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Heilig-Rock-Wallfahrt: Ein Fest des Glaubens geht zu Ende

(Trier) Der Heilige Rock ist wieder verhüllt. Heute wird er wieder in der Heilig-Rock-Kapelle des Trierer Doms eingeschlossen. 550 000 Pilger haben seit dem 13. April die Reliquie besucht.
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Trier. Vor dem Dom ertönt ein Hallelujah, am Dommuseum "Großer Gott wir loben dich", auf dem Hauptmarkt swingen die Free Voices aus Schillingen, in der Fleischstraße rocken Straßenmusikanten. Ein letztes Mal geht die multinational besetzte Polizeistreife durch die Stadt, ein letztes Mal werden hinter dem Dom Wallfahrtsandenken - ohne Schlussverkaufsrabatt - unters Volk gebracht. Ein letztes Mal haben die Bettler ihre Standorte vor dem Dom mit dem Seiteneingang getauscht - die Silberlinge klingeln tüchtig im Körbchen. Petrus hat der Wallfahrt einen sonnigen Abschlusstag spendiert - angesichts der überwiegend verregneten vier Wochen ist dies auch das Mindeste, was man vom Trierer Stadtpatron erwarten durfte.

Zehn Minuten bis zur Reliquie


Die Stadt ist zwar voller Menschen, doch auch auf den letzten Drücker lässt sich der Rock bequem besuchen, ehe er nach der feierlichen Vesper mit Bischof Stephan Ackermann am Abend in seinem Schrein verhüllt wird. Günter Wand aus Rödersheim in der Pfalz, eigentlich mit seiner Familie als Tourist in der Stadt, kann die Reliquie nach zehnminütigem Anstehen besichtigen und ist "beeindruckt". Das ist auch der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, einer der rund 25 000 Pilger am Sonntag. Im Gottesdienst im Trierer Dom nennt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz die Wallfahrt ein "eindrucksvolles Fest des Glaubens". "Was hat eine vergleichbare Anziehungskraft für Jung und Alt?", fragt Zollitsch und vergleicht die Wallfahrt mit einem langen Weltjugendtag, "getragen von Begeisterung für den Glauben, von Lebendigkeit und Freude".
Dass viele Menschen die Wallfahrt bewegt hat, zeigt sich bei der TV-Diskussion zum Thema Pilgern am Sonntag. Waltraud Maurer, die aus dem saarländischen Hülsweiler mit ihrer Schwester vier Tage zu Fuß nach Trier gepilgert ist und anschließend als Wallfahrtshelferin anheuerte, treten die Tränen in die Augen, als sie von den vielen Begegnungen berichtet. "Die Wallfahrt hat mein Leben verändert", sagt sie. Reiner Strauss, Teamleiter in der Pilgeroase, und Karin Müller-Bauer, Pilger-Referentin beim Bistum Trier, blicken nach vier Wochen wehmütig auf das Ende der Wallfahrt.

Pilger begeistert von der Stadt


Interessiert folgen die Zuhörer den Erlebnissen von Christian Firsching. Der 25-jährige Lehramtsstudent aus Bamberg ist seit zwei Wochen auf dem Weg nach Santiago de Compostela, hat sich schon Blasen gelaufen und eher zufällig den Heiligen Rock besucht. Von den Menschen, die ihn empfangen haben, und von der Stadt Trier ist er restlos begeistert. Und verspricht: "Wenn der Rock das nächste Mal gezeigt wird, dann komme ich wieder und helfe eine Woche in der Pilgeroase mit."

Ackermann: "Ein Fest des Glaubens"

Am Samstag und Sonntag waren noch einmal rund 50.000 Pilger in die Stadt gekommen. Zeitweise bildeten sich lange Schlangen vor dem Dom, zeitweise war es aber auch möglich, den Rock nach nur wenigen Minuten Wartezeit zu besichtigen.

Am heutigen Montag wird die verhüllte Reliquie wieder in die Kapelle im Dom gebracht, wo sie für die Öffentlichkeit normalerweise nicht sichtbar ist. Wann es die nächste Wallfahrt gibt, steht noch nicht fest. Beobachter rechnen aber nicht damit, dass sie vor 2030 noch einmal zu sehen sein wird.

Besonderer Gast war am Sonntag der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Bischof Stephan Ackermann dankte Zollitsch für seinen Besuch. Dadurch erfahre die Wallfahrt noch einmal eine besondere Aufwertung. Gleichzeitig erinnerte Ackermann an den am kommenden Mittwoch beginnenden Katholikentag in Mannheim, bei dem Zollitsch dann der Gastgeber sei.

„Es ist nicht selbstverständlich, dass sich so viele Menschen auf den Weg machen, aber wir wissen, wohin unser Weg uns führt: zu Jesus Christus“, sagte Zollitsch zur Begrüßung. In seiner Predigt sprach der Erzbischof von einem „eindrucksvollen Fest des Glaubens“, das die Pilger in den vergangenen Wochen in Trier gefeiert hätten.

Allein die große Zahl an Gläubigen, die den Heiligen Rock gesehen hätten, sei beeindruckend: „Zu welchen Anlässen kommen sonst in unserem Land so viele Menschen zusammen? Was hat eine vergleichbare Anziehungskraft für Jung und Alt?“, fragte Zollitsch. Er verglich die Heilig-Rock-Wallfahrt mit einem langen Weltjugendtag, „getragen von Begeisterung für den Glauben, von Lebendigkeit und Freude“. Am Ende der Wallfahrt stelle sich die Frage, was die Pilger von der Begegnung mit dem Heiligen Rock in den Alltag mitnähmen: „Die Wallfahrt ist mehr als ein Event, das morgen schon wieder von einem neuen Ereignis abgelöst wird“, sagte Zollitsch. Im Heiligen Rock werde geradezu handgreiflich, dass Gott nicht nur als eine Idee existiere, sondern „dass Gott Mensch geworden ist, als Mensch für uns Menschen gelebt hat, ja sogar für uns gestorben ist“.

Bischof Stephan Ackermann würdigte bei der Vesper am Abend die Wallfahrt als Fest des Glaubens. "Die Tunika hat uns an den Anfang unseres Glaubens zurückgeführt, zu Jesus Christus", sagte Ackermann. "Die Pilger durften erfahren: Ich stehe mit meinem Glauben nicht allein, ich befinde mich in einer großen Gemeinschaft", so der Bischof. Er sei den anderen Konfessionen dankbar, die die Wallfahrt mitgestaltet hätten. "Gäste sind ein Segen", sagte der Bischof. Die Wallfahrt habe viele Menschen zusammengeführt. "Vielfältige Fäden sind geknüpft, wir sollten sie nicht abreissen lassen."

Ackermann rief die Gläubigen auf, ihm und Wallfahrtsleiter Georg Bätzing Erfahrungen von der Wallfahrt mitzuteilen, damit diese im Glaubensalltag nicht verloren gingen. "Schreiben Sie uns von den geistigen Früchten, die sie geerntet haben. Kehren wir morgen nicht einfach zur Tagesordnung zurück!"


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