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Oberbettingen: Kontakt mit Flüchtlingen als Bereicherung

Ehrenamtliche geben beispielhafte Unterstützung für neun junge Männer aus Afrika

(Daun/Oberbettingen) In Oberbettingen leben seit Mitte November neun junge Männer aus Eritrea und Somalia. Sie sind wegen der unmenschlichen Bedingungen aus ihren Heimatländern geflüchtet und haben hier Asyl beantragt. Nun stehen ihnen ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter des Caritasverbandes Westeifel und andere Menschen engagiert und ideenreich zur Seite.

10.12.2014
Daun/Oberbettingen. Annette Seithe (44) aus Oberbettingen und Rolf Schmitz (68) aus Bolsdorf - sie Grundschullehrerin und er Architekt im Ruhestand - hatten gerade beim Caritasverband Westeifel ihre Bereitschaft bekundet, als Willkommenspaten (siehe Extra) tätig zu werden. Da weist die Kreisverwaltung Vulkaneifel neun 19 bis 31 Jahre alten Männern aus den als "äußerst unsicher" eingestuften Staaten Eritrea und Somalia Ferienwohnungen in Oberbettingen zu. "Und wir kamen sofort zum Einsatz", erklären Annette Seithe und Rolf Schmitz. Noch bevor eine Dozentin der Katholischen Erwachsenenbildung Hillesheim offiziell mit dem Sprachunterricht begann, lernte Annette Seithe mit den Flüchtlingen Deutsch. Rolf Schmitz ist von Anfang an beinahe täglich bei ihnen in Oberbettingen; er übernimmt vor allem Behördengänge und Arztbesuche und hat 20 Firmen auf einer Liste zusammengestellt, bei denen er in den kommenden Wochen um Arbeit für die jungen Afrikaner nachfragen will.
Mit zwei der neun jungen Männer, dem Metallbauer Jonas und dem Landwirtschaftsgehilfen Tecle, sind Seithe und Schmitz zum Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund ins Caritashaus nach Daun gekommen. Denn mit dem Caritasverband sitzt hier so eine Art "Schaltzentrale" zur Unterstützung und Begleitung von Asylbewerbern. Etwa mit Karin Knötgen als hauptamtlicher Leiterin und Bernd Liebler als ehrenamtlichem Organisator der Dauner Tafel oder mit Joachim Bach vom Fachdienst Migration und Integration.
Zum Angebot der Caritas gehört auch die Kleiderkammer. Jonas und Tecle und ihre Paten erzählen lachend, dass die neun jungen Männer mit dem Mannschaftsbus der Freiwilligen Feuerwehr Oberbettingen zur Kleiderkammer nach Daun gefahren und dort vor allem mit Winterjacken, Mützen, Schals und Handschuhen ausgestattet wurden. Um die Fahrten zur Tafel kümmern sich Stephanie und Andreas Dunkel aus Hillesheim. Zum Sprachunterricht zwei Mal in der Woche werden sie auf Initiative des Oberbettinger Ortsbürgermeisters Hans-Jakob Meyer von Einheimischen nach Hillesheim gebracht. Die Jugendgruppe Oberbettingen ist ebenso in Sachen Flüchtlingshilfe tätig wie der Sportverein, und etliche Privatleute leisten oder signalisieren Unterstützung - was immer auch benötigt werde.
"Oberbettingen ist ein Beispiel, wie es optimal laufen kann", betonen Joachim Bach und Karin Knötgen. Alle Beteiligten arbeiteten Hand in Hand. Annette Seithe und Rolf Schmitz erklären: "So eine Willkommenspatenschaft macht Spaß, und der Kontakt mit den Flüchtlingen ist eine Bereicherung. Sie sind so kooperativ und dankbar."
Zwei Wünsche stehen ganz oben: Arbeitsplätze und ein Telefonanschluss in dem Haus mit den Unterkünften in Oberbettingen oder eine andere Möglichkeit, ins Internet zu kommen. Dann könnten Jonas, Tecle und ihre Mitbewohner mit ihren in Eritrea und Somalia zurückgebliebenen Familien und Freunden Kontakt aufnehmen oder mit speziellen Programmen ihr Deutsch verbessern. Arbeitsplätze und Sprachkenntnisse sind wichtig. Denn die Chance, dass sie hier bleiben können, ist wegen der politischen Situation in ihren Heimatländern hoch. bb
Extra
Willkommens-Patenschaften für Flüchtlinge im Landkreis Vulkaneifel sind eine Initiative des Caritasverbands Westeifel i. V. unter dem Motto "Integration statt Isolation". Aktuell sind elf Frauen und Männer als Willkommens-Paten tätig. Es werden weitere Menschen gesucht, die bereit sind, sich für eine bestimmte Zeit auf einen Flüchtling oder eine Familie einzulassen. Der Caritasverband bietet Schulung und Begleitung, Versicherung im Rahmen der Ehrenamtlichkeit sowie Austausch und eine Plattform, mit anderen gemeinsam etwas zu bewegen. Kontakt und Informationen: Joachim Bach, Caritasverband Westeifel i. V., Kalvarienbergstraße 1, 54595 Prüm, Telefon 06551/971090, E-Mail: j.bach@caritas-westeifel.de. bb