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Heute schon an Morgen denken

(Daun) Vier Kinderarztsitze gibt es im Landkreis Vulkaneifel. Aber drei der Ärzte sind im Rentenalter. Zumindest in Daun könnte die Nachfolgersuche aber bald ein Ende haben. Eine Kandidatin ist Doktor Gabi Morgen.

09.10.2017
Brigitte Bettscheider
Daun Der Kinderarzt Reinhold Jansen war Anfang 60, als er seine Praxis in Siegburg aufgab. Er siedelte nach Sassen in die Verbandsgemeinde (VG) Kelberg um und übernahm in Daun den Sitz von Ludwig Neub. "Es sollte nur vorübergehend sein, um die Versorgung zu sichern", erzählt er. Inzwischen sind sechseinhalb Jahre vergangen, in denen Reinhold Jansen immer wieder mit der Versorgungs- und Strukturpolitik der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) haderte. Und gleichzeitig auf der Suche nach Mitstreitern und Nachfolgern war. Im Dienst ist er immer noch. "Der Umgang mit den Kindern und Eltern und dem Praxisteam macht mir nach wie vor Freude", sagt der 68-Jährige.
Mit der Deckelung durch die KV ist Reinhold Jansen nach wie vor nicht einverstanden: "Zehn bis 15 Prozent unserer Leistungen werden nicht bezahlt, weil wir mehr Patienten versorgen, als die KV auf dem Plan für den Landkreis Vulkaneifel hat." Dieses Mehr liegt in erster Linie daran, dass die Praxen der beiden Dauner Kinderärzte Reinhold Jansen und Martina Holz (wie auch die der beiden Gerolsteiner Kinderärzte Dominique und Friedemann Bertholdt) auch von Eltern mit Kindern aufgesucht werden, die aus den an den Landkreis angrenzenden Regionen kommen - etwa Ulmen, Kaisersesch, Vordereifel, Manderscheid. Hinzu kommt, dass die Vulkaneifel ein beliebtes Urlaubsziel von Familien mit Kindern ist. "Da sind wir natürlich auch immer wieder mal gefragt", erklärt Jansen, "und wir weisen niemanden ab." Eine weitere Zusatzaufgabe - typisch für Kinderärzte auf dem Land - liegt in der Betreuung und Untersuchung von Babys, die im Dauner Krankenhaus auf die Welt kommen.
Trotzdem schaut Reinhold Jansen optimistisch in die Zukunft. Seit einem Jahr arbeitet Anne Krings, Fachärztin für Kinderheilkunde, mit einer halben Stelle in der Praxis. Weiterbildungsassistentin Doktor Gabi Morgen ist seit einem Monat mit von der Partie.
Morgen (31) stammt aus Mannebach (VG Kelberg). Nach dem Abitur am Dauner Thomas-Morus-Gymnasium hatte sie Medizin in Köln studiert und 2013 ihre Weiterbildung zur Kinder- und Jugendärztin am Krankenhaus im nordrhein-westfälischen Remscheid begonnen. Die Heirat mit einem Grundschullehrer, der nun im nahen Adenau unterrichtet, und die Geburt ihrer Tochter im vorigen Jahr, führten Gabi Morgen zurück in ihr Heimatdorf. "Ein Glücksfall", meint sie mit Blick auf die Möglichkeit, in der Praxis Jansen ihre Weiterbildung fortsetzen und Beruf und Familie bestens unter einen Hut bringen zu können. "Ein sehr guter Arbeitsplatz, ein sehr gutes Team, liebe Patienten, ein toller Chef", schwärmt sie. Und wenn sie von dem entspannten Fahrweg, der unproblematischen Kinderbetreuung und dem geplanten Hausbau in Mannebach erzählt, scheint Reinhold Jansen sich tatsächlich keine Sorgen um die Zukunft seiner Praxis machen zu müssen.Wenngleich es Veränderung geben wird: Ab dem kommenden Jahr soll die Praxis als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) geführt werden. Gründer und ärztlicher Leiter wird Reinhold Jansen sein; er, die angestellten Ärzte und weitere Fachkräfte versorgen die Patienten, ein Praxismanager übernimmt Verwaltungsaufgaben, die Abrechnung und die Personalführung. "Ein ideales Modell gerade für Kinderarztpraxen", erklärt Jansen. Denn unter den Kinderärzten gibt es einen besonders hohen Anteil an Frauen, die Teilzeit und Angestelltenverhältnis bevorzugen, um Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können. So wie Anne Krings und Gabi Morgen.
Extra: DAS SAGT DIE KV RHEINLAND-PFALZ

Der Versorgungsgrad von Kinderärzten in der Vulkaneifel liegt aktuell bei über 160 Prozent (Stand: März 2017). Damit ist der Bereich für Neuzulassungen gesperrt. Niederlassungen sind nur möglich, um frei werdende Sitze wieder zu besetzen. Es ist richtig, dass Ärzte in Daun und Gerolstein auch Kinder aus den anliegenden Kreisen betreuen. Der Anteil dieser Patienten liegt jedoch im unteren zweistelligen Bereich. Die KV Rheinland-Pfalz hat die "Förderrichtlinie Strukturfonds" ins Leben gerufen. Danach sollen Niederlassung und Anstellung finanziell unterstützt werden. Zur Beurteilung der zukünftigen Versorgungslage in Rheinland-Pfalz wurde ein Instrument entwickelt, um auf das Versorgungsgeschehen reagieren zu können. Berücksichtigung fanden hierbei unter anderem das Alter der Ärzte sowie die Wahrscheinlichkeit einer Nachbesetzung. Für die Gruppe der Kinderärzte wurde danach die Kreisregion Vulkaneifel als Fördergebiet ausgewiesen.