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„Es bleibt friedlich, so haben wir uns das gewünscht“ - Die Wahlkampfveranstaltung der AfD im Gerolstein

(Gerolstein) Ein buntes Bündnis aus Parteien und Bürgern hat gegen die Wahlkampfveranstaltung der AfD im Gerolsteiner Rondell protestiert. Dossier zum Thema: Bundestagswahl 2017

06.08.2017
Vladi Nowakowski
Richtig laut wird es am Freitagabend in Gerolstein erst, als die Jugendorganisation der Partei die Linke spontan dazu aufruft, zum Bahnhof zu marschieren, um dort AfD-Mitglieder zu empfangen, die mit dem Zug anreisen. Ganz kurz wirken auch die vielen Polizisten nervös, die um das Rondell herum eingesetzt sind. Doch das mit roten Fahnen und Trillerpfeifen ausgestattete „Empfangskommando“ macht zwar mächtig Lärm, bleibt aber friedlich.

Der größte Teil der etwa 400 Menschen, die an der als Stadt-Picknick deklarierten Kundgebung teilnehmen, hält sich daran, was die Organisatoren der Veranstaltung als Tagesziel ausgerufen haben: Der AfD zu zeigen, dass die Eifel bunt bleibt und ihre Einwohner sich ein friedliches Miteinander wünschen. An den langen Tischen, die auf dem Parkplatz vor dem Rondell stehen, ähnelt das Angebot der Speisen entsprechend einer kulinarischen Weltreise. Neben Kartoffelsalat und Würstchen liegen Pita und Falafeln auf den Tellern – und auch die Musik auf der kleinen Bühne kommt aus allen Winkeln dieser Erde: arabische Töne, New Orleans-Jazz, aktuelle Rockmusik und Protestsongs. „Zu solch einem Anlass spielen wir selbstverständlich gerne“, sagt Peter Sodermanns von der Gerolsteiner „Slaughterhouse Jazz Band“.

Doch eine Volksfeststimmung kommt nicht auf, dafür ist der Anlass den Teilnehmern des Stadt-Picknicks zu ernst. „Es ist alles gut, es bleibt friedlich. So haben wir uns das gewünscht“, sagt Jens Jenssen (SPD), einer von vielen Mitgliedern des Kreistags, die parteiübergreifend Haltung gegen die AfD zeigen. „Es ist wichtig, dass alle demokratischen Parteien heute anwesend sind. Selbst die, die sich früher geziert haben, etwas gegen diesen faschistoiden Haufen zu unternehmen“, sagt Kabarettist und Journalist Hubert vom Venn. Unter den bekannten Gesichtern ist auch Landrat Heinz-Peter Thiel, der entspannt mit den Polizeibeamten plaudert, einige Tische weiter sitzt sein Vorgänger Heinz Onnertz.

Bei den AfD-Mitgliedern, die zur Wahlkampfveranstaltung kommen, fällt ein älterer Mann auf, der mit Konfetti um sich wirft, als er die Treppe zur Stadthalle erklimmt. „Ich will nur zeigen, dass wir in der AfD auch Menschen sind“, erklärt Hans Lamberti aus Trier seine Geste, die die Demonstranten vor dem Rondell als Verhöhnung sehen. „Schauen sie sich doch den Haufen an“, sagt Lamberti und weist auf eine Gruppe, die Protest-Plakate trägt. „Die leben vom Staat und machen ihn gleichzeitig schlecht, die beißen die Hand, die sie füttert.“ Das seien diejenigen, die „unsere Häuser anstecken und unsere Politiker verprügeln“, sagt ein Mann mit AfD-Anstecker. „Und nichts davon kommt in der Presse.“ Die Hefte, die er verteilt, tragen den Titel „Genosse M. Schulz, der rote Raffzahn“. Von der hochgelegenen Terrasse des Rondells aus und geschützt von der Polizei, wirkt die Veranstaltung auf dem Parkplatz wie eine Burgbelagerung.

Einige der Anwesenden lachen über die Kunstaktion auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „Geht doch Bäume umarmen“, ist zu hören. In der Stadthalle läuft das Programm unbeeindruckt von den Protesten ab. Unter anderem sprechen Uwe Junge, Beatrix von Storch und Alice Weidel vor den rund 150 Parteimitgliedern, die nach Gerolstein gekommen sind. „Die Gerolsteiner haben sich auch nicht durch linke Tricks davon abhalten lassen, uns die Halle zu vermieten“, sagt Horst Dickelbach, Vorsitzender der AfD-Vulkaneifel in seiner kurzen Ansprache. Draußen vor dem Rondell kommen zum Abend immer mehr Menschen zusammen, die friedlich demonstrieren wollen. Von Aggression gibt es hier keine Spur, eher lösen AfD-Wahlkampfaussagen wie: „Hol dir dein Land zurück“, Kopfschütteln aus.