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Ein Stein erinnert an die Geschichte der Pilger und des Glaubens

Kunstwerk aus Basaltlava macht auf Jahrhunderte alte Wallfahrt nach Valwigerberg aufmerksam

(Welcherath) Zur Erinnerung an die Wallfahrt zum Valwigerberg (Kreis Cochem-Zell) als ein seit mehreren Jahrhunderten währendes Glaubenszeugnis und als Ermutigung für die Zukunft haben die Dörfer der Pfarrei Welcherath (mit Brücktal, Drees, Kirsbach und Reimerath) einen Pilgerstein errichtet. Die Einsegnung durch Dechant Klaus Kohnz war mit einem Festgottesdienst und einer Prozession verbunden.

27.10.2016
Welcherath. Für Josef Krein (70) gehört die Wallfahrt zum "Gnadenbild der wundertätigen Mutter" in der Kapelle St. Maria und Magdalena in Valwigerberg (siehe Hintergrund) zu seinen höchsten persönlichen kirchlichen Feiertagen im Jahr. "Ich habe die Marienverehrung von meinen Eltern übernommen", erzählt er. Zudem möchte er durch seine Teilnahme an der Wallfahrt - in diesem Jahr zum 40. Mal - an der Fortführung eines Versprechens mitwirken, das Pfarrangehörige während des Dreißigjährigen Krieges vor etwa 380 Jahren aus Not gegeben hatten.
Nun trägt Josef Krein das Pilgerkreuz der Prozession voran, die sich zu den Klängen des von Heinz Raths dirigierten Musikvereins Müllenbach zur Kreuzung Heiligenweg/Hauptstraße in Welcherath formiert hat. Dort steht der neue Pilgerstein in unmittelbarer Nachbarschaft eines Pestkreuzes aus dem Jahr 1732 und einer modernen Sitzgruppe. Zuvor war in der Pfarrkirche ein Festgottesdienst gefeiert worden. Die Frauenschola unter Leitung von Karl-Heinz Mannebach hatte die schönsten Marienlieder gesungen. Pastor Klaus Kohnz hatte in seiner Predigt das Pilgern als "Glaube, der uns Beine macht" bezeichnet und an die Pfarrangehörigen appelliert: "Setzen wir uns immer wieder in Bewegung, damit wir lebendig bleiben im Miteinander und auf Gott hin."

Wahrung der Tradition


Der Pilgerstein sei "ein großes Zeichen unserer Geschichte und unseres Glaubens und eine Wegmarkierung für unsere Zukunft", sagte der Geistliche.
Welcheraths Ortsbürgermeister Winfried Rech erklärt zur Motivation der fünf Dörfer, Geld und Eigenleistung für den Stein aufzubringen: "Er soll als ein sichtbares Zeichen und zur Ehre einer Jahrhunderte alten Tradition hier stehen." Der Pilgerstein aus Basaltlava stammt aus der Werkstatt des Bildhauers Werner Geilen (Mendig).
Darauf sind die Pfarrkirche Welcherath und die Kapelle Valwigerberg mit den jeweiligen Wappen zu sehen sowie die Namen der fünf Dörfer und die Entfernung (34 Kilometer) zu lesen. "Unter all meinen Werken ist dies der erste Pilgerstein", erzählt Werner Geilen - "ein interessantes Projekt, eine Idee, die auch meinem persönlichen Anliegen entspricht, dass solche Traditionen bewahrt werden sollen." bb
Extra
Die Wallfahrtskirche St. Maria und Magdalena in Valwigerberg war in der Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut worden, nachdem sich die Berichte über Gebetserhörungen gehäuft hatten. Bis heute ist das "Gnadenbild der wundertätigen Mutter vom Berge" Ziel von Pilgern. Die Wallfahrt der Pfarrei Welcherath geht auf den Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) zurück, als schwedische Truppen die Nürburg eroberten und in den Dörfern der Umgebung wüteten. Da versprachen die Bewohner eine jährliche Wallfahrt nach Valwigerberg. Bis in die 1960er Jahre hinein fand diese immer am Samstag und Sonntag nach dem Fest Peter und Paul (29. Juni) statt. Dann fand zwar die Fußwallfahrt keinen Anklang mehr, doch wurde das Versprechen durch eine Buswallfahrt weiterhin eingehalten. 1976 nahmen vier Männer, darunter Josef Krein aus Welcherath, einen neuen Anlauf zur Wiederbelebung der Fußwallfahrt, allerdings an nur einem Tag. Inzwischen hat sich das Pilgern nach Valwigerberg längst wieder etabliert, und es nehmen immer rund zwei Dutzend Pfarrangehörige teil. Sie starten um 4.30 Uhr in Welcherath und erreichen um die Mittagszeit Klotten, wo sie mit einer Fähre die Mosel überqueren und von dort hoch auf den Berg gehen. Die Wallfahrt mündet in einer Andacht, zu der zahlreiche Angehörige der Pfarrei Welcherath mit dem Auto kommen. bb