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aus unserem Archiv vom 15. Juni 2012
Autor: Helmut Gassen Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Kelberg Drucken  E-Mail

Kelberger Kinder können konferieren

Einmal die Woche dürfen Kinder der Kindertagesstätte S. Vinzenzius in Kelberg selbst mitbestimmen, wie Probleme in der Kita gelöst werden. Denn dann ist Kinderkonferenz, bei der die Kinder schon mit viel Engagement nach Lösungen suchen.

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Kelberg. Die sechsjährige Johanna Neukirch hält ein rundes Schild hoch: Kinderkonferenz! Dann wissen alle Kinder, die sich im Turnraum der Kita St. Vinzenzius versammelt haben, was nun auf der Tagesordnung steht: Reden, zuhören, Probleme lösen.
Colin, Rabea, Johanna, Tobias und fünf andere Kinder treffen sich mit den Erzieherinnen Jutta Karls und Kindergartenleiterin Iris Dreis nun im Sitzungsraum der Erzieherinnen. Sie haben ein wichtiges Thema zu diskutieren. Denn die Magnete an der Wand im Künstlerraum verschwinden immer wieder - und dafür soll nun eine Lösung gesucht werden. Sofort kommen einige Vorschläge: von der Alarmanlage bis zur Fotoüberwachung. Rabea findet schließlich die Lösung: ein abschließbares Magnetkästchen, in dem alle Magnete drin sind und jeder, der eins haben möchte, dafür die Erzieherin fragen muss. Nach 20 Minuten ist alles vorbei, der Vorschlag von Rabea wird einstimmig angenommen.
Seit November 2011 gibt es die Kinderkonferenz in der Kita Kelberg. "Die Kinder bei uns haben, seit ich vor zwei Jahren hier angefangen habe Freiräume, die sie vorher nicht hatten. Sie durften seither auch schon bei Projekten mitentscheiden. Es geht uns um das Prinzip, dass Kinder an Entscheidungen, die sie betreffen, teilnehmen können", erklärt Kitaleiterin Iris Dreis. Die Teilnehmer schlagen für die Kinderkonferenz sogar selbst die Themen vor.
"Es ist eigentlich ein demokratisches Mittel, damit alle beteiligt sind. Wer bei der wöchentlichen Konferenz mitmachen will, kann sich melden. Es kommt darauf an, was für die Kinder relevant ist", so Iris Dreis.
Die Kleinen haben dadurch auch schon Probleme gelöst, etwa das Toilettenproblem, als die Toiletten mit Papier verstopft waren. "Da wurde vorgeschlagen, ein Foto davon zu machen, das dann wieder auf ein Schild kam mit einem roten Balken und als Hinweis in die Waschräume aufgehängt wurde", erzählt Erzieherin Jutta Karls, die von Beginn an für die Kinderkonferenz zuständig ist.
Ein Teil der Teilnehmer der Konferenz wechselt immer, einige sind öfters dabei, andere kommen nur als Beobachter. "Es gibt Kinder, die sehr für die Gemeinschaft sind, andere kommen nur einmal für ihr Problem", sagt Jutta Karls. Es gibt auch einige Regeln für die Versammlung. "Man darf nicht mit dem Stuhl wackeln", sagt Johanna. Andere lauten etwa: Wenn einer redet, darf nicht dazwischen gesprochen werden. Man muss zuhören. Wer etwas sagen will, muss mit dem Finger aufzeigen. "Wir haben schon gemerkt, wie wichtig die Konferenz für die Kinder ist. Und es ist immer wieder erstaunlich, mit welchen Ideen sie kommen und was sie können. Sie haben schon selbst einmal eine Kinderkonferenz abgehalten und den Tagesablauf in der Kita sogar durch Vorschläge verändert", erzählt Iris Dreis.
Dinge, welche die Kleinen selbst mitentschieden haben, werden auch anders von allen getragen. "Da achten viele darauf und weisen andere Kinder darauf hin. Alles bekommt eine andere Dynamik", so Jutta Karls. "Es geht darum, dass die Kinder soziale Kompetenz erwerben. Sie werden darauf vorbereitet, dass man lebenslang lernt und Lösungen zusammen im Team finden kann, Verantwortung übernehmen muss und dass man durch Gespräche etwas verändern kann. Es spiegelt sozusagen praktisch unser gesellschaftliches Leben wider", sagt Iris Dreis.




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