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"Ich hab’s geschrieben"

(Darscheid/Berlin) Die aus Darscheid stammende Autorin und Poetry-Slamerin Svenja Gräfen (26) hat mit "Das Rauschen in unseren Köpfen" ihren ersten Roman geschrieben. Na gut, nicht ganz. Da gab es noch ein Buch über Pferde...

10.04.2017
Brigitte Bettscheider
Darscheid/Berlin Als Zehnjährige hat Svenja Gräfen ihr erstes Buch geschrieben. Es hieß "Sally und die Pferde" und sollte Band eins einer Serie werden. Dazu ist es nicht gekommen, und Pferde ohnehin "nie so ihr Ding", sagt die Autorin.
Wo andere Astronaut oder Feuerwehrmann eintragen - in den Freundschaftsbüchern der Klassenkameraden - hat Svenja Gräfen "Schriftstellerin" eingetragen. Und so ist es tatsächlich gekommen. Am 7. April startet der Verkauf des ersten Romans der 26-Jährigen (siehe Info). Sie selbst hat ihr Exemplar bereits im Gepäck, als sie Mitte März bei ihren Eltern Marita und Hans Gräfen in Darscheid zu Besuch ist. "Ja, es ist schön, ab und zu bei meiner Familie in der Eifel zu sein", sagt sie, "aber mein Lebensmittelpunkt ist Berlin."
In die Hauptstadt hatte es Svenja Gräfen schon 2010 nach dem Abitur am Dauner Geschwister-Scholl-Gymnasium gezogen. Sie arbeitete als Regieassistentin an einem Theater. Und tat das, was - im Gegensatz zu Pferden - immer schon "ihr Ding" war: sie schrieb, vor allem kurze Texte. Die trug sie dann bei Poetry Slams in Deutschlands Großstädten vor. Mit so großem Erfolg, dass sie bereits 2011 im Finale der deutschsprachigen Meisterschaft stand (der TV berichtete). Währenddessen studierte sie Kultur- und Medienbildung in Stuttgart, lebte ein Jahr in Dortmund, später wieder in Berlin. Und schrieb und schrieb: Auftragstexte über Mozart für ein Theater, den Jahresrückblick für ein großes Architekturbüro, Journalistisches, Politisches, Feministisches. Sie gab bundesweit Poetry-Slam-Workshops, auch in der Vulkaneifel, in der Kreisbibliothek in Daun und am St. Matthias-Gymnasium in Gerolstein.
Derweil wurden Gräfens eigene Texte immer länger. Es entstanden Erzählungen von fünf bis 15 Seiten. "Doch ich wollte auf Romanlänge", erklärt sie mit Blick auf den Beginn von "Das Rauschen in unseren Köpfen" Ende 2013. Sie schickte Leseproben an Verlage, die das Buch nicht haben wollten. Aber sie gab nicht auf. Anfang 2016 hat sie es dann geschafft: Sie bekommt ein Angebot von einer Dortmunder Literaturagentur. "Mein Glück", sagt sie heute. Denn auf einmal hatte sie gleich mehrere Verlage an der Hand. Für Ullstein (Berlin) habe sie sich wegen des neuen, modernen Verlagsprogramms "Ullstein fünf" entschieden, erzählt sie.
Nun ist das Buch fertig, zeigt auf dem Cover die Silhouetten von zwei Köpfen in Blau und ihren Namen. "Krass" sagt sie, als sie ihr Debüt überreicht bekommt. Und um was geht es? "Es ist eine Liebesgeschichte, die poetisch und ernst gleichermaßen ist", charakterisiert sie ihr Buch selbst. Und fügt hinzu: " Die Sprache ist mir wichtiger als die abgefahrenste Handlung." Deshalb freut sie sich über das Urteil von Benedict Wells (32). Der Bestsellerautor nennt Gräfens Sprache "kunstvoll und von eigentümlicher Schönheit". Und wie macht sie selbst (kurz vor der Abgabe ihres zweiten Roman-Manuskripts) Werbung für ihren Erstling? Ganz unumwunden: "Kaufen Sie das Buch. Es ist sehr gut. Ich hab’s geschrieben."
Ihre Eltern Marita und Hans Gräfen freuen sich mit ihrer Tochter. Sie sagen: "Svenja hat sich mit dem Buch einen Traum erfüllt." Stolz seien sie vor allem auf ihr Durchhaltevermögen: "Gleichzeitig sind wir froh, dass sie ihr Studium abgeschlossen hat."
Extra: HEUTE PREMIERE IN BERLIN

Svenja Gräfens Roman "Das Rauschen in unseren Köpfen" hat 240 Seiten und kostet 16 Euro. Das Buch wird bei Ullstein veröffentlicht. Der Klappentext: "Lene lebt mit ihrer besten Freundin in einer WG in einer großen Stadt, ihre liebevolle Familie und der Freundeskreis geben ihr Halt. Als sie Hendrik begegnet, scheint ihr Glück perfekt. Sie plant eine gemeinsame Zukunft, doch Hendriks Vergangenheit schleicht sich in ihr Leben ein. Da ist seine zerrüttete Familie, sein bisweilen merkwürdiges Verhalten. Und Klara." Buchpremiere ist heute, 10. April, im Grünen Salon des Volkstheaters in Berlin.