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aus unserem Archiv vom 15. Oktober 2012
Autor: Helmut Gassen Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Daun Drucken  E-Mail

Einkaufs-Shuttle wird kaum nachgefragt

Es kostet nichts, wird aber dennoch nicht genutzt: Der Hit-Markt in Daun bietet seit Kurzem Kunden einen Bus-Shuttle-Service bis nach Üdersdorf, Schalkenmehren, Mehren und Darscheid sowie in alle Stadtteile und die Kernstadt Daun an. Doch obwohl es immer mehr Ältere gibt und das Angebot des öffentlichen Busverkehrs oft als zu spärlich und zu teuer kritisiert wird, steigt kaum einer ein.

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Daun. Die Konkurrenz ist groß in Daun, was den Lebensmitteleinkauf angeht: Drei Discounter und drei große Märkte buhlen um die Kundschaft. Neben Angeboten, Rabattaktionen und Gewinnspielen setzen die Läden auch immer mal wieder auf außergewöhnliche Dinge, um Kunden für sich zu gewinnen. So hat der Rewe-Markt in Pützborn seit mittlerweile viereinhalb Jahren täglich bis 22 Uhr geöffnet - und ist damit immer noch im Vulkaneifelkreis einzigartig.
Nun zieht der Hit-Markt mit einem anderen Service nach: Seit Ende August fährt ein kostenloser Shuttle-Bus jeden Dienstag und Freitag durch umliegende Dörfer, die Dauner Stadtteile und die Stadt und bringt Kunden zum Supermarkt - und wieder zurück. Doch das Angebot wird so gut wie nicht genutzt. Marktleiter Helmut Becker sagt: "Ich habe mir viel mehr Resonanz versprochen und bin etwas enttäuscht. Manchmal fährt nur einer mit. Dabei können die Kunden sogar mit dem Rollstuhl in den Bus kommen."
Auch Dauns Stadtbürgermeister Wolfgang Jenssen findet das Angebot gut. Er sagt: "Ich sehe es als sinnvoll an, weil ja ein Teil der älteren Leute kein Auto mehr hat." Jenssen mutmaßt, weshalb der Service nicht genutzt wird: "Vielleicht ist es bei vielen nicht bekannt. Es kann aber auch ein Zeichen dafür sein, dass die älteren Leute mit den Nachbarn gut zurechtkommen." Den Anreiz solch ein Angebot zu machen, bekam Becker von einem Freund. "Ich habe einen Kollegen in Dormagen, der dieses Angebot schon länger seinen älteren Kunden anbietet. Und es funktioniert." Und gerade im ländlichen Raum und vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung hat er sich mehr versprochen.
An genug Werbung für das Angebot mangele es nicht, sagt Becker. "Wir haben Anzeigen geschaltet, Flyer und Handzettel verteilt, und im Markt steht auch eine große Tafel."
Trotz der schlechten Resonanz ist an eine Beendigung des Shuttle-Services vorerst nicht gedacht. Becker: "Wir haben erst angefangen und denken sogar über eine Ausdehnung nach Steiningen und Steineberg, Oberstadtfeld und Neroth nach - wenn es mal läuft."
Rumgesprochen hat sich der Service aber bisher nicht. So sagten gleich mehrere Passanten in der Stadt, dass sie davon nichts wüssten. So auch der 65-jährige gehbehinderte Günter Kremer aus Neunkirchen, dem das Gehen schwerfällt, der aber noch Auto fährt. Er sagt: "Davon weiß ich gar nichts, aber ich finde das gut. Es ist nur so, die Zeiten sind für mich nicht so gut und ich muss auch noch immer woanders in der Stadt hin." HG
Extra
Alois Zender, Ortsvorsteher von Daun-Neunkirchen: "Dieser Shuttle-Dienst ist mir nicht bekannt. Ich denke aber auch, dass die Leute näher am Pützborner Rewe Markt sind und dorthin fahren." Zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sagt er: "Es gibt im Dorf schon noch Leute, die die öffentlichen Busse benutzen. Und es gab auch immer mal wieder Äußerungen, dass mehr Mobilitätsbedarf besteht. Die meisten Leute haben aber noch Angehörige, die sie nach Daun fahren." Konrad Junk, Ortsvorsteher von Daun-Weiersbach: "Von diesem Shuttle Service habe ich noch gar nicht gehört. Bei uns ist es oft so, dass viele Ältere bei den jüngeren Leuten wohnen und diese sie dann nach Daun zu Einkaufen fahren." Zum ÖPNV sagt er: "Bei uns beutzen noch viele Leute den öffentlichen Personennahverkehr, eine Ausweitung des Angebots ist bislang nicht gefordert worden." Dieter Oster, Ortsvorsteher von Daun-Boverath: "Ich habe von dem Bus-Service gelesen. Ich vermute jedoch, dass man sich hier im Ort noch in der Familie oder Nachbarschaft hilft. Das ist hier noch stark ausgeprägt. Hinzu kommt, dass ja auch noch die mobilen Lieferdienste von Heiko bis zum Bäcker hierhin kommen, womit der Grundbedarf für die älteren Mitbürger gedeckt ist." HG
Extra
"Wir werden einfach immer weniger und immer älter", sagt Werner Klöckner, Bürgermeister der VG Daun. Damit spielt er auf die Prognosen des Statistischen Landesamts Rheinland Pfalz an, die vielfach bestätigt worden sind. Sie besagen: Im Jahr 2020 leben nur noch 22 435 Menschen in der VG Daun. Davon sind rund 25 Prozent älter als 65 Jahre. 2008 waren es noch 23 441, 2005 sogar noch 24 091. Der Anteil der jüngeren Bevölkerung nimmt in den kommenden Jahren ab. Nur in Mainz und Trier sowie in den Kreisen Trier-Saarburg und Mainz-Bingen sind die Prognosen günstiger.mh

 




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