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Kein Aufatmen, aber Licht am Ende des Tunnels: Bauern in der Vulkaneifel ziehen Bilanz zu 2016

(Daun/Darscheid) Schlechtes Wetter, miese Preise: 2016 war ein Jahr zum Vergessen für die Bauern. 2017 sieht es etwas besser aus, aber die Krise ist noch nicht überwunden.

21.03.2017
Stephan Sartoris
Selbst altgediente Landwirte können sich nicht daran erinnern, dass es jemals so ein schlechtes Jahr wie 2016 gegeben hat. "Eine einzige Katastrophe", sagen viele Bauern, eine Aussage, der die Vorsitzende des Kreisbauernverbands Daun, Marco Weber, so belegt: "Das Einkommen war auf dem untersten Niveau aller Zeiten."

Was auch Ernst Schäfer aus Steiningen, nach eigenem Bekunden "Bauer aus Leidenschaft", bestätigt. Aber, obwohl er mit 65 im Rentenalter ist, war aufhören für ihn keine Option. "Keiner hat 2016 Geld verdient, ganz im Gegenteil. Aber wir leben noch und machen weiter", sagt er bei der gemeinsamen Versammlung der Bauernverbände Daun und Cochem-Zell in Darscheid, gerichtet an den rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsminister Volker Wissing (FDP).

Der macht an diesem Tag - gut ein Jahr nach Amtsantritt - quasi seinen Antrittsbesuch bei den Landwirten und Winzern aus Vulkaneifel, Mosel und Hunsrück. Auch wenn sich die Lage für die Branche etwas verbessert hat, für den Minister ist "die schwere Krise auf den Agrarmärkten noch nicht überwunden." Ziel müsse es sein, den Bauern ein angemessenes Einkommen zu sichern, damit der Beruf auch für die nächsten Generationen attraktiv bleibe. Wissing: "Es kann doch nicht sein, dass Milch weniger kostet als Mineralwasser." Die "unsachlichen Diskussionen" über die Landwirtschaft müssten aufhören, "sie muss raus der Rechtfertigungsposition. Für das Land ist sie nach wie vor eine wichtige Wachstums- und Zukunftsbranche." Bei der Produktion von Lebensmitteln dürfe man sich nicht an "idyllischen Vorstellungen wie dem Verzicht auf moderne Pflanzenschutzmittel" orientieren: "Sicherheit für die Verbraucher ja, aber auch Sicherheit für die Landwirte." Wissing lässt wie andere Redner kein gutes Haar an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Ihr Ministerium hatte mit sogenannten Bauernregeln wie "Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein" oder "Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm" für viel Kritik gesorgt. Was laut Hendricks witzig sein sollte, ist für den rheinland-pfälzischen Minister "eine billige Nummer, die an eine Unverschämtheit grenzt und für viele Bauern verletzend war." Und das laut Marco Weber finanziert mit 1,6 Millionen Euro Steuergeld.

Nach dem schlechten Jahr 2016 hat sich die Lage im laufenden Jahr etwas verbessert, sagt Sebastian Reif aus Katzwinkel. "Ein kleines Licht am Ende des Tunnels" sieht der Vorsitzende der Landjugend im Kreis Vulkaneifel, der den elterlichen Betrieb mit 110 Milchkühen übernehmen will.

Die Milchpreise, im vergangenen Jahr auf 21 Cent pro Liter abgestürzt, belaufen sich derzeit zwischen 30 und 33 Cent.
"Damit lassen sich bestenfalls die Kosten decken, aber von Gewinn machen kann keine Rede", beschreibt Marco Weber die aktuelle Situation. "2017 wird wohl nicht mehr als ein Konsolidierungsjahr werden", ist der Verbandsvorsitzende vorsichtig mit einer Prognose.
Extra
Der Bauern- und Winzerverband hat etwa 18.000 Mitglieder. Präsident des Verbandes ist Michael Horper. Einer der Ortsverbände ist der Kreisverband Daun mit Sitz in Daun-Boverath mit rund 970 Mitgliedern. Im Landkreis Vulkaneifel gibt es laut Bauernverband noch rund 200 Vollerwerbslandwirte. Ein deutlicher Rückgang gegenüber 2008, damals gab es noch 420 Vollerwerbsbauern und 530 im Nebenerwerb. 40 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Kreis nimmt der Weizen ein, 30 Prozent Sommergerste, fünf Prozent Mais (Rest Raps und andere Pflanzen).

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