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Neue Mitte verbindet alle Darscheider

Gemeinde und Weggemeinschaft schaffen Treffpunkt für Jung und Alt

(Darscheid) In Darscheid nimmt ein landesweit einmaliges Vorhaben Fahrt auf: ein neuer Treffpunkt für Jung und Alt mit Laden und Café. Das dafür geeignete Gebäude ist schon gekauft worden, finanzielle Unterstützung erhoffen sich die Kooperationspartner von Land und EU.

06.10.2015
Brigitte Bettscheider, Stephan Sartoris
Darscheid. Seit Manfred Thönnes vor gut zwei Jahren an einer Exkursion ins hessische Nidda-Wallernhausen teilnahm, hat ihn die Idee nicht mehr losgelassen. Seinerzeit besichtigte der Ortsbürgermeister und inzwischen pensionierte Beamte der Kreisverwaltung in einer Gruppe von Kommunalpolitikern der Verbandsgemeinde Daun im Rahmen des Prozesses "WEGE - Wandel erfolgreich gestalten" dort einen Dorfladen mit Bistro, in dem Menschen mit Beeinträchtigungen arbeiten.
Zurück in Darscheid, wandte sich Thönnes umgehend an Heimleiter Rainer Dämgen von der Weggemeinschaft Vulkaneifel (siehe Extra). "Das ist klasse, und das könnte auch was für uns sein", sagte er zu Dämgen, der auch von der Idee angetan war. Hinzu kam, dass sich ein leerstehender Bauernhof in der in Darscheid zentral gelegenen Bahnhofsstraße als geeignete Immobilie anbot.

Viel Zustimmung


Eine sehr gut besuchte Bürgerversammlung, in der es viel Zustimmung für das Projekt gab, bestärkte den Ortsbürgermeister und den Heimleiter in ihrem Vorhaben. Es wurde auf der Grundlage einer Haushaltsbefragung eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Diese sei ausgesprochen positiv ausgefallen, erklären Thönnes und Dämgen. Das rheinland-pfälzische Sozialministerium bewertete die "Neue Dorfmitte" als Inklusionsprojekt. Das bedeutet, dass bis zu 50 Prozent der Investitionskosten übernommen, aber noch weitere Gelder aus einem europäischen Förderprogramm und von Stiftungen beantragt werden. Und so sieht das Konzept aus: Auf etwa 200 Quadratmetern soll ein Laden mit Café und Leseecke eingerichtet werden. Neben regionalen Produkten (eine Handvoll Erzeuger haben bereits zugesagt) sollen Waren der Weggemeinschaft (Holz, Keramik, Textil) sowie der von Jugendlichen des örtlichen Naturerlebniszentrums (NEZ) selbst gepresste Apfelsaft und das selbst angebaute Gemüse verkauft werden. "Darüber hinaus soll auch eine Grundversorgung von Lebensmitteln zu Supermarktpreisen gewährleistet werden", betont Thönnes. "Und ein Lieferservice durch einige unserer Betreuten, die sich in Darscheid wie in ihrer Westentasche auskennen", ergänzt Dämgen.
Aus der Küche sollen die Mitarbeiter der Weggemeinschaft versorgt werden; es soll aber auch ein täglich wechselnder Mittagstisch für Darscheider Bürger angeboten werden. "Es werden Arbeitsplätze geschaffen", sagt der Ortsbürgermeister. "Und möglichst viele unserer Betreuten sollen mitwirken", sagt der Heimleiter. Der Realisierung stehe nichts mehr entgegen, wenn noch offene Finanzierungsfragen geklärt seien und der beauftragte Architekt den Plan vorgelegt habe, erklären die beiden. Dann hat sich auch eine Frage erledigt, die Thönnes und Dämgen seit Monaten zuweilen bis in den Schlaf verfolgt: "Wann geht es denn endlich los mit dem Laden?"
Meinung
Langer Atem lohnt sich

"Unbedingt dranbleiben", möchte man Manfred Thönnes und Rainer Dämgen zurufen, denn was in Darscheid auf die Beine gestellt werden soll, verdient jetzt schon Anerkennung - auch für die Beharrlichkeit. Zwar gibt es im 850-Einwohner-Dorf besondere Rahmenbedingungen, die es möglich machen, dass überhaupt über die "neue Mitte" nachgedacht werden konnte, aber die Umsetzung braucht einen langen Atem von allen Beteiligten. Der sich aber lohnt: ein Treffpunkt für Jung und Alt, für Behinderte und Nichtbehinderte, ein Angebot, von dem viele Dorfbewohner profitieren können, und es entstehen auch noch Arbeitsplätze - mehr Win-Win-Situation kann es wohl kaum geben. Weiter so! s.sartoris@volksfreund.de
Extra
An den Standorten Darscheid, Hörscheid und Niederstadtfeld der Weggemeinschaft Vulkaneifel leben und arbeiten Menschen mit geistiger Behinderung. Der Trägerverein wurde im Herbst 1989 gegründet, 1990 begann der eigentliche Heimbetrieb mit zunächst einer Wohngruppe. Derzeit bestehen vier Wohngruppen mit insgesamt 33 Bewohnern. bb