Sternwarte Schalkenmehren: Förderverein gibt nicht auf
Brigitte Bettscheider und Stephan Sartoris
Die Universität Bonn hat sich verabschiedet, damit steht das Observatorium Hoher List bei Schalkenmehren vor einer ungewissen Zukunft. Die Förderer hoffen aber weiter, dass sich doch noch eine neue Nutzung findet.
Blick in eine ungewisse Zukunft der Sternwarte: Wilhelm Seggewiß, langjähriger Leiter der früheren Einrichtung der Uni Bonn und Vorsitzender des Fördervereins (links), glaubt nach wie vor an die Anlage. TV-Foto: Brigitte Bettscheider
Schalkenmehren/Bonn. Waren alle Bemühungen, das Observatorium Hoher List zumindest für Vorträge und Führungen weiter nutzen zu können, vergeblich? Die Stellungnahme der Universität Bonn, die bis zum 30. Juni Mieterin des Areals war, gibt wenig Hoffnung. "Zu unserem tiefsten Bedauern ist das Observatorium Hoher List zum 1. Juli nach rund 60 Jahren Betrieb wohl endgültig geschlossen worden", erklärt Pressesprecher Andreas Archut.
Keine Lösung bei Finanzierung
Obwohl sich der Rektor der Uni, Jürgen Fohrmann, für die Erhaltung des Observatoriums starkgemacht und alle Beteiligten an einen Tisch geholt habe, sei keine tragfähige Lösung in der Frage der künftigen Finanzierung der Anlage gefunden worden. Und auch eine Idee des Wahl-Schalkenmehreners und früheren FDP-Bundeswirtschaftsministers Hans Friderichs scheint vom Tisch. Er ist Vorsitzender des Hochschulrats der Universität Mainz und hat sich für eine Zusammenarbeit mit der Uni Bonn eingesetzt. Sein Vorschlag: Die Hochschulen könnten das Observatorium als Fort- oder Ausbildungsstätte für Lehrer, die Naturwissenschaften oder Mathematik unterrichten, und für Schülerpraktika nutzen. Der Bonner Uni-Sprecher sieht allerdings derzeit "keine Grundlage mehr für eine universitätsübergreifende Kooperation". Der Förderverein des Observatoriums hat beim Tag der offenen Tür rund 250 Besucher noch einmal über Geschichte und Bedeutung der fünf Häuser und sechs Kuppeln der Sternwarte informiert. Der langjährige Leiter der Sternwarte und Vorsitzende des Fördervereins, Astronomie-Professor Wilhelm Seggewiß (Daun) sagte, wenn die Sternwarte geschlossen werde, sei dies eine Tragödie für die gesamte Astronomie. Auch bei seinen Kollegen im Fördervereins-Vorstand, Klaus Reif und Wolfgang Schmand, herrschte Bedauern und Unverständnis über das mögliche Ende "einer der wenigen, einer der größten und der am schönsten gelegenen Sternwarten Deutschlands".
Aber der Förderverein gibt die Sternwarte noch nicht auf. Die Stellungnahme der Uni Bonn wertet Wilhelm Seggewiß nicht als "endgültiges Aus". Ideal wäre aus seiner Sicht, wenn das Gebäude etwa als Zentrum des Natur- und Geoparks Vulkaneifel in Zusammenarbeit mit anderen Nutzern Verwendung finden könne. Auch der Förderverein könne sich einbringen und seine in zehn Jahren bewährte und viel beachtete Öffentlichkeitsarbeit fortführen. Zu den Vorträgen und Führungen in der Sternwarte sind durchschnittlich 2000 Besucher im Jahr gekommen. Werner Klöckner, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Daun und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Natur- und Geopark GmbH, macht Seggewiß kaum Hoffnung: "Für ein Naturparkzentrum auf dem Hohen List sehe ich angesichts der finanziellen Möglichkeiten derzeit keine realistische Chance." Und auch eine andere Nutzung zu erreichen, sehe er als "große Herausforderung".
Die Anlagen gehören dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes Nordrhein-Westfalen. Bei ihm gibt es noch kein konkretes Konzept, was mit dem Observatorium geschieht.
Meinung
Düstere Perspektive
Es findet sich sicher niemand, der sich gegen eine wie auch immer geartete neue Nutzung der Sternwarte aussprechen würde. Aber realistisch betrachtet sieht es düster aus für die Zukunft des Observatoriums. Der Förderverein kann allenfalls einen Teil mieten, aber mehr ist für ihn nicht machbar. Eine Nutzung als Fort- oder Ausbildungsstätte gemeinsam mit der Uni Mainz hat die Uni Bonn eine Absage erteilt. Damit ist eine der aussichtsreichsten Perspektiven wohl auch vom Tisch. Von kommunaler Seite ist nichts zu erwarten. Für einen Kreis, eine Verbands- oder Ortsgemeinde wäre das Areal selbst geschenkt zu teuer angesichts der Unterhaltungskosten. Unter dem Strich: schlechte Aussichten. s.sartoris@volksfreund.de