Großer Auflauf: Deutlich mehr als tausend Schüler haben sich am Montag am Thomas-Morus-Gymnasium versammelt. Sie wollten damit ihre Ablehnung gegen die Pläne, die Kreisbibliothek zu schließen, bekunden.
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1500 Schüler demonstrieren gegen die Schließung der Kreisbibliothek. Anne Jakoby, Lars Spies und Julia Gundert lesen in Büchern, die sie für die Demonstration extra mitgebracht hatten (unten rechts). Auch Stadtbürgermeister Wolfgang Jenssen (links im Bild unten) und der Schulleiter des Thomas-Morus-Gymnasiums, Christoph Susewind, haben sich den Protesten angeschlossen. TV-Fotos (3): Alexander Schumitz
Daun. Auf der gesamten Fläche zwischen Kreisbibliothek, Jobcenter und Thomas-Morus-Gymnasium in Daun stehen Schüler. Vereinzelt sind auch Eltern, Lehrer, Rentner und Politiker mit einem Buch in der Hand zu sehen. Am Ende schätzt Aline Ulrich, dass deutlich über 1500 Schüler dem Aufruf der Schülervertretung (SV) des Kreises gefolgt sind. Die hatte vor einer Woche mit dem Slogan "Schockt die Politiker, lest ein Buch" zu der Protestkundgebung aufgerufen (der TV berichtete).
Die Schüler demonstrieren so gegen Pläne der Kreisverwaltung, die Kreisbibliothek zu schließen. Damit der Kreis jährlich die nach dem Beitritt zum Kommunalen Entschuldungsfonds geforderten 820 000 Euro einsparen könne, sei auch diese Maßnahme nötig.
Im Dezember hatte der Kreistag bereits die Schließung des Medienzentrums und die Übertragung des Eisenmuseums in Jünkerath sowie des Adler- und Wolfsparks in Pelm auf Private beschlossen (der TV berichtete mehrfach). Über das Schicksal der Kreisbibliothek soll bis Ende des Jahres entschieden werden.
Schüler suchen Unterstützer
Julia Gundert, Schülerin am Thomas-Morus-Gymnasium, hat eine klare Meinung zur Bibliothek: "Ich brauche sie, damit ich mir Bücher ausleihen und mich auf mein Abitur vorbereiten kann." Auch Timon Görzen, Schüler am Geschwister-Scholl-Gymnasium, tritt für ihren Erhalt ein: "Bücher sind spannend, ich lese auch viel in meiner Freizeit." In seinen Händen hält er ein Plakat auf dem "Stoppt den Büchermord" zu lesen ist.
Hartwig Noth, früherer CDU-Stadtrat in Daun, hat sich ebenfalls den Schülerprotesten angeschlossen. Gerade weil Bücher auch recht teuer seien, sei es wichtig, dass jeder, der lesen wolle, die Möglichkeit habe, sich ein Buch auszuleihen. Dieser Meinung stimmt auch Dauns Stadtbürgermeister Wolfgang Jenssen (SPD) zu: "Die Bibliothek erfüllt für die Stadt wichtige kulturelle Aufgaben."
Nach 20 Minuten ist der Protest vor der Kreisbibliothek zu Ende. Die beiden Sprecherinnen der SV, Aline Ulrich und Rachel Bamberger, sind hochzufrieden. "Niemals hätten wir geglaubt, Schüler von allen Schulen zu dieser Demonstration bewegen zu können." Diese Einschätzung teilt auch Hubert Eiden, stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreises Thomas-Morus-Gymnasium: "Noch nie habe ich erlebt, dass sich in Daun so viele Schüler für eine Sache engagieren."
Wie es weitergeht, ist der SV noch nicht ganz klar. Bis kommenden Montag kann in der Kreisbibliothek eine Petition unterschrieben werden, um derForderung nach dem Erhalt der Bibliothek Nachdruck zu verleihen. 3000 Unterstützer hat die Bücherei schon gefunden. Thomas Sungen, der sein Abitur bereits in den Händen hält, trotzdem aber in der SV noch mitarbeitet, überlegt, ob "wir nicht vor der nächsten Sitzung des Kreistags eine Demonstration organisieren." Video ab 16 Uhr unter
volksfreund.de/video
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