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Tierische Mitarbeiter kümmern sich um die Landschaftspflege an der Autobahn bei Kelberg

(Dreis-Brück/Gerolstein) Diese "Außendienst-Mitarbeiter" des Landesbetriebs Mobilität sind braun und haben Hörner: Schottische Hochlandrinder sorgen dafür, dass Flächen, die zum Ausgleich für den Autobahnbau dienen, nicht zuwachsen.

13.07.2017
Stephan Sartoris
Wer an den Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Gerolstein denkt, verbindet mit der Behörde fast ausschließlich die Aufgabe, die Straßen in den Kreisen Vulkaneifel und Bitburg-Prüm zu erhalten.
Aber der LBM hat auch neu gebaut, und zwar das Autobahnteilstück von der Anschlussstelle (AS) Darscheid bis zur AS Kelberg. Das ist schon etwas her, 2012 ist der Abschnitt zwischen der AS Gerolstein und der AS Kelberg für den Verkehr freigegeben worden.

Aber wenn so massiv in die Landschaft eingegriffen wird, muss ein Ausgleich geschaffen werden, so wollen es die Vorschriften. Im Fall des vom LBM betreuten A-1-Teilstücks bedeutet das: Ausgleichsmaßnahmen von insgesamt 815 Hektar (508 Hektar Wald, 307 Hektar offenes Gelände), was weit über 1100 Fußballfeldern entspricht. Die Schwerpunkte der Flächen liegen in der Gemarkung Daun-Rengen (Hasbachtal und Lieseraue) und der Gemarkung Dreis-Brück (Bereich vom Radersberg bis Dreiser Weiher). Mit der Umsetzung der Wald-Projekte wurde bereits Anfang der 1990er Jahre nach den Stürmen Vivian und Wiebke begonnen.

Dabei wurden Windwurfflächen aufgeforstet, Fichtenbestände in Buchenmischwälder umgewandelt, Altholzbestände gesichert, Bachtäler von Fichten befreit und mit standorttypischen Laubbäumen aufgeforstet.
Die Umsetzung der Offenlandprojekte startete 2013, nach Abschluss der Flurbereinigungsverfahren in den betroffenen Gemarkungen. Dabei wurden Teiche angelegt, Hecken angepflanzt und Grünland in extensive Nutzung überführt. Im vergangenen Jahr hat der LBM eine zugewachsene Fläche von gut sieben Hektar zwischen Dreis und Brück freigestellt. Wie stark das Gelände zugewuchert war, erzählt Stefan Kill, Landschaftsplaner beim LBM: "Wir haben dabei einen Viehunterstand gefunden, der zunächst mit bloßem Auge gar nicht mehr erkennbar war."

Damit die Fläche nicht wieder zuwächst, ist sie mittlerweile eingezäunt worden und wird beweidet. Den Zuschlag dafür hat per Ausschreibung Hermann Kreuter aus Dreis-Brück bekommen, bekannt vor allem als Geschäftsführer des Getränkeherstellers Nürburg-Quelle. Er hat aber auch einen landwirtschaftlichen Bio-Betrieb mit Schottischen Hochlandrindern, die durch ihre Genügsamkeit für die Landschaftspflege besonders geeignet sind. "Mein Vater hat schon Anfang der 1980er Jahre damit begonnen. Nach seinem Tod habe ich das übernommen und die Zahl der Tiere kontinuierlich erweitert", berichtet Kreuter. Waren es 2008 noch 40 Rinder, sind es mittlerweile 180. "Manche behaupten, es wäre mein Hobby, aber angesichts dieser Zahl an Tieren und der damit verbundenen Arbeit ist es das definitiv nicht."

Großen Aufwand betreibt auch der LBM, was die Ausgleichsflächen angeht. "Noch vor nicht allzu langer Zeit war nur ein Mitarbeiter in unserem Haus mit dem Thema befasst, mittlerweile sind es fünf Ingenieure für Landespflege und Biologen", sagt Amtsleiter Harald Enders.

Das, was schon gemacht wurde, soll nicht mehr nur Kennern vorbehalten bleiben. "Geplant ist, dass beispielsweise in der Lieseraue bei Rengen ein Wanderweg angelegt wird, voraussichtlich im nächsten Jahr", kündigt Enders an. "Der soll es den Bürgern ermöglichen, sich selbst von der Entwicklung der Ausgleichsmaßnahmen zu überzeugen."
Extra: LBM GEROLSTEIN

Der LBM Gerolstein ist für 2375 Straßenkilometer in den Landkreisen Vulkaneifel und Bitburg-Prüm zuständig - davon 340 Kilometer Bundesstraßen, 930 Kilometer Landesstraßen, 755 Kilometer Kreisstraßen im Eifelkreis und 350 Kilometer Kreisstraßen im Kreis Vulkaneifel. Beim LBM Gerolstein arbeiten 313 Leute, davon 95 im Innendienst und 218 bei den Straßenmeistereien