Die alte und neue SPD-Vorsitzende im Kreis Vulkaneifel heißt Astrid Schmitt. Sie ist einstimmig beim Kreisparteitag im Amt bestätigt worden. Ob sie bei der Landratswahl als Kandidatin antritt, ist noch nicht klar, wird aber immer unwahrscheinlicher.
Podcast
Fotostrecke
Gerolstein. Viel Pathos herrschte beim SPD-Kreisparteitag im Gastronomiegebäude des aufwendig sanierten Bahnbetriebswerks in Gerolstein. Es war die erste Zusammenkunft der Kreisgenossen nach dem Anfang Juli angekündigten Rücktritt "ihres" Landrats Heinz Onnertz zum 31. März 2013. Und so nutzten so gut wie alle Redner die Gelegenheit, ihrem Dauergast und "Freund Heinz" zu danken. Allen voran die einstimmig im Amt als SPD-Kreisvorsitzende bestätigte Landtagsabgeordnete und erste Kreisbeigeordnete Astrid Schmitt aus Kirchweiler. Sie sagte: "So einen guten Landrat wie Heinz Onnertz hat der Kreis noch nicht gehabt: Er hat für die Region unglaublich viel geleistet, er hat viel für seine Mitarbeiter getan, und er wird vom Großteil der Bürger geliebt."
"Vielen Dank, Heinz!"
Sie sei daher noch immer "unglaublich traurig und wütend", dass die "unglaubliche Diffamierungskampagne von CDU und BUV" zu seinem Rücktritt geführt habe.
Für die anstehende Landratswahl zum Jahresende kündigte sie an, mit einem gemeinsamen Kandidaten von SPD, FWG und Grünen antreten zu wollen (siehe Drei Fragen an …) und um das Amt zu kämpfen. Schmitt: "Damit sich das Mobbing nicht durchsetzt."
Ihr abschließendes "Vielen, vielen Dank, Heinz!" wurde mit langanhaltendem Applaus der Genossen quittiert.
Der Dauergast wiederum sagte, dass er stets gerne bei der SPD vorbeikomme: "Das ist ein Abend bei Freunden, und so viele hat man davon ja nicht." Wenngleich er erst Ende März 2013 aus dem Amt scheidet, so hatte seine Rede schon etwas von Abschied: Zunächst dankte er der SPD-Fraktion, dass sie "in stürmischen Zeiten stets ihren Mann, ihre Frau gestanden" habe. Dann rechtfertigte er nochmals seine Rücktrittsankündigung, gab der SPD mit auf den Weg, auf ihre Frontfrau Astrid Schmitt aufzupassen, damit sie nicht verheizt werde, und appellierte mit Pathos in der Stimme: "Bleibt stark! Der Landkreis Vulkaneifel braucht eine ganz starke SPD." Dafür spendeten die Genossen ebenso lang anhaltendenApplaus wie für die Worte ihres jungen Fraktionsvorsitzenden im Kreistag sowie Kandidaten für die Bundestagswahl, Jens Jenssen. Auch er dankte Onnertz: "Lieber Heinz, du warst immer jemand, der für und nicht gegen etwas war. Und du hast die Leute begeistert. Das ist das, was in Erinnerung bleiben wird." Und das sei auch das, wofür er selbst eintreten werde. Jenssen. "Wir lassen uns unseren Optimismus nicht nehmen." Und er kündigte an: "Wir haben den Wahlkampf zwar nicht gewollt, wir werden ihn aber engagiert und fair führen."
Die Wahlen in den eigenen Reihen, die dazu führten, dass der Vorstand deutlich verkleinert und verjüngt wurde (siehe Extra), gingen rasch und reibungslos über die Bühne. Und sie hatten eindeutige Ergebnisse: Astrid Schmitt wurde einstimmig als Kreisvorsitzende im Amt bestätigt.
Die neuen Stellvertreter sind Nils Hoffmann (31) aus Hillesheim, der ebenfalls einstimmig gewählt wurde, sowie Uwe Schneider aus Gerolstein (43), für den 34 von 39 Delegierten stimmten.
Meinung
Spannende Wochen
Der Umstand, dass die SPD auf ihrem Parteitag noch keinen Bewerber präsentiert hat, zeigt, wie schwierig die Kandidatensuche ist und wie sehr auch die befreundeten Genossen die Rücktrittsankündigung von Landrat Onnertz überrascht hat. Und es wird klar: Diesmal haben die SPD und ihre Mitstreiter nicht die Zeit wie bei ihrem Coup 1999. Das dürfte einerseits der CDU als noch immer stärkster politischer Kraft im Kreis Vulkaneifel in die Karten spielen. Andererseits können Schmitt & Co. auf den Onnertz-Bonus setzen. Schließlich genießt der Landrat bei den Bürgern nach wie vor hohes Ansehen. Spannende Wochen stehen bevor. m.huebner@volksfreund.de
Extra
… die alte und neue SPD-Kreisvorsitzende Astrid Schmitt: Treten Sie als Kandidatin bei der Landratswahl an?Schmitt: Die Abstimmungsgespräche mit FWG und Grünen laufen noch. Wir werden zeitnah nach der Kreistagssitzung am kommenden Montag unseren Kandidaten oder unsere Kandidatin präsentieren. Es ist, wenn das Thema Landratswahl zur Sprache kommt, immer auch von einer Kandidatin die Rede. Sie schließen also die eigene Kandidatur nicht aus?Schmitt: Sollte es wider Erwarten nicht zu einer Einigung mit unseren Partnern kommen, halte ich es mir offen, selbst anzutreten. Die SPD sieht es also nicht als notwendig an, bei dieser Wahl mit einem SPD-Kandidaten ins Rennen zu gehen?Schmitt: Im Moment streben wir eher eine Lösung von außerhalb der Partei an - mit einem unabhängigen und gemeinsamen Kandidaten. Die Fragen stellte Mario Hübner.
Extra
Der neue geschäftsführende Vorstand der Kreis-SPD wurde von acht auf sechs Mitglieder verkleinert. Ihm gehören für die nächsten zwei Jahre an: Vorsitzende Astrid Schmitt (Kirchweiler), die Stellvertreter Nils Hoffmann (Hillesheim) und Uwe Schneider (Gerolstein), Geschäftsführerin Antje Fischer (Mehren), Schatzmeister Daniel Kreis (Gerolstein) und Internetreferent Marco Peters (Gerolstein). Ausgeschieden sind die beiden bisherigen Stellvertreter Dieter Demoulin und Hermann Lux, Geschäftsführer Mario Müller sowie Internetbeauftragter Stefan Schmitz. Als Beisitzer nicht mehr dabei sind Elisabeth Gonzales, Wilfried Jax, Gerlinde Letschka, Elk Rohde, Karl-Heinz Steffes und Arno Stolz. Eine besondere Ehrung wurde Theo Pohl (82) aus Oberbettingen zuteil, der mehr als 40 Jahre bei der SPD ist: Er erhielt die Willy-Brandt-Medaille für besondere Verdienste. Für 40 Jahre Mitgliedschaft in der SPD wurde Klaus Schlüter (68) vom Ortsverein Hinterbüsch geehrt. mh
Kohlgemüse liefert so viele Vorteile auf einmal wie kaum ein anderes Gemüse. Kohl ist vielseitig einsetzbar und besonders in der kalten Jahreszeit ein wichtiger Vitaminlieferant. mehr...
Finden Sie uns auf Facebook und auf Twitter | Kommentare: Kommentar schreiben