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Wo einst der Kaiser Kaffee trank

(Kyllburg) Drei Jahre lang hat der Inhaber des Eifeler Hofs das Gebäude renoviert und mehr als zwei Millionen Euro reingesteckt. Bevor die neuen Pächter Übernachtungsgäste empfangen können, gibt es aber noch was zu tun.

07.10.2017
Andrea Weber
Kyllburg Firmenfeiern, Tagungen, Hochzeiten und Seniorengruppen, die von Kyllburg aus die Umgebung erkunden: So stellt sich Inhaber Carl Philipp R. Thomas die Zukunft des Eifeler Hofs vor. Umsetzen sollen das die neuen Pächter, Stavros (47 Jahre) und Konstantinos Koliakis (44 Jahre). Im Juli haben die griechischen Brüder das Hotel übernommen. Ihre Familie betreibt seit zwei Jahren das City Hotel im baden-württembergischen Schopfheim (Landkreis Lörrach).
Das laufe sehr gut, deshalb hätten sie eine weitere Herausforderung gesucht, sagt Stavros Koliakis.
"Der Eifeler Hof ist ein schönes Haus, zwar etwas heruntergewirtschaftet, aber Potenzial ist da." Damit wieder Leben ins Haus kommt, ist aber noch was zu tun - nicht für die Brüder, sondern für den Besitzer. Denn derzeit dürfen keine Zimmer vermietet werden.
Anfang 2016 wurde laut Ansgar Dondelinger, einem Sprecher der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm, die Nutzung des Gesamtkomplexes Eifeler Hof untersagt. Der Besitzer habe ungenehmigte Änderungen vorgenommen und die Bauaufsichtsbehörde und die Brandschutzdienststelle hätten Mängel festgestellt.
Auch diese Umstände waren wohl ein Grund, warum Christian Becker, Besitzer des Bildungs- und Freizeitzentrums Stiftsberg in Kyllburg und vorheriger Pächter des Eifeler Hofs, im Februar entschied, den Betrieb aufzugeben. "Nach zweieinhalb Jahren Hotelbetrieb in der Baustelle haben wir keine Perspektive mehr gesehen", sagt Becker, der noch bis September bereits gebuchte Hochzeiten dort ausgerichtet hat. Der Hotelier hatte den Eifeler Hof 2014 übernommen und fast 50 Veranstaltungen in einem Jahr durchgeführt. "Wir haben viel investiert und sehr viel Energie reingesteckt." Dass es nicht funktioniert hat, findet Becker schade.
Inhaber Thomas ist aber zuversichtlich, dass der Betrieb nun richtig anläuft. "Die Immobilie war in einem schlechten Zustand, nachdem sie zehn Jahre leer stand", sagt er. Wasserleitungen hätten neu gemacht, die Fenster dreifach verglast und das Inventar ergänzt werden müssen. Aber: "Die Renovierung ist weitgehend abgeschlossen", sagt er. Drei Jahre lang hat er den Komplex saniert, mehr als zwei Millionen Euro investiert.
Um die Genehmigung für den Hotelbetrieb zu bekommen, müssen laut Dondelinger die Mängel behoben werden.
Erst, wenn Thomas die Abnahmebescheinigungen des Brandschutzsachverständigen und des Prüfingenieurs für Baustatik vorlege, werde die Nutzungsuntersagung aufgehoben. Laut dem Inhaber wird es bald soweit sein: Eine Brandmeldeanlage sei eingebaut, ein Nottreppenhaus von den drei Etagen zur Terrasse fertig. Eine Treppe zum Parkplatz werde derzeit gefertigt und in etwa drei Wochen montiert.
Die für sie vorgesehene Stützwand mit Brandschutzfunktion stehe bereits. "Wir arbeiten hinsichtlich der noch verbleibenden Formalien mit der Baubehörde zusammen", sagt Thomas.
"Nächstes Jahr wird der Übernachtungsbetrieb voll anlaufen", ist er sich sicher. Er hofft auf Motorrad- und Individualtouristen, Wanderer, Holländer, Reisegruppen und Amerikaner. Vielleicht bringe das Karl-Marx-Jahr 2018 auch chinesische Gäste. "Luxemburger Firmen könnten hier tagen und Privatleute Feste feiern", sagt Thomas.
Es brauche wieder das Bewusstsein, "hier gibt es ein historisches Hotel, das einmal vier Sterne hatte, in dem man gediegene Feste feiern kann."
So könne man Kyllburg aus dem Dornröschenschlaf erwecken, durch Gastronomie Arbeitsplätze schaffen und die Stadt in der Großregion etablieren.
Die Brüder Koliakis sind jedenfalls motiviert. Bei drei Hochzeiten, die noch der Stiftsberg ausgerichtet habe, hätten sie geholfen, sagt Stavros Koliakis, eine haben sie selbst ausgerichtet - ebenso wie eine Tagung. "Das waren Kirchenmusiker, die waren nett. So Gäste hätte ich gerne immer", sagt er und lacht.
Die Küche ist geöffnet. Und was gibt’s zu essen? Griechisch? "Nein", Koliakis lacht wieder, "wir werden internationale Küche anbieten".
Wiener Schnitzel, Cordon bleu, Spaghetti Napoli und griechischer Salat stehen an diesem Tag auf der Karte. An der Eifel schätzt er besonders die netten Leute und die gute Luft. "Ich gehe gerne spazieren hier in der Gegend." Wenn alles gut läuft, kann er seine Begeisterung für die Region bald an seine Gäste vermitteln.
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Kommentar
Meinung
Potenzial für die ganze Region

Die neuen Pächter könnten ein Neustart für den Eifeler Hof sein. Damit sie das historische Hotel aber wiederbeleben können, muss zunächst der Inhaber seinen Job machen. So schnell wie möglich muss er die Anforderungen der Baubehörde umsetzen und den Brüdern Koliakis so die Vermietung der Zimmer ermöglichen. Erst dann haben sie die Chance, das Potenzial des Hotels auszuschöpfen und Touristen in die Region zu locken. Die Pläne des Inhabers klingen gut. Würde der Hotelbetrieb im Eifeler Hof wieder florieren, käme das nicht nur Kyllburg, sondern der ganzen Region zugute. Das Hotel würde die Stadt und die Region attraktiver machen. Jetzt liegt es in der Hand des Besitzers, ob seine Pläne funktionieren. a.weber@volksfreund.de
Extra: DIE GESCHICHTE DES HOTELS

Der Eifeler Hof wurde 1890 erbaut. Kaiser Wilhelm II. trank 1911 in dem ehemaligen Vier-Sterne-Luxushotel seinen Nachmittagskaffee. Gut hundert Jahre später, 1999 wurde es geschlossen. Die Eifeler Hof GbR hat das Gebäude 2013 für rund 200 000 Euro gekauft. Ursprünglich hatte Inhaber Carl Philipp R. Thomas mit 700 000 Euro Investitionskosten kalkuliert. Inzwischen hat er mehr als zwei Millionen Euro in das 4000 Quadratmeter große Gebäude investiert. Der Komplex umfasst neben dem Hotel mit 38 Zimmern und 59 Betten sechs Wohnungen, eine Physioterapie-Praxis und eine Einrichtung für betreutes Wohnen mit zwölf Einheiten.