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Familien- und andere Geschichten

Dauner Bücherherbst: Journalist Hajo Steinert stellt im Forum aktuelle Romane vor

(Daun) Für das seit vielen Jahren üblicherweise von ihm selbst gestaltete "Literaturcafé" des Kulturkreises hatte der aus Daun stammende Journalist Christoph Schmitz einen renommierten Experten als Ersatz besorgt: Hajo Steinert (Köln), Leiter der Kulturredaktion beim Deutschlandfunk, sprach im Forum über wichtige Romane der jüngsten Zeit.

16.11.2011
unsrerer Mitarbeiterin Brigitte Bettscheider
Daun. Salopp, mit einem "Turm Bücher" unter dem Arm, betritt Hajo Steinert (59) seine Bühne - darauf steht ein kleiner Tisch mit Mikrofon und Leselampe. Und beginnt einen gleichermaßen informativen und unterhaltsamen Streifzug mit dem Schwerpunkt "Familien- und andere Geschichten". Lenkt die Aufmerksamkeit der etwa 70 Zuhörer unmittelbar auf den kürzlich mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman "In Zeiten des abnehmenden Lichts" von Eugen Ruge, lobt den Autor dafür, dass er ohne Hektik durch die Zeiten und Gegenden wandere, empfiehlt das Buch als "ungeheuer spannenden Lesestoff".
Angelika Klüssendorfs "Das Mädchen" sei ein wunderbares Beispiel dafür, wie ein Mensch Missverhältnisse mit Literatur überstehe und sich von ihr trösten lasse. Als ein Buch, das die Sehnsucht nach einer intakten Familie nähre, stellt Steinert "Die Liebe der Väter" von Thomas Hettche vor. Ein Roman, der von Gefühlskälte handle und in dem die Erinnerung an eine elternlose Kindheit finster ende, sei Peter Wawerzineks "Rabenliebe". Der Literaturjournalist gerät bei Jan Koneffkes "Die sieben Leben des Felix Kannmacher" ins Schwärmen über die Detailfreude, Erzähllust und Klugheit des Schriftstellers - "eine Kunst!", sagt Steinert. Die Todesangst des Ich-Erzählers in "Schwarze Sonne scheine" von Albert Ostermaier lasse keinen kalt; das Buch sei Bekenntnis, Klage und Gebet in einem. Wer Gedankenspiele liebe, sei mit "Blumenberg" von Sibylle Lewitscharoff gut beraten. Freunde jüdischen Humors sollten "Die Teilacher" und "Machloikes" von Michel Bergmann lesen.
Steinert plaudert noch mit den Bücherfreunden, die er mit seinen prägnanten Beschreibungen in einer ans Literarische grenzenden Sprache beeindruckt hat. Und fährt zurück nach Köln. bb