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Freier Internetzugang über lokales Netzwerk: Nun laufen auch in Daun die Vorbereitungen

(Daun/Gerolstein) Überall in der Stadt mobil und kostenlos im Internet surfen: Das soll demnächst auch in Daun möglich sein. Ein wichtiger Partner ist dabei auch der Gewerbe- und Verkehrsverein. Das gemeinsame Ziel: Die Innenstadt vom Kino bis zum Krankenhaus abdecken, aber auch das Haus der Jugend im alten Bahnhof soll eingebunden werden.

01.12.2016
Stephan Sartoris
Daun. Viel Begeisterung ist zu spüren, wenn Hardy Schmidt-Ellinger vom Aufbau des kostenlosen WLAN (siehe Extra) in Gerolstein spricht. Vor gut einem halben Jahr gestartet, "ist es super angenommen worden und hat sich gut etabliert", sagt der Ortsvorsteher des Stadtteils Bewingen, hauptberuflich Leiter IT- und Softwareentwicklung bei einer Eifeler Firma sowie Initiator des Vereins Digitale Stadt Gerolstein. Im Sommer hatte der Stadtrat den Weg freigemacht dafür, dass in der Stadt mobil und kostenlos im Internet gesurft werden kann. "Vier Wochen später folgte der Startschuss für das Netz, an dem mittlerweile gut 50 Router hängen", berichtet Schmidt-Ellinger.
Die Geräte stehen unter anderem im Rathaus, im Bahnhof, in der Realschule plus sowie in diversen Geschäften.

Wachsendes Netzwerk


Die WLAN-Offensive basiert auf einer Idee der sogenannten Freifunk-Initiative (siehe Extra): Behörden, Geschäfts- oder Privatleute schließen ihren WLAN-Router mit einer speziellen Software ans Freifunk-Netz an, und die vielen Geräte verbinden sich untereinander zu einem großen Netzwerk, bei dem immer der beste Weg ins Internet gefunden wird. So sorgen die Freifunk-Anbieter für ein großes Netzwerk, das einfach so genutzt werden kann, weil jeder etwas von seiner Internet-Bandbreite abgibt. "Je mehr Leute mitmachen, desto besser wird das Netzwerk", von dem sich Schmidt-Ellinger eine ganze Menge verspricht. "Wir können mit einer modernen technischen Infrastruktur werben, der Tourismus kann angekurbelt, Bildung für alle Gesellschaftsschichten erreichbar werden", nennt er nur einige Beispiele. Das Potenzial hat auch die Stadt Daun erkannt, namentlich der 1. Beigeordnete Friedhelm Marder. "Ich habe mir schon länger Gedanken gemacht über das Thema, aber die sogenannte Störerhaftung war ein echter Hemmschuh", erzählt der Telekommunikationsfachmann. Die Störerhaftung besagte, dass Betreiber eines Netzes haften, wenn darin jemand gegen geltendes Recht verstößt, also zum Beispiel illegal kopierte Fernsehsendungen, Filme oder Musikstücke verbreitet. "Das war ein zu hohes Risiko, egal ob für Kommunen, Gewerbetreibende oder Privatleute", sagt Marder.

Klinkenputzen angesagt


Aber als der Bundestag im Mai diese rechtliche Hürde beseitigt hatte, konnte er endlich aktiv werden: "Ich habe schon mal bei Geschäftsleuten vorgefühlt, ob sie mitmachen würden, und die Resonanz war durchweg positiv." In Zusammenarbeit mit dem RWE und Freifunk Trier soll das Netz in Daun aufgebaut werden, vom Kino in der Leopoldstraße bis zum Krankenhaus in der Maria-Hilf-Straße. Ein weiterer wichtiger Partner ist für den Stadtbeigeordneten auch der Gewerbe- und Verkehrsverein (GVV): "Ich will möglichst viele Gewerbetreibende mit ins Boot nehmen, deshalb werde ich mich nun verstärkt ans Klinkenputzen machen." Denn auf die lange Bank schieben will Marder das Projekt nicht, "möglichst bis Jahresende sollten die Vorbereitungen abgeschlossen sein." Er ist davon überzeugt, "dass ein freies WLAN-Netz ein Gewinn für Daun sein wird: als Einkaufsstadt, für den Tourismus, für alle Einheimischen, dabei besonders die Jugend." Die Kosten sind laut Marder überschaubar: "Ein Router kostet etwa 100 Euro, hinzu kommen Stromkosten von rund 50 Cent im Monat." Und was könnte der Aufbau des Netzes die Stadt kosten? "Wenn die Geschäftswelt, die ja auch von dem für die Kunden sicherlich attraktiven Angebot profitiert, wie erhofft mitzieht, dann könnten die Kosten für die Stadt deutlich unter 1000 Euro liegen", sagt der Beigeordnete. In Gerolstein ist die Summe für die Stadt laut Hardy Schmidt-Ellinger "mit 2500 Euro überschaubar. Angesichts des Nutzens ist das ein Klacks."
Meinung
Kleines Geld, großer Nutzen

Überschaubarer Aufwand, zu stemmende Kosten für alle Beteiligten, verbunden mit Perspektiven, die heute noch kaum vorstellbar sind, vielleicht morgen aber schon zum Standard gehören - wie gut, dass die rechtlichen Hürden endlich überwunden sind und auch in den kleineren Städten (und Dörfern) drahtlose Netzwerke entstehen können. Davon profitieren nicht nur die Jungen, auch für Senioren sind Betreuungssysteme vorstellbar, die auf dem Internet basieren. Und nicht zu vergessen: Über die Verknüpfung von immer mehr Netzwerken könnten auch immer noch vorhandene Löcher im Mobilfunknetz überbrückt werden. Kurzum: ein Gewinn für viele, zur Nachahmung empfohlen. s.sartoris@volksfreund.de
Extra
Freifunk.net basiert auf einer in Berlin gegründeten Initiative, die es jedem erlaubt, sich kostenlos Informationen aus dem Internet zu beschaffen. Freifunk ist die Möglichkeit, jedem Bürger, der sich in der Nähe eines Freifunk-WLAN-Netzwerks befindet, einen freien Zugang zum Netzwerk zu ermöglichen. Freifunk ist gemeinnützig und wird von ehrenamtlichen Helfern in Eigenregie aufgebaut und gewartet. Um in das Netz zu kommen, ist keine persönliche Registrierung nötig. Freifunk weist darauf hin, dass das Netz nicht für große Datenmengen, wie es sie beispielsweise beim Abspielen von Filmen gibt, ausgelegt ist. Es ist vor allem für den Austausch in sozialen Medien gedacht. WLAN ist die Abkürzung für Wireless Local Area Network und bedeutet übersetzt aus dem Englischen drahtloses lokales Netzwerk. Es ermöglicht mit entsprechend ausgerüsteten Rechnern oder Mobiltelefonen, Daten zu empfangen oder zu senden. Dies können Texte, Musik, Bilder oder Videos sein. Die Einwahl erfolgt über die Einwahl ins Netz. sts