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aus unserem Archiv vom 03. September 2010
Autor: Von unserer Mitarbeiterin Kathrin Hofmeister Drucken  E-Mail

Wo nicht nur Hund und Hühner sich wohlfühlen

Nur wenige hätten erkannt, welches Potenzial in dem Gelände steckt, als das vernachlässigte Haus in Röhl (Eifelkreis Bitburg-Prüm) zum Verkauf angeboten wurde. Wo heute Rittersporn den Hauseingang flankiert, gähnten Betonwüste und nichtssagender Wiesengrund. Doch seit Sprossenfenster gesichtslose Glasscheiben ersetzt haben und die blau gestrichene Haustür Farbe ins Spiel bringt, blüht auch der Garten auf.

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Röhl. Wer die Bilder des Hauses in der Krahenstraße vor dem Jahr 2000 kennt, wird kaum glauben können, dass es sich bei dem Landhaus von 1834 mit dem rosigen Staudengarten, den einladenden Sitzplätzen und einem bilderbuchreifen Gemüsegarten um die gleiche Anlage handelt. "Mir tat das Haus so leid", sagt Heike Milbach. Ihren Mann Otto überzeugte die traumhafte Lage mit Blick in die Landschaft.
 
Als Ortsansässige hatten die Röhler nach Feierabend und jedes Wochenende einen kurzen Weg zu ihrer neu erworbenen Baustelle. In der Rekordzeit von einem Jahr leistete das Ehepaar was nur Leuten gelingt, die einen Traum haben. Für die beiden Röhler heißt der Landleben. Anfangs war es schon ganz schön, als Hund und Hühner alle unterm Gartentisch saßen. Es passte auch der Walnussbaum, den der Vorgänger, ein Düsseldorfer, in die Rasenmitte gepflanzt hatte. Selbst, dass die frechen Spatzen in einem Schwarm von zwanzig, dreißig tschiependen Federbällchen über das Hühnerfutter herfielen, hätte man so in der Stadt nicht erleben können. Trotzdem "war das kein Gesamtbild", fand Heike Milbach. Es musste ein richtiger Garten her. Erinnerungen aus der Kindheit halfen beim Planen. "Meine Oma hatte einen riesigen Bauerngarten", erzählt die Büroangestellte. Als bei ihren Großeltern die Lichtmasten aus Holz an der Straße gegen Betonpfeiler ausgetauscht wurden, habe sie das gestört. Ihr Schönheitssinn kommt dem eigenen Garten heute zugute. Jedes Eckchen, wie der kopfsteingepflasterte Rosensitzplatz mit weißen Gartenstühlen und Tischchen, ist liebevoll gestaltet. Den Hauptanteil am Gartenflair hat keine geringere als die Königin der Blumen. Ein Blick auf den gläsernen Tautropfen, der gerade auf dem samtigen Blatt von Jacques Cartier glitzert, lässt einen die Rosenliebhaberin verstehen. Sie wälzte Kataloge der einschlägigen Rosenbaumschulen wie Schultheis und Kordes und lernte vom englischen Rosenfachmann John Scarman, der im Landhaus Ettenbühl alles rund um ihre Majestät vertreibt. Der radikale Schnitt nach Anleitung des Briten hat die Rosenstöcke schön in Form gebracht.
 
Kater Carlo räkelt sich in der Sonne unter einer der feinsten Duftrosen namens Rose de Resht. "Auf den Duft habe ich bei den Rosen großen Wert gelegt", sagt Heike Milbach. An einer Rose zu schnuppern und nichts zu riechen, sei so enttäuschend, als träte man hinter ein Haus auf dem Lande und fände keine Nutzpflanzen auf den fruchtbaren Beeten. Da gehören Kartoffeln in angehäufelte Ackerreihen und Stangen für die Stangenbohnen rein, findet auch Otto Milbach, der gerade im Gemüsegarten arbeitet. Sprüchen wie "das rechnet sich nicht", könnte er Gegenkalkulationen vom unbezahlbaren Freizeitausgleich entgegenhalten. Man muss sich nur zwischen strotzenden Salatköpfen und malerischen Lauchstangen umschauen: Der Wert eines Gartens bemisst sich an mehr als dem Ertrag aus Gemüsebeeten, die mit Trockensteinmauern rückenschonend angelegt sind. "Mit dem Verstand ist das vielleicht nicht zu begreifen", sagt der gebürtige Röhler. Deshalb machen sie all das ja auch von ganzem Herzen.
 
EXTRA Heike Milbach hat ein Faible für alte Sachen, die sie in Haus und Garten stilvoll arrangiert. Im Freien können solche Accessoires einen Garten wohnlich gestalten und als Hingucker bis dato unattraktive Ecken aufwerten. Eine wahre Fundgrube sind für Familie Milbach die belgischen Flohmärkte. "Arlon ist empfehlenswert", sagt Heike Milbach, "die haben keine Neuware, sondern wirklich gute alte Stücke." Von Arlon brachten sie beispielsweise ein Eisenbett mit. Das wird bei schönem Wetter unterm Birnbaum aufgestellt und mit Matratze und Kissen in ein kuscheliges Eck verwandelt. Bei Nicht-Gebrauch steht es eingeklappt hinter dem Holunder. Ausflugstipp: Der nächste große Floh- und Trödelmarkt im belgischen Arlon findet an diesem Sonntag, 5. September, von 8 bis 18 Uhr statt. Von März bis Dezember werden jeden ersten Sonntag im Monat im Altstadtviertel des galloromanischen Städtchens die Tische mit Sammlerstücken und Kunstobjekten aufgebaut, die Flohmarktbesucher zu ihren kreativen Ideen inspirieren. Und wer nichts Passendes findet, kommt im "Vieux Quartier" allein schon beim Bummeln durch diesen sehenswerten Stadtteil auf seine Kosten. Weitere Informationen in der Tourist-Info Arlon, Rue des Faubourgs 2, B-6700 Arlon, Telefon 0032-63216360 und im Internet unter  www.ot-arlon.be

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