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Welcome bei den Wurzeln

Die Nachfahren einer Auswanderin entdecken ihre Vergangenheit in Matzen

(Bitburg-Matzen) Katharina Heinz aus Bitburg-Matzen war ihre Urururgroßmutter, 1847 wanderte sie nach Amerika aus - jetzt sind ihre Nachfahren, drei Brüder mit ihren Familien, zu Besuch nach Deutschland gekommen. Ortsvorsteher Hermann Josef Fuchs hat ihnen die Heimat ihrer Vorfahren gezeigt.

09.09.2014
Eileen Blädel
Bitburg-Matzen. Am Gemeindehaus in Matzen steht Hermann Josef Fuchs. Der Ortsvorsteher wartet auf Gäste. Ihnen hat er es zu verdanken, erzählt er, dass er jetzt auch "ein bisschen auf den Geschichtstrip gekommen" sei. Vielleicht liegt das aber auch an der Besonderheit dieses Besuchs: Denn wenn Fuchs seine Gäste gleich durch Matzen führt, zeigt er ihnen mehr als nur den Ort. Er weist ihnen den Weg zurück in die Geschichte. In ihre eigene.
Denn die Langers sind nicht nur weit gereist - sie kommen aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Wisconsin -, sie sehen auch zum ersten Mal die Heimat ihrer Vorfahren. Katharina Heinz, die Urururgroßmutter der drei Brüder Victor, Bob und Jay Langer, wurde im Jahr 1809 in Matzen geboren. Auch wenn es heute den Namen Heinz im Ort nicht mehr gibt: Fuchs hat zwei Häuser ausfindig gemacht, in denen sie gelebt haben könnte - auch die will er jetzt den Brüdern, die mit ihren Ehefrauen Joyce, Karon und Connie Langer angereist sind, präsentieren.

Auch in Mötsch zu Besuch


Mit dabei ist auch Freund Ed Langer - der ist allerdings nicht mit den anderen verwandt, er trägt nur zufällig denselben Namen. Und als Historiker ist er gemeinsam mit den Langers in ihre Familienforschung eingetaucht. An dem Tag war die Gruppe bereits in Bitburg-Mötsch unterwegs, wo auch das alte Thom-Haus noch steht: das Haus, in dem Katharina Heinz lebte, nachdem sie den Mann geheiratet hatte, mit dem sie später nach Amerika auswanderte. Bei Helmut Wirtz, dem Vorsitzenden des Fördervereins Bitburg-Mötsch, haben die Reisenden auch einen Blick in die Dorfchronik geworfen.
Als die Gruppe schließlich in Matzen ankommt, packt Ortsvorsteher Fuchs seine Englischkenntnisse aus. Mit auf den Weg durch den Ort machen sich auch Helen Görgen aus Trier, die als Übersetzerin eingeladen wurde, und Wolfgang Grams. Grams veranstaltet Reisen für Amerikaner, die auf der Suche nach ihren deutschen Wurzeln sind (siehe Extra), und hat auch die Route der Langers geplant, die sie dann noch weiter nach München und in die Tschechische Republik führen wird. Zudem schließen sich Klaus Lichter und seine Frau Anna Lichter an: Die beiden wohnen heute in einem der beiden Heinz-Häuser im Ort.
Doch zuerst macht die Gruppe bei dem anderen Heinz-Haus Halt. "Geratus Heins" steht dort über der Eingangstür - dabei könnte es sich um einen Bruder von Katharina Heinz gehandelt haben. Heute wohnen in dem Haus Lieselotte Grommer und ihre Tochter Jasmin. Lieselotte Grommer schenkt Sekt aus, bittet die Langers herein. "Is this your home now?" ("Ist das jetzt Ihr Zuhause?”), wollen die wissen. "It\'s beautiful." ("Es ist wunderschön.") Und Victor Langer steht in der Tür und erzählt: Erst vor zwei Jahren habe er begonnen, sich mit seinen Wurzeln zu beschäftigen. Jetzt ist er umso gerührter von dem Gedanken, dass seine Urururgroßmutter hier gelebt habe, hier zur Kirche gegangen, hier getauft worden sei.
Fuchs führt die Truppe weiter zum Friedhof. "Wenn der Friedhof okay ist, sind\'s die Leute auch", sagt er und erntet Zustimmung: "That makes a lot of sense." ("Das macht sehr viel Sinn.")
Einen Abstecher macht man auch in die Donatuskirche. Dort wird diskutiert: Ob Katharina Heinz hier geheiratet hat? Oder überhaupt in Matzen? "Das kann man nicht mit Sicherheit sagen", sagt Fuchs. Sicher ist er sich aber bei der Frage, wo sie zur Schule gegangen ist: nämlich in dem Schulhaus, das einst neben der Kirche stand.
Dann geht es weiter in das zweite Heinz-Haus, wo Klaus Lichter sofort eine Anekdote zu erzählen hat: Hier habe man, als die Schule im Krieg zerstört worden war, die Kinder im Wohnzimmer unterrichtet. Für die Amerikaner hat Lichter alte Fotos aus dem Keller geholt. "Ich habe nicht zu allen Namen", sagt er. Aber die Langers finden trotzdem: "It\'s a treasure!" ("Das ist ein Schatz")
Seine Frau Anna Lichter erzählt: "Wir kannten die Leute ja nicht, wir waren schon aufgeregt" - aber es zeigt sich, dass das gar nicht nötig war: Es dauert nicht lange, und die Langers sitzen bei Lichters auf der Couch, lassen sich auch Fotos aus seinen Kindheitstagen zeigen und Geschichten erzählen.

Begegnungen machen Reise aus


Die Menschen, die Gespräche, das Zusammenkommen - Dinge, die unersetzlich seien, sagt Organisator Wolfgang Grams. "Die Recherche und die Suche nach Dokumenten ist nur die eine Sache." Ohne die Leute vor Ort, die sich engagieren und mit geschichtlichen Dingen befassen, könne er solche Reisen gar nicht veranstalten. Und dass er wegen dieser Sache Ortsvorsteher Fuchs angerufen habe, sei ein "Glücksgriff" gewesen.
Der hat nach dem Rundgang im Dorfgemeinschaftshaus noch eine Präsentation vorbereitet und erzählt den Amerikanern von der Geschichte des Dorfs, dem Engagement der Bürger und alten Brauchtümern. Zudem präsentiert er ihnen eine Kopie der Heiratsurkunde und eine Abschrift der amerikanischen Sterbeurkunde von Katharina Heinz, die er eigens beim Kreis besorgt hat, sowie alte Straßenkarten aus dem Jahr 1824.
Victor Langer bedankt sich am Ende: dafür, dass man sie so offen empfangen habe. Und Fuchs sagt: "Jetzt habt ihr ja so viel Info, dass ihr auch stolz sagen könnt: Ich bin ein Matzener."
Extra
Wolfgang Grams ist der Gründer von "Routes to the Roots" (Wege zu den Wurzeln). Das Reiseprogramm ist aus einem Forschungsprojekt an der Universität Oldenburg hervorgegangen und 1997 von Grams privatwirtschaftlich etabliert worden. Seitdem veranstaltet er Reisen für amerikanische Besucher in Deutschland, nimmt historisch-biografische Recherchen vor und ermittelt den Verbleib von Auswanderern. eib
Extra
Das weiß man über Katharina Heinz: Sie wurde am 12. Juli 1809 in Bitburg-Matzen geboren. Am 26. Februar 1835 heiratete sie den Mötscher Johannes Thom (geboren am 6. Dezember 1810). Die beiden hatten sechs Kinder - Theodor, Margaret, Matthew, Johann, Anne und Matthias -, als sie im Herbst 1847 in die USA auswanderten. Dort kauften sie noch im gleichen Jahr, am 29. September 1847, Land in Paris in Kenosha County in Wisconsin. Wolfgang Grams sagt: "Sie konnten hier von nichts leben, es konnte damals nicht gutgehen für Hof und Familie. In Amerika kam man aber billig an Land. Offenbar hatten sie ein wenig Geld zur Seite gelegt, denn sie konnten für die Überfahrt für sich und die Kinder aufkommen und dort bald Land kaufen - vielleicht hatten sie dafür in der Heimat aber auch Besitz verkauft." In Amerika bekamen die beiden noch zwei weitere Kinder: Henry und Peter. Katharina Heinz starb am 3. April 1861. eib