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Hillesheim schließt die Akte Windkraft

Auch die Reduzierung der Vorrangflächen bringt kein Ergebnis für die Verbandsgemeinde

(Hillesheim) Sämtliche Versuche, geeignete Areale für Windkraftanlagen im Hillesheimer Land auszuweisen, scheitern am Vorkommen des Rotmilans und des Schwarzstorches. Das Thema ist damit für die Verbandsgemeinde erledigt.

04.08.2014
Vladi Nowakowski, Stephan Sartoris
Hillesheim. Der geplante große Windpark zwischen Berndorf, Wiesbaum, Üxheim und Kerpen mit bis zu zwölf Windkraftanlagen (WKA) ist nach einem Gutachten zum Rotmilan-Vorkommen ad acta gelegt worden. Hintergrund: Im besagten Gebiet sind etwa acht bis zehn Rotmilan-Horste dokumentiert.
Rund um ein Nest des geschützten Raubvogels muss beim Bau einer WKA ein Mindestabstand von 1,5 Kilometern eingehalten werden, zu Nestern des Schwarzstorches sogar 3000 Metern. Da auch die Flächen im Hillesheimer Stadtwald und bei Nohn aus Naturschutzgründen nicht in Frage kommen, rückte der Mordhügel bei Nohn als mögliches Areal in den Fokus. Dazu sollte in einer Abstimmung des VG-Rats Hillesheim die bisher für WKA geltende Flächengröße von 40 Hektar auf rund 20 Hektar reduziert werden, das Areal des Mordhügels umfasst 21,5 Hektar. Mit einer Zustimmung des Rats wäre es der VG gelungen, ein weiteres Vorranggebiet auszuweisen.
Doch dazu kommt es erst gar nicht. Der Sachverständige Reinhold Hierlmeier vom beauftragten Planungsbüro BGH Plan aus Trier hat die mögliche Fläche im Auftrag der VG zwar im Vorfeld auf Vereinbarkeit mit der Naturparkverordnung, auf Verträglichkeit mit der A-1-Trasse untersucht, den Mindestabstand zum Gewerbegebiet Hoffeld bestätigt und den Mordhügel daraufhin für WKA-tauglich befunden. Doch nach Rücksprache mit einem Ornithologen und Sachverständigen des Landesamtes für Umweltschutz ist auch dieses Vorhaben nicht realisierbar. "An diesem Standort wird der Mindestabstand zu Rotmilan-Horsten und Nestern des Schwarzstorches ebenfalls mit aller Wahrscheinlichkeit unterschritten", sagt Hierlmeier.
Damit ist das Aus für die Windkraftpläne im Hillesheimer Land beschlossene Sache, denn eine weitere Fläche, die als Vorranggebiet ausgewiesen werden könnte, existiert nicht. "Wir sind mit unserem Latein am Ende", sagt VG-Bürgermeisterin Heike Bohn. Der 1. Beigeordnete Bernhard Jüngling sieht "unüberwindbare Schwierigkeiten."
Nach rund drei Jahren Planung und Beratung, Kosten für Gutachten und nicht zuletzt dem Gegenwind aus der Bevölkerung, der auch den Einzug der Windkraftgegner von Sturm im Wald in den VG-Rat zur Folge hatte, wird das Ende für die Windkraft-Pläne akzeptiert. "Den Vorwurf einer Verhinderungsplanung kann dem VG-Rat Hillesheim jedoch niemand machen", sagt Dieter Bernardy von der FWG-Fraktion. "Wir haben die Planung ja nicht unterbrochen, sondern ordnungsgemäß zu Ende geführt. Es kann kein Sondergebiet für Windenergienutzung ausgewiesen werden."
Auch Heike Bohn schließt die Akte Windkraft: "Ein weiteres Gutachten und die damit verbundenen Kosten können wir uns hoffentlich ersparen." Martin Kleppe, Fraktionssprecher von Sturm im Wald, sieht das Ergebnis erwartungsgemäß positiv. "Auf Rotmilan-Bestände in diesem Areal haben wir bereits vor drei Jahren hingewiesen. Geglaubt hat uns das allerdings niemand."
Meinung
Es hat nicht sollen sein

Gut drei Jahre Planung und Beratung, Kosten von einer halben Million Euro für die Untersuchungen - und am Ende lautet das Ergebnis: Es gibt keine Vorrangflächen für Windkraft in der Verbandsgemeinde Hillesheim. Für Sturm im Wald ein Grund zur Freude, bei allen anderen überwiegt vor allem Ernüchterung. Ganz ohne geeignete Areale dazustehen, damit hätte in der VG wohl kaum einer gerechnet. Vorzuwerfen hat sich aber niemand etwas: Es ist nichts verhindert, das Verfahren ist ordentlich abgewickelt worden, es hat eben nicht sollen sein. Und vielleicht stehen die Hillesheimer bald nicht mehr allein da: Mal schauen, wie viel Windkraft im Gerolsteiner und Kelberger Land nach Abschluss aller Untersuchungen möglich sein wird. s.sartoris@volksfreund.de

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