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Zweiter Weltkrieg: Dokumentarfilm über den Westwall im Eifelkreis aufgeführt (Fotostrecke)

(Bitburg) 400 Zuschauer feiern die Premiere von Adi Winklers Arbeit über ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte.

30.03.2017
Dagmar Schommer
„Heute sind die Ruinen des Westwalls von Erde bedeckt, von Blumen, Sträuchern und Bäumen überwuchert. Die Kraft der Natur führt uns vor Augen, wie schnell vermeintliche Überlegenheit als unendliche Dummheit im Strudel der Zeiten versinkt.“ 

Mit diesem Satz aus der Feder von Adi Winkler endet der Dokumentarfilm, den der Bitburger über den Westwall im Eifelkreis gedreht hat – gefördert von der Kulturstiftung der Kreissparkasse. Es spricht: Volker Lechtenbrink. Es ist ein Film, der die Zuschauer nachdenklich, aber nicht betrübt zurücklässt. Ein Film, der es schafft, in kaum 45 Minuten ein Stück Geschichte greifbar zu machen, das so unfassbar und unvorstellbar ist. 

In akribischer Arbeit hat Winkler über zwei Jahre recherchiert, Zeitzeugen gesucht und gefunden, jede Menge historische Aufnahmen zusammengetragen, vor Ort am Westwall gedreht und mit Hilfe von Laienschauspielern Szenen nachgestellt. Das alles fügt sich harmonisch zu einem Ganzen, das die Gäste der Premiere am Mittwochabend in der Kundenhalle der Kreissparkasse in Bitburg sichtlich gefesselt hat. 

Das Foyer war mit mehr als 400 Zuschauern voll besetzt. „Das ist ein gutes Gefühl zu sehen, dass das Thema so viele Menschen bewegt“, sagt Adi Winkler, selbst auch ein bisschen gerührt von dem großen Zuspruch. Die Aufarbeitung der Nazi-Zeit ist für ihn ein Herzensprojekt. 

Der Film, so sagt es Landrat Joachim Streit in seiner Ansprache, sei „ein Mahnmal des Friedens und von großer Bedeutung, gerade auch, um jungen Menschen zu zeigen, wohin Fremdenhass, Ausgrenzung und Kriege führen können“. Der Anfang: Mauern. Mauern in den Köpfen, die zu verriegelten Grenzen führen und im Kampf enden. Der Westwall war eine solche Mauer, ein Bollwerk, das auf 630 Kilometern vom Niederrhein bis an die Schweizer Grenze führte. 

„Adi Winkler beschreibt den Bau des Westwalls wie einen Tsunami, der über die Eifel gefegt ist“, sagt Landrat Streit. Im Film sieht man Armeen solcher Arbeiter, die den Spaten wie ein Gewehr geschultert tragen, um mit ihrem Einsatz Deutschland vor einer Bedrohung aus Westen zu sichern, wie die Nazi-Propaganda erklärte. „Wir sind hier fast von Arbeitern ersoffen“, sagt Zeitzeuge Gregor Milbert im Rückblick auf diese Zeit, 1936, als die Bauarbeiten für das Bollwerk begannen. 

Die Bunker wurden, wie in Milberts Heimatort Bauler, teils nur wenige Meter von den Häusern entfernt gebaut. Der Film zeigt hart arbeitende Männer mit nacktem Oberkörper. Die wollten am Ende von ihrer Zeit in der Eifel ein Souvenir, eine Erinnerung. So sind die Westwallringe entstanden. Auf die Idee kam ein Goldschmied aus Pforzheim, der ein Stück Draht zu einem solchen Ring verarbeitet hat. Pfarrer Gerd Hagedorn sammelt diese Ringe. Auch er ist einer dieser Menschen, die Winkler für seine Dokumentation ausfindig gemacht hat – und der, wie viele weitere, die als Experten und Zeitzeugen den Film unterstützt haben, von Winkler eine von Schauspieler Volker Lechtenbrink signierte DVD zum Dank überreicht bekommt. Allen voran: Winklers langjähriger Mitstreiter Ralf Hess, ohne den bei der Produktion nichts läuft. 

Auffallend an den Westwallringen, die Sammler Hagedorn zusammengetragen hat: Selten ist darauf mal ein Nazi-Symbol wie das Hakenkreuz zu sehen. Dem entgegen steht die offizielle, von Adolf Hitler verliehene Auszeichung für die Arbeiter: das „Schutzwall-Ehrenzeichen“, das bald als „Lehmorden“ die Runde machte. Eine Auszeichnung „des Führers“, auf die man damals durchaus stolz war. 

Beängstigend wirken heute die Aufnahmen, in denen Kinder in der Grundschule mit ausgestrecktem rechten Arm das Hohelied auf „ihren Führer“ singen. Winkler schaut auch dahin, wo es wehtut, bevor am Ende die Kamera wieder versöhnlich stimmt und die Schönheit der Natur zeigt, die sich die Ruinen zurückerobert hat. Heute dienen die Ruinen seltenen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum. 

Mit dem Bild eines Baumes, der durch einen gesprengten Bunker wächst, endet der Film – nicht aber der Abend in der Kreissparkasse, wo Getränke und Häppchen serviert werden. Es gibt noch viel auszutauschen, zu erzählen und zu erinnern. 

Der Film „Der Westwall im Eifelkreis Bitburg-Prüm“ wird Mittwoch, 19. April, um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Arzfeld ein zweites Mal gezeigt und ist über die Kreissparkasse sowie den örtlichen Buchhandel erhältlich. Kontakt per E-Mail an: info@awifilm.de