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Sternwarte in der Vulkaneifel öffnet ihre Pforten für Kunst und Kultur

(Schalkenmehren) Die Gruppe KunststernwARTe lädt zum "Kleinen Sternensommer" auf das Observatorium ein. Dabei werden nur eine Kuppel und das Außengelände genutzt, denn die leer stehenden Gebäude bleiben weiter geschlossen.

12.08.2017
Nora John
Es ist ein ruhiger Ort inmitten der Natur. Meist liegt die Sternwarte Hoher List in einer Art Dornröschenschlaf, aus dem sie für astronomische Führungen oder Vorträge für einige Stunden geweckt wird. Von Sonntag, 27. August, bis Samstag. 2. September, aber soll auf der Anlage des Observatoriums richtig viel los sein. Die Künstlergruppe SternwARTe Vulkaneifel lädt dann zum "Kleinen Sternensommer auf der Suche nach der Utopie" ein.

Die Vorsitzende der Gruppe, Jutta Schulte-Gräfen, hat sich mit ihren Künstlerkollegen drinnen und draußen viel vorgenommen. Vorträge, Konzerte, Ausstellungen und vieles mehr sollen möglichst viele Menschen zum Observatorium locken. "Es gibt eine Kunstsprechstunde", verrät Schulte-Gräfen. Die Kunstsachverständige Elisabeth Feilen aus St. Wendel im Saarland wird Werke begutachten und gegebenenfalls bewerten. "Sie war im Urlaub in Schalkenmehren und ist auf uns aufmerksam geworden".

Dass die Veranstaltungen draußen im Zelt oder in Pavillons stattfinden, kann bei warmem, trockenen Sommerwetter zwar schön sein, ist aber aus der Not heraus geboren. Denn seit Jahren kämpft Schulte-Gräfen mit anderen erst privat und seit zwei Jahren mit der Künstlergruppe als Verein organisiert darum, die Gebäude auf der Sternwarte mieten zu dürfen, bisher allerdings ohne Erfolg.

Die Anlage gehört dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen, der sie an die Uni Bonn vermietet hat. Diese hat aber vor fünf Jahren den Betrieb hier eingestellt.

Seitdem bleibt die inzwischen unter Denkmalschutz stehende Anlage weitgehend sich selbst überlassen und verfällt zusehends. Nur eine Kuppel wird derzeit von der Astronomischen Vereinigung Vulkaneifel (AVV), die eng mit der Künstlergruppe zusammenarbeitet, genutzt.

Doch alle bisherigen Bemühungen haben keine Bewegung in die Sache gebracht. Weder der Verkauf für einen symbolischen Euro an die Verbandsgemeinde Daun kam zustande, noch Mietverträge.

Dabei hat die Künstlergruppe ein Konzept vorgelegt, mit dem die Anlage kostendeckend betrieben werden könnte.
Wie Schulte-Gräfen sagt, hätten viele Mitglieder der Künstlergruppe Interesse, Ateliers hier anzumieten. Während des "Kleinen Sternensommers" stellen sie ihre Werke vor den begehrten Räumlichkeiten aus. Mit den Einnahmen davon könnten die Gebäude erhalten werden.

Im Moment hofft der Künstlerverein, dass sich vielleicht doch etwas tut. Denn der neue Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, habe in einem Briefwechsel, der einem offenen Brief des Vereins vor den Wahlen folgte, zugesagt, dass er sich der Sache annehmen würde. Aber noch ist alles vollkommen ungewiss.
Für den Sternensommer hat die derzeitige Lage nicht nur den Nachteil, dass man sehr vom Wetter abhängig ist. Auch Strom und Toilettenwagen müssen organisiert werden und kosten natürlich extra. Von der Universität her habe man keine Bereitschaft signalisiert, für die eine Veranstaltungswoche die vorhandene Infrastruktur bereitzustellen.
Auch für die AVV gilt nach wie vor: hängen im Schacht, was langfristige Planung angeht. Vorträge und Führungen werden zwar gut angenommen, finanziell steht man mittlerweile ganz gut da, dank der Beiträge der gut 150 Mitglieder und nachdem der Erlös der ausverkauften Veranstaltung im Forum Daun mit ZDF-Moderator Harald Lesch der Vereinigung zugute gekommen ist. "Wir würden gerne investieren, was aber in der momentanen Situation keinen Sinn ergibt", berichtet Harald Simon, der zweite Vorsitzende der AVV.

Denn die Vereinigung kann den Mietvertrag für die Kuppel mit der Uni Bonn jeweils um nur ein Jahr verlängern. "Was bedeutet, dass uns eine langfristige Perspektive fehlt, um unsere Vorstellungen umzusetzen."

Simons Hoffnung: "Dass wir endlich langfristig planen können und dem Konzept von Jutta Schulte-Gräfen eine Chance gegeben wird."
Kommentar
Meinung
Endlich sagen, was Sache ist
Gibt es wirklich niemanden, der dieser unwürdigen Hängepartie endlich mal ein Ende macht? Hoffnungsschimmer, Dämpfer, Geduldsproben, vage Andeutungen - es reicht! Die Initiative muss aus Nordrhein-Westfalen kommen, denn die Akteure vor Ort haben einfach kein echtes Druckmittel. Die Zukunft einer kleinen, wenn auch speziellen Immobilie außerhalb des Bundeslandes steht in NRW mit Blick auf echte dicke Brocken wie den Neubau der Rheinbrücke Leverkusen sicher ganz unten auf der Prioritätenliste - wenn überhaupt. Und trotzdem: Es ist höchste Zeit zu sagen, was Sache ist - so oder so. s.sartoris@volksfreund.de
Extra: PROGRAMMAUSWAHL KLEINER STERNENSOMMER
Sonntag, 27. August: ab 14 Uhr Ausstellungen mit den Werken von Kindern aus den Malkursen von Jutta Schulte-Gräfen. In Pavillons geben die künftigen Mieter der Sternwarte Einblick in ihr Schaffen. 17 Uhr: Kuppelkonzert mit dem Quartett "Saxoforte". Mittwoch, 30. August, bis Freitag, 1. September: Workshops Freie keramische Plastik, Holz, Zeichnung, Malerei, Collage. In allen Workshops gibt es noch freie Plätze. Abschlusspräsentation, Samstag, 2. September. Ausstellungen, Lesungen, Kunstsprechstunde, Poetry Slam, Abschlusskonzert mit Affinity Kit, Videoinstallationen. Infos: www.kunststernwarte.de