes). 
Besonders gelungen: Die Springmäuse spielen die Liebesgeschichte von Ursula und Uwe aus Bitburg nach, die aus Heilbronn in die Eifel gezogen sind, und die die Kabarettisten zuvor über Eckpunkte ihres Lebens Rede und Antwort stehen mussten. Gretchenfrage des Stücks: Müssen Uwes Autos am Ende für Ursulas Gartenschau Platz machen? Bis zum Happy End – Bitburg („Hier gibt es ja viel, sagen wir mal Gegend“) hat Platz für Autos und Gartenschau – hat das Publikum mehrmals laut gelacht. Auch der Stadtring – „ein traumatisches Erlebnis“ ist Thema und eine Städtepartnerschaft mit „Meihämy“ (Miami), wie es das Bitburger Publikum wünscht. Die Verhandlungen dazu stellt Gilly Afeo auch pantomimisch („diskriminierungsfrei für Taubstumme“) dar. Zu seinem Leidwesen nutzen seine beiden Kollegen, wo immer möglich Redewendungen wie „von einem ins andere Extrem fallen“. 
Was der Spaß den Gewerbeverein kostet? „Die sind ihr Geld auf jeden Fall wert“, sagt Bujara. Der Betrag bleibt geheim. Hauptsponsor: die Firma Dignum des Bitburger Unternehmers Manfred Klever, der groß in der alten Kaserne einsteigt – und darüber im Foyer bei einer Schautafel informiert. Gefeiert wird noch nach Mitternacht. Es ist für 2016 Bitburgs erster Neujahrsempfang. Man trifft sich, freut sich, trinkt noch einen – und Gesprächsstoff gibt es im Bitburger Theater immer. So kann man ins neue Jahr starten. Vorhang! 
Weitere Bilder finden Sie auf unserer Homepage unter www.volksfreund.de/fotostrecke

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