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Verstoß gegen Tierschutzgesetz: Geldstrafe für Pferdehalterin in der Vulkaneifel

(Daun) Das Amtsgericht Daun hat eine 63 Jahre alte Pferdehalterin wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zu einer Geldstrafe von 1350 Euro verurteilt. Es sei erwiesen, dass die Frau zwar nicht absichtlich den schlechten Zustand von elf Islandpferden herbeigeführt, ihn aber zumindest in Kauf genommen habe.

22.02.2016
Stephan Sartoris
Daun. Völlig überraschend war es nicht, als am 14. Januar 2015 Vertreter des Veterinäramts des Kreises Vulkaneifel in Weißenseifen nahe Mürlenbach auftauchten und sich den Zustand von elf Islandpferden anschauten.
Denn schon zuvor hatte die Behörde die Halterin mehrfach aufgefordert, die Bedingungen für die Pferde, die das ganze Jahr draußen gehalten wurden, deutlich zu verbessern. Was aber aus Sicht der Tierärzte nicht in einem ausreichenden Maß getan wurde. Erneute Untersuchungen bestätigten bereits festgestellte Mängel: So wurde unter anderem moniert, dass die Tiere keinen vernünftigen Unterstand gehabt hätten und sie unterernährt und dehydriert gewesen seien. Einen Strafbefehl wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz hatte die Halterin aber nicht akzeptiert, deshalb wurde im Januar dieses Jahres am Amtsgericht Daun ein Prozess gegen sie eröffnet. Die 63-Jährige widersprach dem Vorwurf, sie habe die Herde verwahrlosen lassen. Von ihr benannte Zeugen sagten aus, dass die Angeklagte sich ausreichend um die Tiere gekümmert habe.
Ein völlig anderes Bild zeichnete dagegen Andreas Thelen, Leiter der Abteilung Veterinärwesen und Landwirtschaft in der Kreisverwaltung Vulkaneifel. Er sprach davon, dass die Tiere "bis zur Halskrause" von Parasiten befallen gewesen seien. Es sei eine "vollständige Auszehrung" der Pferde festgestellt worden: "Sie hatten keinerlei Energiereserven mehr."
Staatsanwältin Susanne de Renet verwies auf eine Aussage der Angeklagten, sie habe gemeinsam mit Bekannten eine Wurmkur bei den Pferden gemacht. Dem widersprach Thelen entschieden: "Die Tiere sind nicht entwurmt worden, sonst wäre der Befall nicht so stark gewesen." Die Angeklagte stellte dagegen die Kompetenz des Kreisveterinärs infrage, unterstellte eine "brutale Behandlung" der Pferde durch die Tierärzte und stellte in Aussicht, Thelen anzuzeigen wegen der aus ihrer Sicht unwahren Behauptungen, was den Zustand der Tiere betreffe. Sie hatte bereits beim Prozessauftakt im Januar erklärt, die Tiere hätten stets genug Futter bekommen, seien gepflegt und gegen Wurmbefall behandelt worden. Am Montag sagte sie, sie sei enttäuscht vom Verlauf der Verhandlung, ihre Einwände und ihr Material würden nicht gebührend berücksichtigt: "Aber der Europäische Gerichtshof wird letztlich entscheiden, ob das hier alles so richtig gelaufen ist oder nicht."
Staatsanwältin de Renet erklärte in ihrem Plädoyer, sie unterstelle der Angeklagten zwar keine Absicht, aber die Tiere seien nicht ausreichend versorgt worden, was die "kompetente Aussage" des Kreisveterinärs bestätigt habe. Deshalb führe an einer Bestrafung kein Weg vorbei. Richterin Julia Schmitz-Garde folgte dem Antrag der Staatsanwältin, die Pferdehalterin zu 90 Tagessätzen à 15 Euro zu verurteilen. Der Tatbestand des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz sei der Beweislage nach erfüllt. Es seien "erschreckende Ausführungen" der Tierärzte über den Zustand der Tiere im Januar vergangenen Jahres gewesen, an deren Glaubwürdigkeit sie keinen Zweifel habe. Nach Ansicht der Richterin wären die Tiere gestorben, wären sie der Halterin nicht weggenommen worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
 

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