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Fit für den Job und das Leben - Natur Erlebnis Zentrum (NEZ) Vulkaneifel bietet zweite Chance

(Darscheid) Das Natur Erlebnis Zentrum (NEZ) Vulkaneifel in Darscheid ist mehr als eine Anlaufstelle für Tier- und Pflanzenfreunde. Hier bekommen Jugendliche eine zweite Chance.

29.03.2017
Alwin Ixfeld
Darscheid. "Ich bin definitiv offener geworden und habe weniger Probleme damit, auf Menschen zuzugehen und mit ihnen ein Gespräch anzufangen", beschreibt René seine bisherigen Erfahrungen mit dem Jugendprojekt Fit für den Job. Er ist einer von derzeit 17 jungen Menschen, die von Sozialarbeiterin Anne Simon und ihrem Team im Darscheider NEZ betreut werden.

Seit 2011 leitet Simon das von der EU und dem Land Rheinland-Pfalz geförderte Jugendprojekt. "Wir haben 18 Plätze für Jugendliche, die unter 25 Jahren sind und keine abgeschlossene Berufsausbildung haben", erklärt Simon. "Die Jugendlichen werden uns vom Jobcenter, der Jugendgerichtshilfe oder anderen Institutionen zugewiesen. Die Wenigsten kommen also freiwillig", betont die Projektleiterin.
Am Anfang gehe es immer darum, herauszufinden "was können die Jugendlichen, wo haben sie Probleme und sie einfach kennen zu lernen", sagt Simon.

"Es gibt keine Menschen, die nichts Liebenswertes haben, und da setzen wir an", betont sie. Die Jugendlichen hätten gelernt, dass sie Außenseiter seien oder Versager, die zum Teil hoch verschuldet seien, Drogenprobleme hätten und oft aus "ganz schlimmen Familienverhältnissen stammen" beschreibt Simon.
Erstes Ziel sei es, ein Kompetenz-Profil zu erstellen, bei dem die Jugendlichen sich selbst bewerten und von den Betreuern eingeschätzt werden. Daraus entsteht ein Förderplan, "also was will ich in welcher Zeit erreichen, was muss ich dafür tun, brauche ich dafür Unterstützung. Und das wird dann alle zwei Monate überprüft", beschreibt Simon.

Wichtig sei auch, dass die jungen Leute zunächst einmal lernten, regelmäßig von Montag bis Freitag ins NEZ zu kommen. Das habe in der Anfangszeit des Projekts Probleme bereitet, weil die Jugendlichen aus dem gesamten Vulkaneifelkreis stammen und oft nicht wussten, wie sie nach Darscheid gelangen sollten. Seit knapp zwei Jahren gibt es aber eine regelmäßig verkehrende Buslinie und eine eigene Bushaltestelle. Die Jugendlichen könnten in den Bereichen Hauswirtschaft und Jugendtourismus, Umwelt und Biotoppflege oder Bauen und Handwerk Grundkenntnisse erlangen, erläutert die Sozialarbeiterin.

Zusätzlich gibt es sozialpädagogische Maßnahmen, die vor allem der persönlichen Entwicklung der Jugendlichen dienen. Ein großes Plus sei die Zusammenarbeit mit dem Verein der Vogelschutzgruppe Darscheid, der auch Träger des NEZ ist. "Bei den vielen Aktivitäten, wie Waldweihnacht oder Tag der Artenvielfalt, wo die Jugendlichen freiwillig an den Wochenenden mithelfen, können sie auch nach außen, also der Gesellschaft zeigen, was in ihnen steckt", betont die Leiterin.
Hauptziel des Jugendprojekts ist es, die jungen Leute dauerhaft in eine Arbeit zu vermitteln. Das gelingt auch bei knapp der Hälfte der Teilnehmer, "aber oft liegen psychische Probleme vor oder der Förderschul-Abschluss reicht nicht als Qualifikation, und oft fehlt einfach der Führerschein", zählt Simon auf.

Als erfolgreiches Beispiel nennt die Projektleiterin dagegen einen jungen Mann, der zwei Jahre lang in verschiedenen handwerklichen Berufen Praktika absolviert hat und jetzt in einem Seniorenheim seinen Traumberuf gefunden hat. Auch René scheint auf einem guten Weg zu sein, hat einen Nebenjob, mit dem er seinen Führerschein finanzieren will und eine klare Vorstellung davon, wie es weiter gehen soll: "Mein Ziel ist es, dieses Jahr eine Ausbildung zu finden", sagt René und klingt dabei sehr bestimmt.
 
JUGENDPROJEKT FIT FüR DEN JOB
 
Extra
(aix) Das Jugendprojekt des NEZ Vulkaneifel bietet Jugendlichen, die jünger sind als 25 Jahre, arbeits- und sozialpädagogische Betreuung für den Einstieg ins Berufsleben. Dazu gehört das Arbeits training, um Arbeitstugenden zu üben, der Erwerb von fachlichen Grundkenntnissen und Hilfe bei Bewerbungen. Teilnehmer mit entsprechender Ausbildungsreife können über Betriebspraktika in den Arbeits- oder Ausbildungsmarkt gelangen. In der Regel werden die Jugendlichen ein Jahr lang betreut, bei Bedarf aber auch länger. Gefördert wird das Projekt vom Sozialfonds der Europäischen Union und dem rheinland-pfälzischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demoskopie.