region/gerolstein

"Das ist gerade noch mal gut gegangen"

(Trier/Daun) Versuchter Mord und versuchter Totschlag. So lautet das Urteil gegen einen 59-Jährigen, der im vergangenen Jahr vor einer Dauner Kneipe zwei Männer niedergestochen hat. Das Trierer Landgericht hat ihn gestern für zehn Jahre ins Gefängnis geschickt.
Podcast
Trier/Daun. Jörn Patzak zückt während seines Plädoyers ein Messer, klappt es aus, zeigt, wie lang eine sieben Zentimeter lange Klinge ist. Mit einem kräftigen Armschwung zeigt der Staatsanwalt, mit welcher Wucht der ihm gegenübersitzende Angeklagte, ein 59-Jähriger aus Daun, zugestochen haben muss. Das Messer, das der Mann in der Nacht zu Fronleichnam im vergangenen Jahr mit voller Wucht in den Bauch eines 20-Jährigen und kurze Zeit später in den eines 25-Jährigen gerammt hat, war noch größer. Bis "zum Anschlag" vor einer Kneipe in der Dauner Innenstadt habe der Mann, der als bunter Vogel in Daun verschrien ist, die neun Zentimeter lange Klinge reingestoßen, sagt Patzak.

Die Leber knapp verfehlt


Beim 20-Jährigen hat er nur knapp die Leber verfehlt, beim 25-Jährigen fehlten Millimeter bis zum Herz. Die beiden Opfer, die mit Notoperationen gerettet werden mussten, seien nur knapp mit dem Leben davongekommen, sagt Patzak. Der Angeklagte habe vorgehabt, die Männer zu töten. "Das ist gerade noch mal gut gegangen. Die Jungs sind fast gestorben." Der Messerstecherei ist ein Streit in der Kneipe vorausgegangen. Allem Anschein nach hat zumindest der 20-Jährige den späteren Täter provoziert. Es ist wohl um dessen Bekannte gegangen, mit der sich der 59-Jährige unterhalten hat. Er habe die junge Frau belästigt und unsittlich berührt, hat der 20-Jährige vor Gericht ausgesagt. Die Frau selbst hat das allerdings nicht so gesehen. Auch die Aussage, dass die beiden Opfer, die als Nebenkläger aufgetreten sind, nach dem Vorfall im Juni vergangenen Jahres nicht mehr in die Kneipe gegangen sind, ist von Zeugen widerlegt worden. Patzak rügt die beiden, sie seien haarscharf an einer Strafe wegen Falschaussage vorbeigeschrappt.
Der Angeklagte ist gegen halb ein Uhr nachts wortlos aus der Kneipe gegangen, ohne vorher zu bezahlen. Ob er die Zeche prellen wollte, ist nicht aufgeklärt worden. Die Bedienung hat ihn aufgehalten, kurz darauf soll der 20-Jährige dazwischengegangen sein und ist dann von dem 59-Jährigen mit dem Messer angegriffen worden. Patzak und auch das Gericht werten das als versuchten Mord. Der 20-Jährige habe nicht damit rechnen können, ein Messer in den Bauch zu bekommen.

Elf Mal vorbestraft


Der Angriff auf den 25-Jährigen, der auf den Angeklagten zugegangen ist, als sein Kumpel blutend auf dem Boden gelegen hat, ist aus Sicht des Staatsanwaltes und des Gerichtes versuchter Totschlag. Der 25-Jährige habe damit rechnen müssen, auch mit dem Messer angegriffen zu werden. Patzak nennt den Angeklagten, der elf Mal vorbestraft war, eine "tickende Zeitbombe". Auch Jörg Mühlenfeld, Rechtsanwalt des 20-Jährigen, sieht in dem Mann, der sich öfter bereits mit seinen "Messerkünsten" gebrüstet haben soll, eine Gefahr. "Tun Sie alles, was möglich ist, um die Bevölkerung vor weiteren Straftaten des Mannes zu schützen", plädiert er. Genau wie Bernd Hoffmann, Anwalt des 25-Jährigen, sieht er in den beiden Messerattacken einen zweifachen versuchten Mord. Er habe die Männer nicht töten wollen, sagt hingegen Andreas Ammer, Verteidiger des Angeklagten. Er plädiert dafür, den 59-Jährigen allenfalls wegen gefährlicher Körperverletzung zu verurteilen.
Dem folgt das Gericht jedoch nicht, verurteilt den arbeitslosen, dreifachen Vater wegen versuchten Mordes und versuchten Totschlags zu zehn Jahren Gefängnis und zur Unterbringung in einer Entziehungsanstalt wegen seiner Alkoholsucht. Vor der Urteilsverkündung hat er sich wie bereits am ersten Prozesstag bei den Opfern entschuldigt. Es gehe ihm nicht mehr aus dem Kopf, was er ihnen angetan habe.


Das könnte Sie auch interessieren






Anzeige