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Das Böse lauert im Idyll

Krimifestival Tatort Eifel: Schriftstellerin Martina Kempff verfasst ein Meerfelder Mordmärchen

(Meerfeld/Hallschlag) Recherchereise in den größten Eifeler Maarkessel: Schriftstellerin Martina Kempff hat sich in Meerfeld umgesehen und nicht nur geologisch Aufschlussreiches herausgefunden. Ihre Geschichte erscheint im September im Sammelband zum Krimifestival Tatort Eifel (der TV berichtete).

17.06.2011
Meerfeld/Hallschlag. Martina Kempff hat einen Stich. Nein, sogar mehrere, aber nicht im Oberstübchen, sondern vor allem an den Armen -insektenbedingt: "Erst mal werden die Mücken ermordet", sagt sie beim Treffen auf der Terrasse des Meerfelder Hotels "Maarblick". "Und da bin ich gnadenlos."
Gnadenlos genau: Die historischen Romane von Martina Kempff zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie ordentlich recherchiert sind. Das heißt: Statt romantisierendem Mittelaltergeschwurbel bieten sie dem Leser spannende Geschichten, in denen die Fakten stimmen.
Das soll auch für den Kurzkrimi gelten, den sie über den Schauplatz Meerfeld für den Sammelband des KBV-Verlags zum Festival "Tatort Eifel" verfassen wird.
Fakten also: Davon hat die Autorin am zweiten Tag ihres Besuchs im Dorf schon mehr beisammen als der kleine Ort im großen Maarkessel Einwohner. Und jedes dieser Details könnte der Auslöser für die Kurzgeschichte sein, die sie anschließend schreiben wird.

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Und sei es noch so kurios: Dass zum Beispiel, wie sie von den Meerfeldern erfuhr, einmal Hochwasser geherrscht habe. Das Maar trat über die Ufer, die Kühe standen im Wasser - und ein Rindvieh sei von einem Hecht gebissen worden. Sensationell. Verbürgt ist auf jeden Fall Meerfelds Sieg auf Kreisebene 1995 im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" - wie auch der Titel "Hammerdorf" im Landesschau-Wettbewerb 2007. Oder die fröhliche Rivalität zwischen Meer- und Bettenfeld. Dass die Bettenfelder jedoch vom Kraterrand Lavabrocken auf ihre Nachbarn herabwerfen - glatt gelogen. "Die Eifeler sind nett", sagt Martina Kempff. "Die werfen nur freundliche Blicke."

Konditorenkünste begeistern


Die Ideen für die Story - von denen wir aber keine verraten wollen - sprudeln nur so aus ihr heraus, immer flankiert von den trockenen Ergänzungen ihres Lebensgefährten Michael Hake. "Er hat immer die schrägen Ideen", sagt Martina Kempff. "Obwohl er Mathematiker ist."
Meerfeld, Maar und alles drumherum: ein Idyll. Kann man hier morden? "Aber gerade!", ruft Martina Kempff. "Es ist doch nirgendwo so lieblich, wie es scheint. Das Böse lauert überall. Und es lauert gerade da, wo es niedlich ist." Allerdings wird der geplante Mord wohl nicht am Aussichtsturm über dem Maar geschehen: Wer da runterstürze, der lande auf zu weichem Boden, finden die beiden. Kurz: nicht todsicher.
Schluss mit der Recherche: Frank Weiler lässt das Abendessen servieren. Martina Kempff und Michael Hake sind begeistert von ihren Gastgebern, die bei der Aktion von TV und KBV den Autorenbesuch ergattert hatten: Das gilt für die Konditorenkünste von Irina Weiler genauso wie für das, was ihr Mann auf den Tisch bringt. Martina Kempff: "Das ist ein Koch, der Sterne verdient hat, der sie aber überhaupt nicht haben will."
Martina Kempff hat bei Piper bislang zwei Eifelkrimis veröffentlicht, die in ihrer früheren Heimat Hallschlag-Kehr (Landkreis Vulkaneifel) angesiedelt sind: "Einkehr zum tödlichen Frieden" und "Pendelverkehr". Zum Krimifestival im September erscheint der dritte Roman der Reihe: "Kehraus für eine Leiche". Außerdem verfasste sie bisher acht historische Romane, die ebenfalls bei Piper verlegt wurden. Ihr nächstes Projekt: ein Roman über Karl den Großen, der zu seinem 1200. Todestag 2014 erscheinen wird.
Unter dem Titel "Meucheln nach Plan: Krimi-Recherche für Tatort Eifel" sendet die SWR 4-Radiogalerie am Sonntag, 19. Juni, 20.05 bis 22 Uhr, einen Beitrag über Autorin Martina Kempff, die sich in Meerfeld auf Krimi-Recherche begeben hat. SWR 4-Reporterin Jutta Horn hat sich der Schreiberin bei ihrer Spurensuche an die Fersen geheftet. Info: www.SWR4.de
Das Krimifestival Tatort Eifel beginnt am Freitag, 16. September, 19.30 Uhr, mit dem Konzert von Klaus Doldinger und der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz im Lokschuppen zwischen Gerolstein und Pelm. Karten (32 Euro, ermäßigt 25 Euro): TV-Service-Center Trier, Bitburg und Wittlich, Telefon 0651/7199-996 sowie unter www.volksfreund.de/tickets Info: www.tatort-eifel.de fpl