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Ferienerlebnis in einem besonderen Haus

Teil eines neuen Ferienparkvorhabens: Am Pulvermaar entsteht das erste Strohballenhaus in der Vulkaneifel

(Gillenfeld/Daun) Ein Dauner setzt ein lang vorbereitetes Projekt in Gillenfeld um: Bernd Hein baut auf dem Areal des früheren Feriendorfs der Arbeiterwohlfahrt ein Strohballenhaus. Der Bauherr will damit auch für den selten verwendeten Baustoff werben.

24.06.2014
Stephan Sartoris
Gillenfeld/Daun. Noch ist nur ein Musterhaus zu sehen, aber wenn es genügend Interesse gibt, soll oberhalb des Pulvermaars bei Gillenfeld ein neuer kleiner Ferienpark entstehen. Die Idee ist nicht neu: Schon seit Ende der 1990er Jahre wird versucht, auf dem Gelände Ferienhäuser zu errichten. Aber wie schwer es ist, ein solches Projekt umzusetzen, hat Bernd Hein erfahren müssen. Der Dauner hatte versucht, zusammen mit einem Partner auf dem 2,2 Hektar großen Areal des früheren Arbeiterwohlfahrt-Feriendorfs einen neuen Park aufzubauen. Wichtige Voraussetzungen waren erfüllt: ein rechtskräftiger Bebauungsplan, eine asphaltierte Erschließungsstraße sowie Ver- und Entsorgung (Strom, Wasser, Kanal).
Trotz der bislang vergeblichen Bemühungen startet der 74-Jährige nun einen neuen Anlauf - zweigleisig. Während sich ein Geschäftspartner um die Vermarktung des Ferienparks (mit bis zu 23 Niedrigenergie-Ferienhäusern für jeweils sechs bis acht Personen) kümmert, ist Hein mit einem anderen Projekt weit vorangekommen.
Auf dem Grundstück am Pulvermaar entsteht in Kürze ein Strohballenhaus, das ebenfalls an Feriengäste vermietet werden soll: "Die Genehmigung für zwei solcher Häuser liegt vor, das Material für das erste Bauwerk steht bereit, Handwerker-Angebote liegen vor." Die Strohballen sind 1,25 Meter breit und werden mit Lehm verputzt, das fertige Haus wird laut Hein kaum Heizung brauchen, "es ist vergleichbar mit einem Passivhaus". Er kommt ins Schwärmen, wenn er vom Bauen mit Stroh erzählt: "Mit der Energie, die bei einem konventionellen Haus benötigt wird, könnten 35 Strohballenhäuser gebaut werden. Und vom Wohnwert her ist ein solches Haus auch kaum zu toppen." Allerdings wird das Naturprodukt sehr selten fürs Bauen verwendet.
Derzeit gibt es lediglich ein Strohballenhaus in der Region, im Trierer Stadtteil Irsch. "Der Besitzer, mit dem ich schon mehrfach Kontakt hatte, wurde dafür mit einem deutschen Umweltpreis ausgezeichnet", berichtet Hein. Unterstützt wird er von der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Vulkaneifel, die sein Vorhaben als "einzigartig in der Eifel" bezeichnet. Von diesem Alleinstellungsmerkmal verspricht sich Hein einiges: "Erstes Strohballenhaus in der Vulkaneifel: Das passt zu den touristischen Bemühungen des Gesundlands, damit lässt sich bestimmt gut werben."
Sein Zeitplan sieht vor, dass in einigen Monaten die ersten Gäste im Strohballenhaus "die positiven Eigenschaften erleben können, die das Naturprodukt als Baustoff interessant macht." Die LAG hat Heins Projekt finanzielle Unterstützung bewilligt, in welcher Höhe, wird aber nicht verraten, da es "sich um ein privates Vorhaben handelt".
"Eine fünfstellige Summe", wird der Bauherr selber etwas konkreter, was den Zuschuss angeht. Und die Gesamtkosten? "Eine Summe deutlich unter 200 000 Euro."
Extra
Die Lokale Arbeitsgruppe Vulkaneifel (LAG) hat derzeit 39 Mitglieder aus den unterschiedlichsten Bereichen (Verwaltung, Tourismus, Landwirtschaft, Naturschutz und ähnliches), die bewerten und entscheiden, welche Projekte als förderungswürdig angesehen werden. Zuschüsse kommen aus einem europäischen Fördertopf, dem sogenannten Leader-Programm. Die Abkürzung Leader steht für "Liaisons entre actions de développement de l`\\'économie rurale". Zu deutsch: "Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft". Es ist eine Gemeinschaftsinitiative der Europäischen Union, mit der seit 1991 die Entwicklung des ländlichen Raums gefördert wird. Das LAG-Gebiet Vulkaneifel umfasst den Kreis Vulkaneifel sowie Teile der Kreise Bernkastel-Wittlich und Cochem-Zell. sts

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