Luftbilder aus der Vulkaneifel: Massenweise Aha-Erlebnisse
Nohner Wasserfall, Burg Kerpen, Wehrkirche Berndorf, Stadtmauer Hillesheim und, und, und. Das Hillesheimer Land hat viele bekannte Sehenswürdigkeiten zu bieten. Doch man kann auch ganz neue Eindrücke dieses einzigartigen Landstrichs gewinnen. Aus der Luft. Eine Entdeckungsreise aus besonderem Blickwinkel.
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Hillesheim. Wir starten in Daun, auf der Senheld, wo der Segelflugverein Vulkaneifel seinen Sitz hat: Bernd Hein, Pilotenurgestein und ich, mit der Kamera bewaffnet. Das kleine Motorflugzeug hebt ab und schon haben wir das erste Maar unter uns, das Weinfelder. Dann das Gemündener Maar, Sekunden später sind wir über Daun, dann bereits über dem Ernstberg, dem höchsten Berg des Kreises, der von hier oben nichts mehr von der Anstrengung erahnen lässt, die sein Besteigen mit sich bringt. Und weiter? Keine Ahnung. Obwohl ich sehr viel im Kreis unterwegs bin. Doch aus dieser Perspektive ähneln sich die Dörfer unter uns auf den ersten Blick sehr.
Ich helfe mir, indem ich die Straßen verfolge, die die Ansammlung von Häusern miteinander verbinden, ihren Verlauf studiere und mit meinen Erinnerungen vom Boden in Einklang zu verbringen versuche. Und ich suche markante Punkte. Einer davon ist, oder besser, drei davon sind: die Windräder bei Zilsdorf. Unverkennbarer Orientierungspunkt von weither. In ein paar Jahren werden sie das mit Sicherheit nicht mehr sein. Stichwort Energiewende.
Auf jeden Fall sind wir jetzt im Hillesheimer Land - beziehungsweise gut 250 Meter darüber. Und das hat nur ein paar Minuten gedauert. Wow! Dann das nächste Aha-Erlebnis: Eine nette Häuserformation reiht sich um ein Gebäude der etwas anderen Art. Kerpen samt Burg. Auch von oben ein herrlicher Anblick.
Der Sportplatz leuchtet hell
Wir drehen nach links ab und ich erkenne rechter Hand ein Dorf mit zwei Kirchturmspitzen: Berndorf mit seiner stolzen Wehrkirche und der Pfarrkirche St. Peter. Dann ein Rätsel: kleine gelbliche Flecken inmitten satten Grüns. So was ist weit und breit sonst nirgends zu sehen. Zeichen außerirdischen Lebens? Oder hat das was mit den Krimis zu tun? Kurze Orientierung. Klar: der Golfplatz mit seinen Sandbunkern. Vor uns eine größere Ansammlung von Häusern. Das muss Hillesheim sein. Das ist Hillesheim. Ich bin mir sicher. Nein, Stadtmauer und Kirche St. Martin haben es nicht verraten. Dafür sind wir noch zu weit weg. Auch der Turm der Molkerei nicht. Wie auch?
Das lange Zeit inoffizielle und aus großer Entfernung sichtbare Wahrzeichen der Stadt ist nach Schließung der Molkerei vor einigen Jahren abgerissen worden. Was es nun verraten hat: der neue Kunstrasenplatz, der zu jeder Jahreszeit hellgrün und rot (dank der Laufbahn drum herum) leuchtet. Und jetzt werden auch der See im Bolsdorfer Tälchen, die Stadtmauer, die Kirche und die beispielhaft sanierte Altstadt sichtbar. Auch von oben ein pittoresker Anblick.
Doch es gibt auch die Kehrseite. Nur einen Katzensprung entfernt. Tiefe Wunden in einem Ausmaß, das man sich vom Boden aus so nicht ausgemalt hätte, weil man von dort nur einen kleinen Ein- und schon gar keinen Überblick bekommt: Steinbrüche. Viele kleine, aber auch Mega-Krater, in denen Lastwagen und Bagger als kleine gelbe, blaue und rote Punkte daherkommen. Angesichts der Dimensionen winziger als Spielzeugautos. Erschreckend! Und in einer Fülle, dass die Brüche selbst als Orientierungspunkte von oben nicht mehr taugen, da es einfach zu viele sind: Dohm-Lammersdorf, Hillesheim, Oberbettingen, Berndorf, Waldorf, Üxheim …
Je weiter wir nach Norden fliegen, umso heller das Gestein. Wir sind über der Hillesheimer Kalkmulde.
Am Weinberg fing alles an
Dort wird nicht nur besonderes Gestein und so manches versteinerte Zeugnis der Erdgeschichte zutage gefördert, sondern dort wurde auch der Grundstein für eine weitere bedeutende Entwicklung des Hillesheimer Landes gelegt: die Eifelkrimis. Es war an der imposanten Abbruchkante des Weinbergs bei Berndorf, wo Michael Preute vor rund 15 Jahren die Idee zu diesem neuen Genre bekam und unter dem Namen Jacques Berndorf einen Stein ins Rollen brachte, der dem Hillesheimer Land den Namen Krimilandschaft Nummer eins gab. Was sich zunächst nachteilig anhört, entpuppte sich rasch als Riesenglück für die Region.
Etwas weiter nördlich auch ein Glück für viele Arbeitnehmer. Der Industrie- und Gewerbepark samt Existenzgründerzentrum der Verbandsgemeinde Hillesheim in Wiesbaum, wo annähernd 400 Menschen heimatnah einen Job gefunden haben. Von hier oben wirkt er deutlich kleiner als vorgestellt, und man fragt sich, wo all die vielen Fördergelder und Zuschüsse versteckt sind.
Noch besser versteckt ist etwas weiter östlich ein touristisch begehrtes Ziel: der Wasserfall Dreimühlen bei Nohn. So sehr wir uns auch bemühen, dem Verlauf des Radwegs folgen: Wir wissen, wo es sein müsste, aber wir sehen das Naturschauspiel von hier oben nicht. Und so wird - trotz der vielen außergewöhnlichen Eindrücke aus diesem speziellen Blickwinkel - klar: Manches Ziel im Hillesheimer Land sollte auf jeden Fall besucht werden.
Der Trierische Volksfreund hat in den vergangenen zwei Wochen im Rahmen der Serie "Ich lebe gerne in Hillesheim" die Beispielstadt und das gesamte Hillesheimer Land vorgestellt. Dabei sind die Besonderheiten des einzigartigen Landstrichs in Wort und Bild dargestellt worden, zudem kamen viele Bürger zu Wort, und es wurden besondere Menschen porträtiert. Der heutige Bericht stellt den Abschluss der Reihe dar, dessen Höhepunkt ein eigenständiges Magazin war, das in der gesamten Verbandsgemeinde Hillesheim kostenlos verteilt wurde. Weitere Luftbilder finden Sie unter
volksfreund.de/fotos
Der Industrie- und Gewerbepark der Verbandsgemeinde Hillesheim in Wiesbaum.
Die Burg Kerpen ist Wahrzeichen des schmucken Dorfs. Der Burgring ist vor wenigen Jahren aufwendig saniert worden.
Im Mega-Steinbruch zwischen Dohm-Lammersdorf und Hillesheim werden angesichts der Dimensionen Bagger und Lastwagen zu kleinen bunten Punkten.
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