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Hillesheim ist scharf auf Camper und Kaufkraft

(Hillesheim) In Hillesheim wird ein neuer Anlauf gestartet, einen Wohnmobilstellplatz im Naherholungsgebiet Bolsdorfer Tälchen zu errichten. Und was für einen!

12.09.2017
Mario Hübner
Neue Haltung, neuer Versuch: In der Stadt Hillesheim gibt es derzeit wieder Bestrebungen, zusätzlich zu dem behelfsmäßigen Angebot auf dem Viehmarktplatz einen eigenständigen Wohnmobilstellplatz zu errichten - im Naherholungsgebiet Bolsdorfer Tälchen. "Wir haben im Marketingausschuss darüber gesprochen und es herrscht große Zustimmung, so ein Angebot in Hillesheim zu schaffen", sagt Stadtbürgermeister Matthias Stein (CDU) auf TV-Anfrage.

Die fünf bis sechs Behelfsplätze auf dem Viehmarktplatz würden bei Weitem nicht ausreichen, meint der Stadtbürgermeister und erläutert: "Die Reisemobilisten werden immer mehr. Bislang halten sie aber nur eine Nacht in Hillesheim und machen sich dann weiter auf den Weg, da sie bei uns kein entsprechendes Angebot vorfinden. Diesen Markt und die damit verbundene Top-Kaufkraft, die die Camper in die Stadt bringen würden, wollen wir künftig nicht mehr an uns vorbeiziehen lassen."

Näher ins Auge gefasst werden zwei Standorte im Bolsdorfer Tälchen: im Bereich des Skaterparks und auf dem Areal des Kulturzirkus in Nachbarschaft zur Tennishalle. Denn Gespräche mit Wohnmobilisten hätten ergeben, dass sie vor allem zwei Dinge suchten: ein attraktives Umfeld mit Ruhe sowie die Nähe zur Innenstadt. Beides wäre im Bereich des Bolsdorfer Tälchens gegeben, wo die Stadt nach Auskunft von Stein 26 000 Quadratmeter Land besitzt. "12 000 bis 15 000 Quadratmeter davon könnten wir für einen großen Wohnmobilstellplatz zur Verfügung stellen. Damit könnten rund 150 Stellplätze geschaffen werden", sagt Stein.

Ihm schweben zwei Optionen vor: Entweder das Areal würde an einen Investor verkauft (Stein: "Ich habe bereits einen Interessenten an der Hand."), der dann die Infrastruktur auf eigene Kosten schaffe und den Platz betreibe.
Oder die Stadt würde das Areal dementsprechend umbauen und selbst betreiben. "Wir prüfen nun, welche Auflagen wir dafür alle erfüllen und welche Vorleistungen wie einen Bebauungsplan sowie Wasser- und Kanalanschlüsse wir erbringen müssten." Da das alles Zeit brauche, sei mit einer Realisierung "frühestens 2018" zu rechnen.
Vor fünf Jahren, als die FWG im Stadtrat den Antrag gestellt hatte, drei Wohnmobilstellplätze neben der Tennishalle im Bolsdorfer Tälchen zu errichten, hatte sich unter anderem der Stadtbürgermeister noch mit Verweis auf die Kosten gegen ein solches Vorhaben ausgesprochen und auch die Notwendigkeit noch nicht so gesehen wie heute.
Und rund 300 Bürger haben sich gegen das Vorhaben gewandt und eine von ihnen unterzeichnete Petition dem Stadtbürgermeister überreicht.

Einer von ihnen war damals der Hillesheimer Architekt Dieter Lenartz, der im Wohngebiet in der Nähe des Bolsdorfer Tälchens lebt. Die aktuellen Überlegungen lehnt er, da er sich ja bereits gegen drei Stellplätze ausgesprochen hatte, ebenfalls ab. Er sagt: "Selbstverständlich bin ich grundsätzlich gegen die geplante Errichtung von Wohnmobilstellplätzen - und ich nehme an, meine Nachbarn auch."
Und das sage er "nicht nur als Anlieger, sondern auch als Bürger". Denn, so Lenartz: "Es widerspricht grundsätzlich dem Gedanken einer Biotopanlage, deren Naherholungszweck den Bürgern gewidmet ist, wenn dieser durch eine kommerzielle Nutzung ad absurdum geführt wird."

Meinung: Diskutieren!
Ein Wohnmobilstellplatz kann für eine Stadt ein großer Gewinn sein. Denn die Klientel ist zahlungskräftig und sie wird immer größer. Daher ist es vernünftig, wenn darüber (erneut) diskutiert wird. Klar ist: Ein solcher Platz wird umso besser angenommen, je schöner und zentrumsnäher er ist. Das Bolsdorfer Tälchen ist daher keine schlechte Wahl. Denn mit dem Platz und den neuen Besuchern könnte das Naherholungsgebiet auch gastronomisch nochmals aufblühen. Ob es direkt 150 Stellplätze werden müssen, ist zu hinterfragen. Keine Frage ist allerdings die der Zufahrt: Die muss außerhalb des Wohngebiets - hinter dem Bahndamm - angelegt werden. m.huebner@volksfreund.de