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Das Ziel: Freie Fahrt für Schienenbusse

Bahnfreunde wollen Strecke zwischen Gerolstein und Prüm vom Gestrüpp befreien

(Gerolstein-Müllenborn) Die Interessengemeinschaft Westeifelbahn will mit dem Freischnitt der Bahnstrecke Gerolstein-Prüm beginnen. Zunächst nur in Stadtteilen Gerolsteins. Das ist ein erster Schritt für die Reaktivierung der stillgelegten Route.

06.10.2014
Vladi Nowakowski
Gerolstein-Müllenborn. Anfang des Jahres erteilte das Oberverwaltungsgericht in Koblenz eine Betriebsgenehmigung für die stillgelegte, aber nie entwidmete Bahnstrecke zwischen Gerolstein und Prüm. Nun soll mit dem Freischneiden der teilweise zugewachsenen Strecke von Gebüsch der nächste Schritt für die Reaktivierung folgen.
Wenn es nach dem Willen des potenziellen Betreibers, der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) geht, sollen ab kommendem Frühjahr wieder Züge auf dem 23 Kilometer langen Schienenweg rollen. "Wir wollen mit der Instandsetzung der Strecke auf Gerolsteiner Stadtgebiet beginnen", sagt Bernd Kruse, der Vorsitzende der IG Westeifelbahn, die das Vorhaben der RSE unterstützt. Rund 30 Freiwillige aus der gesamten Bundesrepublik haben den 20 Mitgliedern des Vereins ihre Hilfe angeboten, um die Strecke von Bewuchs zu befreien, Büsche und Bäume zurückzuschneiden. Weitere Unterstützung bei den für diesen Herbst geplanten Arbeiten kommt unter anderem vom Verein Eifelbahn, dessen Schienenbusse ab 2015 zwischen Müllenborn, Gerolstein und Oos verkehren sollen. Wann genau die Heckenscheren und Motorsägen zum Einsatz kommen, ist noch nicht ganz klar.
Doch vor dem Freischnitt gilt es, Gespräche zu führen. "Selbstverständlich reden wir zunächst mit der Stadt Gerolstein und dem neuen Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz", sagt Bernd Kruse. Und der zeigt sich offen: "Ich bin da auf jeden Fall gesprächsbereit", sagt er.
Die RSE und die IG Westeifelbahn hatten den Eigentümern der Bahnstrecke, der VG Prüm und der Stadt Gerolstein, eine jährliche Pacht in Aussicht gestellt, "obwohl eine solche laut Eisenbahngesetz nicht vorgesehen ist", sagt Kruse. Das Angebot lag bei 3000 Euro pro Jahr.
"Jedoch hatten die Kommunen bisher eine völlig andere Vorstellung über die Höhe", führt er weiter aus. Es seien Summen von 20 000 bis zu 25 000 Euro genannt worden. Das bestätigt Aloysius Söhngen (CDU), Bürgermeister der VG Prüm. Über den Sommer hinweg ist das Thema - auch wegen der Neuwahlen in der Stadt Gerolstein - erst einmal eingeschlafen.
Nun kommt es wieder auf die Tagesordnung.
Im Prümer Rathaus herrscht aber nach wie vor die gleiche Meinung vor: Das Vorhaben, den Schienenverkehr auf der Trasse zu reaktivieren, wird abgelehnt, solange kein gültiger Pachtvertrag existiert. VG-Chef Söhngen wiederholte aktuell auf TV-Anfrage seine alte Forderung: "Ich habe nichts dagegen, wenn jemand die Strecke freischneiden will. Aber dann müssen wir uns doch vorher erst einmal grundsätzlich geeinigt haben. Ein Pachtvertrag ist zwingend erforderlich." Daher warte er nun erst einmal ab, "dass uns ein ordentliches Angebot auf den Tisch gelegt wird". Gerolsteins Stadtbürgermeister Bongartz sieht die Sache etwas lockerer - zumindest in einem Punkt: "Wenn die Leute die Strecke freischneiden wollen, ist mir das recht."
Extra
Die Verbandsgemeinde Prüm und die Stadt Gerolstein haben 2005 die 23 Kilometer lange Bahntrasse zwischen den beiden Städten für 430 000 Euro gekauft, die 2001 stillgelegt worden war. Anfangs dachte man über einen touristischen Draisinenbetrieb nach, später sollte auf der Trasse ein familienfreundlicher Radweg entstehen. Daraus wird vorerst nichts, denn die Rhein-Sieg-Eisenbahn hat nach langem Streit vom Oberverwaltungsgericht in Koblenz das Recht zugesprochen bekommen, auf der Strecke Schienenverkehr zu reaktivieren. Nach Vorstellung der Betreiber soll ab Frühjahr 2015 wieder Freizeit- und Güterverkehr rollen. now