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Warum der Kreis Cochem-Zell Glasfaser legt

Die dünn besiedelte Region Cochem-Zell soll von kommunaler Seite aus flächendeckend durch Glasfaseranschluss mit Internet versorgt werden. Das klingt nach einem Mammutprojekt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Kabelverlegung pro Meter mindestens 50 Euro kostet.

18.02.2011
Von unserer Mitarbeiterin Dorothea Müth
Cochem-Zell. Zwischen Kalenborn und Sosberg, Beuren und Möntenich wäre ein Netz von 273 Kilometern Länge zu spannen, damit alle rund 33 000 Haushalte verbunden sind. Und pro Haushalt fielen im Schnitt rund 8,3 Meter an. Trotz dieser Dimensionen haben sich Kreis und Verbandsgemeinden (VG) entschieden, dieses Projekt zu verwirklichen.
 
Wer baut das Glasfasernetz?
 
Bauherr wird eine Infrastrukturgesellschaft sein, der Landkreis, Verbandsgemeinden, der Saarlouiser Internetdienstleister Inexio sowie der Energiekonzern RWE angehören. Auf praktischer Seite soll Inexio den Ausbau realisieren. Mit der Partnerfirma Even IT hatte Inexio bei einer öffentlichen Ausschreibung gegen zwei weitere Bewerber das Rennen gemacht: Inexios Bestandsaufnahme der Internetsituation, verbunden mit der Kostenkalkulation eines Glasfasernetzes, und vor allem Inexios Realisierungsplan haben die Kommune am meisten überzeugt, sagt Landrat Manfred Schnur.
 
Warum Glasfaser und nicht Funk oder ein Technologiemix?
 
Auf Rat der Landeskompetenzstelle Breitband hin war eine Downloadgeschwindigkeit von 16 Megabit pro Sekunde (MBit/s) Mindestanforderung. "Die Funkanbieter hätten ein Konzept einreichen können - haben sie aber leider nicht", sagt Schnur. Während die Funktechnik nicht mehr als 16 MBit/s hergibt, ist Glasfaser potenziell unbegrenzt. Auch wenn Glasfaser sich bei wenigen Kunden "nicht rechnet", will der Landrat "keine Minderversorgung der Dörfer."
 
Wie viel kostet der Ausbau und wer bezahlt ihn?
 
Zu investieren sind nach derzeitigem Stand rund 17 Millionen Euro. Die Hälfte ist so gut wie gesichert: Je zehn Prozent der Summe übernehmen die Kommune (Kreis und VG) und RWE, 20 Prozent trägt Inexio. "Die feste Zusage eines Privatinvestors haben wir schon", ergänzt Schnur. Und er ist zuversichtlich, dass der Anteil der Privateinlagen auf bis zu 20 Prozent wächst - eventuell sogar mit einem "Bürgerblock". Dann wird der Rest vermutlich nicht mehr schwer zu stellen sein: Regionalbanken sollen ihn mit Krediten füllen. Die Investitions- und Strukturbank des Landes hat eine Bürgschaft in Aussicht gestellt.
 
Wie ist der Zeitplan?
 
Sobald die Infrastrukturgesellschaft (laut Plan: im April) gegründet ist, kann es losgehen. Die Maßgabe für Inexio: Ausbau binnen zwei Jahren, also bis 2013. Schnur: "Er wird von den großen Adern, der A 48, A 61 und B 49, aus beginnen."
 
Was kostet es für die Verbraucher?
 
Kunden werden den "marktüblichen Preis" fürs schnelle Internet zahlen, sagt Schnur. Anbieter wie Telekom, 1&1, aber auch Inexio können das Glasfasernetz von der Infrastrukturgesellschaft mieten und schließen die einzelne Wohnung an den Verteilkasten an.
 
Warum ist RWE mit im Boot?
 
Bei der Glasfaserverkabelung werden schon verlegte Leerrohre von RWE genutzt. "Dadurch sparen wir 1,7 Millionen Euro", erklärt Schnur. Auch die Kommune bringt Leerrohre mit ein. Außerdem erhöht sich die Kreditwürdigkeit des Bauherrn mit diesem Eigenanteil. Entsprechend der Einlagen erhalten alle Gesellschafter dann auch eine Gewinnbeteiligung.

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