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Basberg ist vorn: 96,8 Prozent Wahlbeteiligung - Nachlese der Landtagswahl im Kreis Vulkaneifel

Das kleine Dorf in der Verbandsgemeinde Hillesheim ist wahlfreudigster Ort im Kreis

(Daun/Gerolstein/Hillesheim/Kelberg/Jünkerath) 60.000 Einwohner, drei Landtagsabgeordnete: keine schlechte Quote für den Kreis Vulkaneifel. Er ist zwar der kleinste im Land, aber was die Repräsentanz in Mainz angeht, ist er auch diesmal wieder groß rausgekommen. Dossier zum Thema: Landtagswahl 2016

14.03.2016
Mario Hübner, Fritz-Peter Linden und Stephan Sartoris
Astrid Schmitt (SPD), schon seit 20 Jahren dabei, die Neulinge Gordon Schnieder (CDU) und Marco Weber (FDP) vertreten künftig den Kreis im rheinland-pfälzischen Landtag. Zahlenmäßig hat sich nichts geändert: Astrid Schmitt, Herbert Schneiders (CDU) und Dietmar Johnen (Grüne) saßen bislang im Landtag. Drei Abgeordnete gab es auch von 2001 bis 2006: Schneiders, Schmitt und Edmund Geisen (FDP, Daun), der den Sprung in den Bundestag schaffte.

Ebenfalls auffällig: Der Kreis Vulkaneifel ist der schwärzeste in der Region Trier. Zwar sind die Christdemokraten auch hier inzwischen weit von der absoluten Mehrheit entfernt, die sie bis in die 90er-Jahre einfuhren, mit 42 Prozent aber die mit Abstand dominierende Kraft (SPD: 31 Prozent). Auch beim Erststimmenergebnis ergibt sich dieses Bild: Gordon Schnieder holt bei seiner ersten Kandidatur das Direktmandat - und zwar ebenfalls mit dem besten Ergebnis aller CDU-Direktkandidaten in der Region: 42,9 Prozent. Die Wahlbeteiligung im Kreis Vulkaneifel hingegen liegt mit 69,2 Prozent unter dem Landesdurchschnitt (70,4 Prozent), aber höher als vor fünf Jahren (60,7 Prozent).

VG Daun: Vom Malu-Effekt hat die SPD in der VG Daun etwas profitiert: 32,1 statt 29,5 Prozent vor fünf Jahren. Die stärksten Ergebnisse fährt Direktkandidatin Astrid Schmitt ein: in ihrer Heimatgemeinde Kirchweiler 49,5 Prozent (2011: 57,6), in Hinterweiler 48,3 Prozent (2011: 49,5). Die größte Zustimmung für den künftigen CDU-Abgeordneten Gordon Schnieder gibt es in Kradenbach (57,3 Prozent) und Steiningen (56,2). FDP-Mann Marco Weber hat seine meisten Unterstützer in Gefell (21,9 Prozent), wo mit Alfred Gundert ein Parteifreund Ortsbürgermeister ist. Die AfD bleibt in der VG Daun unter dem Landesergebnis, erreicht aber aus dem Stand fast neun Prozent, sowohl für den Direktkandidaten Peter Mäurer (Daun, 8,6 Prozent) als auch für die Partei (8,7 Prozent). Was die Wahlbeteiligung angeht, liegt sie in der VG mit 70,9 Prozent etwas über der im Land (70,4). Am wahlfreudigsten haben sich die Sarmersbacher erwiesen: 88 Prozent gaben ihre Stimme ab.

VG Gerolstein: Obwohl am Sonntag Tausende Menschen während des verkaufsoffenen Sonntags in der Stadt Gerolstein unterwegs waren, gab es eine relativ niedrige Wahlbeteiligung von 61,6 Prozent. Die sorgte auch auf VG-Ebene für gerade einmal 63,8 Prozent und deutlich weniger als auf Kreisebene (69,2 Prozent). Löbliche Ausnahme ist Kopp, wo 81,8 Prozent ihre Stimme abgaben. Die CDU kommt in der Heimat-VG Gordon Schnieders mit 40 Prozent nicht ganz an das Kreisergebnis heran. In seiner Heimatgemeinde Birresborn, wo der CDU-Kreisvorsitzende Ortsbürgermeister ist, ist die Welt aber noch in Ordnung: 51,9 Prozent für die Partei, 68 Prozent für den CDU-Direktkandidaten. Auch in Densborn (50 Prozent) und Salm (54,2 Prozent) fährt er Top-Ergebnisse ein. Nur in einer Gemeinde hat die SPD die Nase vorn - in Neroth: Dort überflügelt sie die CDU mit 37,6 zu 35,3 Prozent. In Mürlenbach kommt es zum Patt bei 35,8 Prozent. Für die Grünen gibt es nur ein richtig gutes Ergebnis: In Kalenborn-Scheuern, seinem Wohnort, erzielt der scheidende MdL Dietmar Johnen 19,9 Prozent Erststimmen, seine Partei fährt 10,2 Prozent ein. Die AfD erzielt in sechs von 13 Gemeinden ein zweistelliges Ergebnis, die FDP nur in Berlingen (13,9 Prozent).

VG Hillesheim: Mit 69,3 Prozent Wahlbeteiligung liegt die VG Hillesheim im Kreistrend. Die 100-Einwohner-Gemeinde Basberg ist nicht nur hierbei der Ausreißer: 96,8 Prozent geben dort ihre Stimme ab. Und sie sprechen sich - gegen den Trend - für eine Fortführung der rot-grünen Koalition aus: mit einer starken SPD (41 Prozent) und 11,5 Prozent für die Grünen. Ebenfalls beachtlich: FDP-Direktkandidat Weber erzielt dort 21,3 Prozent Erststimmen. Auch in Dohm-Lammersdorf, Wiesbaum und Nohn fährt Weber zweistellige Ergebnisse ein. Das schafft die AfD in vier von elf Gemeinden des Hillesheimer Landes: in Walsdorf, Dohm-Lammersdorf, Wiesbaum und Kerpen. Die CDU ist in der VG Hillesheimer Land seit jeher dominierende Kraft, mit 42 Prozent auch diesmal.
An frühere Zeiten erinnert nur noch das Ergebnis in Nohn, wo sie 57,6 Prozent Zweit- und 54,8 Prozent Erststimmen einfährt. In zwei Gemeinden liegt sie sogar hinter der SPD: In Oberehe-Stroheich haben die Sozialdemokraten mit 36,3 Prozent einen Vorsprung von 1,2 Prozent vor den Christdemokraten. Und dann ist da noch Basberg, wo die Genossen mit 41 Prozent um fast zehn Prozent vor den Schwarzen liegen. Aber das ist dann wirklich eine Ausnahme.

VG Kelberg: Schwarz, schwärzer, VG Kelberg: Dort hat die CDU traditionell große Zustimmung, diesmal kommt sie auf gut 50 Prozent. Eine echte christdemokratische Hochburg ist Kirsbach: 75,4 Prozent für den Kandidaten Schnieder, 77,4 Prozent für die Partei. Die SPD ist mit nicht mal 26 Prozent auf Bundes-, nicht auf Landesniveau. Abgestürzt sind die Grünen: von 10,2 vor fünf Jahren auf nun 3,1 Prozent. Die AfD ist auffällig stark in Kötterichen mit 21,5 Prozent der Zweitstimmen, während sie in Drees nur auf 3,4 Prozent kommt. Von null (2011) auf 11,6 Prozent: Das schafft die FDP in Beinhausen. Bei der Wahlbeteiligung liegt die VG mit 74,3 Prozent über dem Kreis- und Landesdurchschnitt.

VG Obere Kyll: Auch an der Oberen Kyll gaben mehr Wähler ihre Stimme ab als 2011: 68,4 Prozent (62,1 vor fünf Jahren). Von den 6491 Berechtigten votierten 4441. Auffällig ist das starke Abschneiden der AfD (gesamt: 11 Prozent Zweitstimmen) in einigen Gemeinden: 16,1 Zweitstimmen-Prozent holte die Partei, die nach Selbstauskunft auf ihren Plakaten "Politik für das eigene Volk" machen will, in Schüller. Knapp dahinter: Hallschlag (15,3 Prozent), Birgel (14,9) Feusdorf (13,5) und Gönnersdorf (12,7). Zweistellig ist man auch in Jünkerath (11,7) und Lissendorf (10,1), während sich die anderen Orte dem Eifel-Gesamttrend anschlossen und die Neuen im Landtag dort einstellig blieben. Das gilt vor allem für die CDU-Hochburg Scheid, wo die Christdemokraten mit 52,6 Prozent der Zweitstimmen ihr bestes Ergebnis einfuhren: Die AfD landet dort bei nur 3,8 Prozent.

In Kerschenbach gingen 80 Prozent zur Wahl - und schenkten CDU und SPD exakt gleich viele Stimmen, 37,8 Prozent. Zugleich das beste Ergebnis für die Genossen an der Oberen Kyll. Vielleicht ja ein kombinierter Malu- und Walter-Effekt: Denn SPD-Mann Walter Schneider ist seit vielen Jahren Ortsbürgermeister. Die wenigsten wählten in Jünkerath: 60,3 Prozent (2011: 55,7 Prozent). Die CDU liegt in der VG mit 37,4 Prozent knapp vor den Sozialdemokraten (34).

 

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