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Tatort Eifel: Vorhang zu, Blick nach vorn

Klassentreffen für die Krimibranche: Das Festival ist zu Ende und hat seine Bedeutung erneut unter Beweis gestellt

(Daun) Glamouröses fürs Publikum, Arbeit für die Fachteilnehmer: Das sechste Krimifestival "Tatort Eifel" ist vorbei. Nach dem Abspann steht fest: Der Branchentreff bleibt ein wichtiges Forum für alle Fernsehschaffenden, die mit dem Genre befasst sind.

26.09.2011
Fritz-Peter Linden
Daun. Das ist Tatort Eifel: Beim Kurzfilm-Wettbewerb im Kinopalast von Daun läuft das 25 Minuten lange Thrillerchen des jungen Regisseurs Markus F. Adrian. Man erkennt den Hauptdarsteller - einen in der Maske gealterten Ronald Nitschke, aus zahllosen Haupt- und Nebenrollen bekannt - und stellt dann fest, dass der Mann zwei Reihen hinter einem sitzt. Nitschke war nirgendwo angekündigt, er kam einfach vorbei.
Das ist Tatort Eifel: Den Wettbewerb gewinnt am Ende Erwin Häcker mit "Souterrain", elf Minuten Hochspannung mit fieser Schlusspointe. Dabei ist Häcker eigentlich Cutter. Großen Eindruck hinterlässt auch die Zweitplatzierte Anca Miruna Lazarescu mit ihrem düsteren, moralische Fragen aufwerfenden Drama um drei Menschen, die der Ceausescu-Diktatur entkommen wollen. Kein Krimi im engen Sinn, aber ein Beispiel für die Vielseitigkeit dessen, was beim Festival gezeigt und diskutiert wird.
Ein bisschen schade nur, dass im Kino fast ausschließlich Branchenvertreter und Crew-Mitglieder saßen: Der Kurzfilmwettbewerb zeigt alles, was Krimi sein kann und bietet gut zwei Stunden spannendster Unterhaltung. Auftrag an die Festivalleitung: Da ist noch mehr drin. Vielleicht eine Publikumsabstimmung?
Tatort Eifel, das ist aber auch eine so schöne wie persönliche, fast familiäre Lesung von Schriftstellerin Martina Kempff, die sich dabei wieder als wunderbare Unterhalterin erweist: Am Freitag präsentierte sie ihren neuen Eifel-Krimi "Kehraus für eine Leiche" im voll besetzten Saal des Hillesheimer "Amtsrichters". Volles Haus - und das an einem Abend, an dem gleichzeitig noch sechs weitere, darunter auch deutlich größere, Veranstaltungen geboten wurden.
Zum Festival gehören selbstverständlich die großen Premieren: wie der federleichte und gewitzte zweite Teil von "Der Bulle und das Landei" (SWR, der TV berichtete). Oder der SAT 1-Serienpilot "Hannah Mangold": Für Bettina Buchler, frühere Festival-Fachprogrammchefin und weiterhin für die Kurzfilme verantwortlich, schlicht "sensationell". Das sei das Tolle am Festival: "Dass bei Tatort Eifel solch brandneue Formate vorgestellt und diskutiert werden."
Mit großer Freude sieht sie aber auch, wie sich das Festival weiterentwickelt: Von einem Klassentreffen spricht sie, bei dem immer neue Gesichter hinzukommen, bei dem es darum gehe, nicht die alten Formate weiter zu bedienen, sondern neue Erzählformen zu verhandeln. "Es ist eine Konferenz, bei der die neuesten Trends im Krimi diskutiert werden. Eine wichtige Arbeitsplattform und Inspiration für die Branche." Und noch einmal verweist sie auf den Mann, der die Anregung dafür gab: Michael Preute alias Jacques Berndorf.
Arbeit ist das Festival allerdings auch: Zum Beispiel für die Teilnehmer der Werkstattgespräche von ZDF (für die Serie "Notruf Hafenkante") und RTL. Der Privatsender hatte zehn Bewerber nach Daun eingeladen: Autoren, die für die neue Serie "Die Draufgänger" Drehbücher eingereicht hatten, deren erste Staffel zurzeit produziert wird. "Das ist die allererste Begegnung dieser Leute mit RTL", sagt Chefautor Frank Speelmans. "Das ist sehr wertvoll."
Der Sender prüfte während der Gespräche mit den Autoren, was man an ihren Büchern noch machen müsse, "um sie in unsere Richtung zu bekommen". RTL wolle einen Schreiberstamm aufbauen, mit dem mögliche weitere Serienstaffeln bestritten werden können. "Und dass da heute welche dabei sind, das glaube ich schon", sagt Speelmans.
Strahlende Gesichter - die sieht man oft an diesen zehn Tagen des Festivals. Und nach der gelungenen Schlussgala am Samstag strahlt dann endlich auch, ein bisschen zumindest, der Festivalchef Heinz-Peter Hoffmann. "Gut gelaufen, oder?", sagt er. Am Montag erhält er Post von Schauspielerin Ulrike Bliefert: "Kein Schmu: So wohl habe ich mich noch bei keinem Festival gefühlt!"
"Toll", "ein schöner Abend", "wir sehen uns!" - Das hörte man oft bei Tatort Eifel. Und was hinter den Kulissen verhandelt und besprochen wurde, das sieht man demnächst irgendwo im deutschen Fernsehen. Vielleicht ja sogar den "Roland": Die Gewinner des Krimipreises, die Teams von "Mord mit Aussicht" und vom "Tatort München" haben angekündigt, die Statue irgendwo in ihren Kulissen zu platzieren.
Zahlen und Fakten

Mehr als 30 Termine im Rahmenprogramm, dazu die Angebote für die Fachbesucher mit fünf Wettbewerben und 20 Vorträgen, Podiumsrunden, Werkstattgesprächen - das war Tatort Eifel 2011. Zu den Publikumsveranstaltungen kamen 6000 Besucher, so viele wie 2009, im Fachprogramm akkreditierten sich 150 Teilnehmer. Das Niveau wurde gehalten - "mehr geht nicht in einer Woche", sagt Festivalchef Heinz-Peter Hoffmann. Klar könne man die Zahlen noch steigern, indem man vielleicht noch ein Konzert, noch eine Lesung anbiete. Aber der eigentliche Sinn des Festivals liege nicht in den Zahlen, sondern in der Qualität und der Wirkung nach außen. Und die sei, auch nach vielen Berichten in regionalen und bundesweiten Medien, erzielt worden. fpl