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Ein Bürgerbus rollt bald durchs Dauner Land

Start des neuen Angebots voraussichtlich im Herbst - Ehrenamtliche machen diesen Service möglich

(Daun) Die Fahrpläne von öffentlichen Bussen auf dem Land sind weitestgehend auf die Bedürfnisse von Schülern ausgerichtet. Damit aber auch Senioren und Jugendliche mobil bleiben, bringt der Verein Bürger für Bürger für die Verbandsgemeinde Daun das Projekt Bürgerbus auf den Weg.

01.06.2016
Stephan Sartoris
Daun. Wer auf dem Land wohnt, keinen Führerschein und kein Auto besitzt und ohne Mitfahrgelegenheit ist, hat schlechte Karten. Denn das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist überschaubar und zeitlich eingeschränkt, da kann besonders für Senioren die Fahrt zum Einkauf oder zum Arzt in die nächste Stadt zu einem Problem werden.
Vor diesem Hintergrund hat sich der in der Verbandsgemeinde (VG) Daun aktive Verein Bürger für Bürger (BfB, siehe Extra) die Idee entwickelt, einen Bürgerbus einzurichten. Daraus ist mittlerweile ein konkretes Vorhaben geworden. So bekommt der BfB Mitte Juli einen Neun-Sitzer-Kleinbus. Er kostet 29 000 Euro, finanziert mit Eigenmitteln des Vereins (10 000 Euro), einer Spende der Stiftung der Kreissparkasse Vulkaneifel (7000 Euro) und einem Zuschuss der VG Daun (12 000) Euro.

Auch die Jugend im Blick


BfB hat - beschränkt auf Vereinsmitglieder - bislang bereits Fahrten angeboten, allein 2015 wurden so mit Privat-Fahrzeugen 7500 Kilometer zurückgelegt. Den Bürgerbus können künftig alle Einwohner nutzen. Besonderen Wert legen die Initiatoren darauf, dass der Service auch auf die Verbesserung der Mobilität von Kindern und Jugendlichen ausgerichtet ist. So soll das Fahrzeug auch an Abenden und Wochenenden für Jugendliche zur Verfügung stehen.
Tim Becker, Pressesprecher von BfB, stellt klar: "Wir werden weder eine Konkurrenz für den ÖPNV noch für Taxiunternehmen sein. Unser Ziel ist eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Angebot." Der Verein hat sich über zwei Projekte informiert, die von Verbandsgemeinden unterhalten und betrieben werden: den Bürgerbus der VG Traben-Trarbach (Kreis Bernkastel-Wittlich), der entlang der offiziellen Buslinie die regulären Haltestellen anfährt, und den Bürgerbus der VG Arzfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Der hat feste Routen und kommt auf Anforderung und holt, falls erforderlich, Personen an der Haustür ab und bringt sie wieder zurück. "Wir haben uns mit unserem Modell an dem in Arzfeld orientiert", sagt Tim Becker.
Klar ist: Der Bürgerbus, der von Montag bis Freitag unterwegs sein wird, kann nicht an allen Tagen alle Orte (inklusive aller Stadt- und Ortseile sind es 48) in der VG erreichen. Ziel ist, dass alle Gemeinden mindestens ein Mal in der Woche für eine Hin- und Rückfahrt angefahren werden.
"Die VG wird in fünf Bereiche - wie beispielsweise die Orte ums Pulvermaar - aufgesplittet, die dann an festen Tagen angefahren werden", erklärt Tim Becker. Wer den Bürgerbus nutzt, braucht dafür nicht zu zahlen, "Spenden werden aber gern angenommen".
Am Steuer werden ehrenamtliche Fahrer sein, für den Neun-Sitzer reicht der normale Führerschein. "Es ist ein wirklich anspruchsvolles Projekt, für das jede Menge Detailarbeit zu leisten ist. Am Ende wird es ein kleiner Betrieb sein, der organisiert sein will", sagt Becker. Einen festen Termin für den Start des Bürgerbusses gebe es noch nicht, "aber definitiv in diesem Jahr, aller Voraussicht nach im Herbst."
Für den Vorsitzenden des Seniorenbeirats der Stadt Daunund des Vulkaneifelkreises, Helmut Giesen, ist das Projekt "eine tolle Sache, die den älteren Menschen eine neue Perspekitve bietet. Ich bin gespannt, wie es angenommen wird."
Meinung
Alles andere als Luxus

Wer auf dem Dorf lebt, kein Auto mehr fährt und alleine ist, hat häufig ein Problem, wenn der nächste Arzt oder Laden kilometerweit entfernt liegt. Neue Wege braucht das Land, der Bürgerbus ist ein Modell - und fast schon überfällig. Denn es ist absehbar, dass der ÖPNV wegen der sinkenden Schülerzahlen noch weiter ausgedünnt wird. Hut ab vor dem Verein Bürger für Bürger, der sich der großen Herausforderungen stellt, ein eigenes Angebot auf die Beine zu stellen, das mittlerweile alles andere als Luxus ist. Denn es ermöglicht vielen Menschen, mobil zu bleiben, was ein unschätzbares Stück Lebensqualität ist. s.sartoris@volksfreund.de
Extra
In Deutschland gibt es etwa 250 Bürgerbusse, in Rheinland-Pfalz verkehren mittlerweile an die 40, darunter in den Verbandsgemeinden Wittlich-Land, Saarburg, Traben-Trarbach und Arzfeld sowie in der Gemeinde Tawern (Kreis Trier-Saarburg). In der Verbandsgemeinde Daun hat sich der Verein Bürger für Bürger dieser Aufgabe gestellt. Er ist vor vier Jahren gegründet worden, hat mittlerweile mehr als 500 Mitglieder und sich zum Ziel gesetzt, den Menschen zu ermöglichen, in der vertrauten Umgebung zu bleiben. Dazu werden insbesondere älteren Menschen Hilfen im Haus und ums Haus sowie Unterstützung bei der persönlichen Mobilität angeboten, zum Beispiel durch begleitende Fahrten. Das Angebot ergänzt die Nachbarschafts- und Familienhilfe und die sozialen Dienste, da diese nicht jederzeit und überall in Anspruch genommen werden können. sts