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Gleitschirmflieger fürchten um ihren Startplatz

Teil des Fluggeländes bei Dreis ist als Ausgleichsfläche für den Autobahnbau vorgesehen - Verein sucht Kompromiss

(Dreis-Brück) Der Dreiser Weiher bietet ganzjährig ideale Bedingungen für das Gleitschirmfliegen. Der Verein Ostwindfreunde fürchtet nun, dass ein sicheres Starten nicht mehr möglich ist, wenn dort Streuobstbäume wie geplant als Ausgleich für den A1-Bau gepflanzt werden. Der Landesbetrieb Mobilität beharrt aber auf seinem Vorhaben.

30.09.2013
Stephan Sartoris
Dreis-Brück. Fast jeder hat sie schon mal beobachtet, die Gleitschirmflieger, die seit mehr als zehn Jahren über Dreis und Umgebung ihre Runden drehen. Der Dreiser Weiher gilt bei den Sportlern als eins der besten Fluggebiete in der Region. Aber nun fürchten sie, dass das beliebte Areal nicht mehr lange genutzt werden kann. Nach Darstellung des Vereins Ostwindfreunde, auf den das Fluggelände rechtlich zugelassen ist, soll der Startplatz am Rand des Weihers für sogenannte Ausgleichsmaßnahmen für den Ausbau der Autobahn A 1 mit Streuobstbäumen bepflanzt werden. Das würde aus Sicht des Vereins das sichere Starten unmöglich machen.

Alternativflächen angeboten: Schon 1997 wurde festgelegt, dass die mit dem Autobahnbau verbundenen Eingriffe in die Natur ausgeglichen werden sollen. Verantwortlich für die Umsetzung ist der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Gerolstein. Mit ihm haben die Flugsportler versucht, einen Kompromiss zu finden, damit der Dreiser Weiher als Fluggebiet erhalten werden kann. "Es geht aus unserer Sicht darum, ein paar Obstbäume nicht zu pflanzen oder die Pflanzung um ein paar Meter zu verschieben", sagt Joachim Krick, der Geländewart des Vereins. Dem LBM seien Austauschflächen angeboten worden.
Ohne Erfolg, wie die Behörde feststellt: "Wir haben die Möglichkeit der Verlagerung der Maßnahme geprüft. Leider konnte keine gleichwertig geeignete Fläche am Kraterrand des Dreiser Weihers vom Verein angeboten werden." Stellungnahmen der zuständigen Naturschutzbehörden hätten zudem ergeben, dass wegen des "hohen Schutzwerts des angrenzenden Gebietes" (der Dreiser Weiher ist unter anderem Naturschutzgebiet und grenzt an ein Vogelschutzgebiet) einer Verlagerung nicht zugestimmt werden würde. Was Krick bedauert: "Die Behörden wissen gar nicht, was sie uns hier nehmen. Streuobstwiesen könnte man an vielen anderen Standorten anlegen, doch ein Fluggelände wie den Dreiser Weiher für Gleitschirmflieger gibt es in der Eifel kein zweites Mal."

Ideale Bedingungen fürs Fliegen: Der weite Kessel des Weihers biete ideale Bedingungen für das Gleitschirmfliegen, was weite Flüge möglich mache. So seien von Dreis aus schon Flüge gestartet worden, die über 100 Kilometer bis nach Frankreich geführt hätten. Die Nutzung sei allerdings eingeschränkt: "Geflogen werden kann durchschnittlich an nur 20 bis 30 Tagen im Jahr." Krick weist auch auf den touristischen Aspekt hin: "Immer wieder kommen Anwohner und Urlauber vorbei, um sich das Geschehen am Startplatz und in der Luft anzusehen. Wir sind dort eine echte Attraktion."
Der LBM erklärt, dass zur Klärung der touristischen Bedeutung die Kommunen miteinbezogen worden seien. Aber "auch von dort haben wir die Aussage, dass an der Umsetzung der landespflegerischen Maßnahme festgehalten werden soll."

Fazit der Gerolsteiner Behörde: "Wir haben dem Verein mitgeteilt, dass wir keine Grundlage für eine weitere fliegerische Nutzung des Grundstücks sehen." Krick will trotzdem nicht aufgeben: "Wir sehen nach wie vor die Chance auf eine einvernehmliche Lösung."
Meinung
Kompromiss ist möglich

Dass die Behörden ein vor Jahren festgelegtes Vorgehen nicht einfach über Bord werfen, um den Flugsportlern entgegenzukommen, ist verständlich. Denn wer will schon einen Präzedenzfall schaffen, auf den bei ähnlichen Sachverhalten künftig verwiesen werden könnte. Die Ostwindfreunde wollen aber wohl kaum einen Autobahn-Planfeststellungsbeschluss kippen, sondern sie hoffen auf eine für alle vertretbare kleine Lösung. Aber die ist nicht zu erreichen? Einer begrenzten Zahl von Fliegern an einer begrenzten Zahl von Tagen im Jahr die Ausübung ihres Sports zu ermöglichen, das müsste doch machbar sein. s.sartoris@volksfreund.de

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