Zehn Minuten bis zur Reliquie
Pilger begeistert von der Stadt
Ackermann: "Ein Fest des Glaubens"
Am Samstag und Sonntag waren noch einmal rund 50.000 Pilger in die Stadt gekommen. Zeitweise bildeten sich lange Schlangen vor dem Dom, zeitweise war es aber auch möglich, den Rock nach nur wenigen Minuten Wartezeit zu besichtigen.
Am heutigen Montag wird die verhüllte Reliquie wieder in die Kapelle im Dom gebracht, wo sie für die Öffentlichkeit normalerweise nicht sichtbar ist. Wann es die nächste Wallfahrt gibt, steht noch nicht fest. Beobachter rechnen aber nicht damit, dass sie vor 2030 noch einmal zu sehen sein wird.
Besonderer Gast war am Sonntag der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Bischof Stephan Ackermann dankte Zollitsch für seinen Besuch. Dadurch erfahre die Wallfahrt noch einmal eine besondere Aufwertung. Gleichzeitig erinnerte Ackermann an den am kommenden Mittwoch beginnenden Katholikentag in Mannheim, bei dem Zollitsch dann der Gastgeber sei.
„Es ist nicht selbstverständlich, dass sich so viele Menschen auf den Weg machen, aber wir wissen, wohin unser Weg uns führt: zu Jesus Christus“, sagte Zollitsch zur Begrüßung. In seiner Predigt sprach der Erzbischof von einem „eindrucksvollen Fest des Glaubens“, das die Pilger in den vergangenen Wochen in Trier gefeiert hätten.
Allein die große Zahl an Gläubigen, die den Heiligen Rock gesehen hätten, sei beeindruckend: „Zu welchen Anlässen kommen sonst in unserem Land so viele Menschen zusammen? Was hat eine vergleichbare Anziehungskraft für Jung und Alt?“, fragte Zollitsch. Er verglich die Heilig-Rock-Wallfahrt mit einem langen Weltjugendtag, „getragen von Begeisterung für den Glauben, von Lebendigkeit und Freude“. Am Ende der Wallfahrt stelle sich die Frage, was die Pilger von der Begegnung mit dem Heiligen Rock in den Alltag mitnähmen: „Die Wallfahrt ist mehr als ein Event, das morgen schon wieder von einem neuen Ereignis abgelöst wird“, sagte Zollitsch. Im Heiligen Rock werde geradezu handgreiflich, dass Gott nicht nur als eine Idee existiere, sondern „dass Gott Mensch geworden ist, als Mensch für uns Menschen gelebt hat, ja sogar für uns gestorben ist“.
Bischof Stephan Ackermann würdigte bei der Vesper am Abend die Wallfahrt als Fest des Glaubens. "Die Tunika hat uns an den Anfang unseres Glaubens zurückgeführt, zu Jesus Christus", sagte Ackermann. "Die Pilger durften erfahren: Ich stehe mit meinem Glauben nicht allein, ich befinde mich in einer großen Gemeinschaft", so der Bischof. Er sei den anderen Konfessionen dankbar, die die Wallfahrt mitgestaltet hätten. "Gäste sind ein Segen", sagte der Bischof. Die Wallfahrt habe viele Menschen zusammengeführt. "Vielfältige Fäden sind geknüpft, wir sollten sie nicht abreissen lassen."
Ackermann rief die Gläubigen auf, ihm und Wallfahrtsleiter Georg Bätzing Erfahrungen von der Wallfahrt mitzuteilen, damit diese im Glaubensalltag nicht verloren gingen. "Schreiben Sie uns von den geistigen Früchten, die sie geerntet haben. Kehren wir morgen nicht einfach zur Tagesordnung zurück!"
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