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21.03.2012
unseren Mitarbeitern Thomas Brost und Dieter Junker

Debatte um Zukunft des Fliegerhorsts Büchel

(Büchel) Verschwindet mit dem Tornado in den nächsten Jahren auch der Fliegerhorst Büchel? Diese Befürchtung äußert der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels (Kiel, MdB). Staatssekretär Peter Bleser (CDU) beschwichtigt: Bis zum Jahr 2025 ist Büchel (Kreis Cochem-Zell) sicher, sagt der Brachtendorfer, der Mitglied der Bundesregierung ist.

Büchel. Den Informationen zufolge, über die Bartels verfügt, ist offenbar vorgesehen, neben den derzeitigen Eurofighter-Standorten Rostock-Laage, Neuburg und Nörvenich den Standort Wittmund in Ostfriesland zu einem vollwertigen vierten Eurofighter-Geschwader auszubauen. "Dort wird die nötige Infrastruktur hergerichtet", so Bartels. Für Büchel werde es daher nach der Aufgabe der Tornados bis spätestens 2025 keine weiteren Aufgaben mehr in der Bundeswehr geben, glaubt der SPD-Verteidigungspolitiker.
Eine weitere Folge dieser Entscheidung: Da der Eurofighter nicht für Nuklearwaffen genutzt werde, ende dann auch die nukleare Teilhabe Deutschlands. Diese Einschätzung des SPD-Abgeordneten teilt Otfried Nassauer. "Büchel ist praktisch tot seit der Entscheidung, dort die Tornados zu belassen und an der nuklearen Teilhabe festzuhalten", macht der Leiter des Berliner Instituts für transatlantische Studien (Bits) deutlich.
Seitdem sei klar, dass Büchel nicht auf den Eurofighter umgerüstet werde, dass stattdessen der Stützpunkt Wittmund in Ostfriesland ausgebaut werde und Büchel nur noch so lange bestehen bleibe, wie die Tornados im Dienst seien. "Das ist auch abhängig von Nato-Entscheidungen", erläutert der Experte. Bis 2025 könnten die Aufgaben in Büchel mit der vorhandenen Infrastruktur noch bewältigt werden, aber: "Spätestens dann ist Schluss", ist er überzeugt.
Für ihn war die Entscheidung, die nukleare Teilhabe in Büchel aufrechtzuerhalten, der entscheidende Fehler. Nassauer: "Ich habe immer schon gesagt, wer dieses Geschwader erhalten will, der muss auf die nukleare Teilhabe verzichten. Denn der Eurofighter ist nicht nuklear einsetzbar, und der Tornado ist ein Auslaufmodell." Nun sei aber Büchel der Tornado-Standort, die Eurofighter kämen stattdessen nach Wittmund. "In der Luftwaffenstruktur der Bundeswehr nach dem Tornado ist dann kein Platz mehr für Büchel", so lautet das Urteil von Nassauer.
Dem gegenüber sagt Peter Bleser, der sich auf aktuelle Informationen aus dem Verteidigungsministerium bezieht: Die nächste Planung nach dem Stationierungskonzept vom Oktober vorigen Jahres ist noch nicht in Sicht. "Ich mache mir keine Sorgen um Büchel", sagt Bleser. Er habe "von ganz oben" die Zusicherung, dass der Fliegerhorst erhalten bleibt. Das Trägersystem Tornado stehe, so hat Bleser aus dem Ministerium erfahren, bis 2025 zur Verfügung. Derzeit berate die Nato ein neues strategisches Konzept.
Für Bleser soll sich die "Sonderrolle", die Büchel innerhalb der Luftwaffenstandorte spielt, nicht zum Negativen auswirken. "Es darf nicht sein, dass Büchel bestraft wird, wenn diese Sonderrolle wegfallen sollte."
Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, spricht am Donnerstag, 12. April, 18 Uhr, im Bürgerhaus in Faid über die Zukunft der Bundeswehr.