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Jugendkappensitzung reloaded: Narren feiern im Bitburger Haus der Jugend wie in alten Zeiten

(Bitburg) Fast so als waren wir nie weg, mit den 80ern feiern wir Comeback: Unter diesem Motto haben die Bitburger am Freitagabend ihre Jugendkappensitzung wiederbelebt. Mehr als 250 Gäste feierten bis in die Nacht alte Bekannte in der Bütt und auf der Bühne. Das war bunt, bombastisch und mit Vergnügen bitterböse. Dossier zum Thema: Fastnacht2016

06.02.2016
Eileen Blädel
Der Abend beginnt nicht auf der Bühne, sondern auf der Leinwand. Das passt zu dieser „Nostalgie-Sitzung“, wie Prinz Norbert I. sie später nennen wird. Ein Filmzusammenschnitt aus alten Jugendkappensitzungen erinnert an das, was es seit zehn Jahren in Bitburg nicht mehr gegeben hat. Und im Nullkommanichts ist das HdJ, bis auf den letzten Platz besetzt, vom närrischen Fieber gepackt, bereit, die alten Zeiten noch einmal aufleben zu lassen. 

Dafür kommen auch die alten Spaßvögel alle wieder zusammen: Aus dem Publikum holt Sitzungspräsident Alexander Jutz doch tatsächlich Käthe Hamerle auf die Bühne, die eine frohe Botschaft zu verkünden hat: „Der KV Domino ist nicht tot!“ Ihre Kamellen hat sie Zuhause gelassen, dafür aber das Prinzenpaar im Schlepptau. Auch das sind zwei Urgesteine – der Jugendkappensitzung und des HdJs: Anita und Gerd Wanken. Die können’s nicht lassen und erzählen auch gleich etwas aus ihrer Heimatstadt: Sie wissen nämlich genau, wo Bitburgs neue Tropfsteinhöhle zu finden ist (in der Güterstraße), wo es auch trotz langer Wartezeiten kein Bier gibt (und das ganz nah bei der Brauerei) und wo ein Beda-Strand entstehen könnte (am Spittel). 

Damit ist die Wiedervereinigung aber längst noch nicht komplett: Zum Inventar gehören auch die Mädels von der Eintracht Dist, die Volkstanzgruppe begeistert gleich zwei Mal – mit Garde- und Schautanz –, sechs Mitglieder der AG zur Integration Jugendlicher mit Behinderung singen „Ein Stern, der deinen Namen trägt“, und ernten dafür die ersten Zugabe-Rufe des Abends. Das Männerballett der Feuerwehr Mötsch kommt in Bademantel und Cowboyhut auf die Bühne und verlässt sie in Netzstrumpfhose und Bunny-Kostüm, und auch die Abba-Mädels aus Oberkail haben sich, wie Sitzungspräsident Alexander Jutz erzählt, „nur noch einmal zusammengefunden, um hier aufzutreten“. 

Da kommt auch der famose Hans Binsfeld ins Schwärmen: „Herrlich, in so eine Halle zu kommen. Manche haben sich verkleidet – mit Perücken, damit man die Glatze nicht sieht!“, und singt als fahrender Musikant von Bundesverdienstkreuzen und der Bitburger Unterwelt – aber bitte mit Parkscheibe. 

Die Hofnarren, weil verhindert, grüßen per Video, die Kölsche Musik bringen stattdessen die Moneyrollers auf die Bühne – spätestens jetzt ist Zeit, um auf den Bänken zu tanzen. 

Aber jede Menge verunglimpft wird da auch noch – in alle Richtungen: „Da unten sitzen sie, die Freunde der Bütt, und feiern wenigstens heute kräftig mit“, kommt es von Sitzungspräsidentin Simone Meinen, und „von dem TV, einst recht frech und flott, sind geblieben ein paar Zeilen Schrott“, aber ihr Kollege hat gleich zu Beginn klar gemacht, wem heute die närrische Krone aufgesetzt wird – und das ist Bitburg, Bitburg, Bitburg, und was im beschaulichen Städtchen so alles schiefläuft: „Überall in der Stadt wird gebaut, und dabei leider auch viel versaut.“

Von der größten Sauerei berichten die üblichen Verdächtigen unter viel Gekreische aus dem Saal: Die Lindenhof-Kneipe, die gibt’s lange nicht mehr. Aber ihr Stammtisch, erstmals 1990 bei der Sitzung dabei, hat es heute wieder mit der „Heute-Show – Spezialausgabe Bitburg“ auf die Bühne geschafft. Auch das geht nicht ohne Seitenhiebe auf die lokalen Größen – und trifft selbst Altbürgermeister Horst Büttner, der im Publikum sitzt und lacht und nur meint: „Es ist egal, wie lange es her ist…“ Die Heute-Show wagt auch einen Blick in die Zukunft: dann, wenn der nächste Bürgermeister gewählt ist, der nebenbei die ganze Landesgartenschau bezahlt hat, ist aus „Bitburger“ auch „Bitburjara“ geworden. 

Das ist so gut, dafür bekommen alle Karnevalisten einen Orden: getreu dem Motto, in Form einer alten Kasette. Und das ist so gut, dass es Torsten Hauer so gar nicht die Sprache verschlägt (er musste mit dem Rest der HdJ-Bande ja auch noch singen): „Es war eine Idee, aber was ihr heute Abend daraus gemacht habt – vielen Dank dafür.“ Und dann will er noch wissen: „Sollen wir nächstes Jahr wiederkommen?“ Kaum vorbei, werden die Narren schon wieder nostalgisch.

Hier gehts direkt zur Fotostrecke zur Jugendkappensitzung im Bitburger Haus der Jugend !

Die Aktiven

lferrat: Alexander Jutz und Simone Meinen (Sitzungspräsidenten), Annelena Fries, Anne Bauer, Susi Cruno, Robin Wirth, Markus Baustert, Steffi Zenner, Manu Huber, Christian Becker, Isabelle Gruss, Svenja Hoffmann; Volkstanzgruppe, Leitung: Renate Butterweck; AG zur Integration Jugendlicher mit Behinderung; Anita und Gerd Wanken als KV Domino; Showtanzgruppe Eintracht Dist, Leitung: Anja Zimmer, Anja Werner, Tanja Karpen; Hans Binsfeld; Bitburger Prinzenpaar Patrizia und Norbert Hoffmann; Lindenhof-Stammtisch mit der Heute-Show: Bernd May, Alexander „Käsper“ Jutz, Richard „Richsen“ Ehl, Hanno Ensch, Markus „Tiger Gerard“, Stephan Göbel, Frank Colling, Torsten Hauer; Männerballett der Feuerwehr Mötsch; Hauptamtliche des HdJ; Tanzgruppe Oberkail, Leitung: Andrea Crames; Musik: Moneyrollers, Caballeros. 

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