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"Unbezahlbare Mundpropaganda"

Die Wallfahrt lockt bis zum Wochenende wohl rund 500 000 Pilger in die Stadt. Touristengruppen haben dafür in den vergangenen Wochen unter der üblichen Zahl gelegen. Über die Auswirkungen hat TV-Redakteurin Christiane Wolff mit Triers Tourismuschef Hans-Albert Becker gesprochen.
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Herr Becker, wie oft mussten Sie eigentlich in den vergangenen dreieinhalb Wochen Pilger, die bei Ihnen nach einem Hotelzimmer gefragt haben, enttäuschen, weil alles ausgebucht war?
Hans-Albert Becker: Gar nicht oft - bei Einzelreisenden, Paaren oder kleinen Gruppen gab es kaum Probleme, da haben wir immer noch was finden können, entweder in Trier oder im Umland. Nur bei größeren Gruppen gab es Schwierigkeiten bei kurzfristigen Anfragen. Aber die allermeisten Pilger kamen ohnehin als Tagestouristen und haben nicht hier übernachtet.

Welche Erwartungen hatten die Hotels denn an die Wallfahrt?
Becker: Die Nachfrage war so, wie wir uns das vorher gedacht hatten. Es gab keine großen Leerstände, aber auch keine Überbuchung. Allerdings wären die Hotels wohl auch ohne die Wallfahrt ähnlich gut gebucht gewesen, es ist schließlich Saison. Die Zahl der Touristen, die wegen der Wallfahrt aus Angst vor dem Trubel und Andrang nicht nach Trier gekommen sind, ist ausgeglichen worden durch die Pilger, die hier übernachtet haben.

Hat denn die Gastronomie von der Wallfahrt profitiert?
Becker: Mit Sicherheit - davon konnte man sich täglich auf den Terrassen und in den Innenräumen der Restaurants, Cafés und Imbisse im weiteren Umfeld von Dom und Hauptmarkt überzeugen. Denn auch,wenn die Pilger größtenteils nicht hier übernachtet haben: Gegessen und getrunken haben sie!

Haben Hotellerie und Gastronomie eigentlich ihre Preise während der Wallfahrt angehoben - so wie das in Messestädten zum Beispiel während Ausstellungen üblich ist?
Becker: Nein, das haben wir überhaupt nicht feststellen können. Die Betriebe haben das eine oder andere spezielle Wallfahrtprodukt mit in ihre Karte oder ihr Angebot aufgenommen - aber überhöhte Preise gibt es nicht.

Was ist denn aus wirtschaftlicher Sicht der Unterschied zwischen Pilgern und Touristen?
Becker: Für die Pilger steht im Zentrum ihres Trierbesuchs natürlich der Heilige Rock. Die meisten haben nicht noch groß eingekauft oder sich die Sehenswürdigkeiten der Stadt angesehen. Unsere Schauspielführungen in Amphitheater, Kaiserthermen und der Porta Nigra sind zum Beispiel seit Beginn der Wallfahrt deutlich weniger oft gebucht worden als üblich. Das zeigt, dass zurzeit weniger reine Touristengruppen nach Trier kommen.

Kommen denn die Pilger als Touristen wieder?
Becker: Ja, ich bin mir sicher, dass das viele tun werden. Trier hat während der Wallfahrt einen guten Eindruck gemacht: Alles war bestens organisiert, es gab kein Chaos, die Stimmung in der Stadt war sehr gut und freundlich. Das werden viele als gute Erinnerung mit nach Hause nehmen. Und wenn jeder der 500 000 Pilger daheim dann noch mal zehn Freunden von seinem Besuch bei uns vorschwärmt, dann ist das eine Mundpropaganda für unsere Stadt, die unbezahlbar ist.

Die Presseresonanz bundes- und weltweit ist auf jeden Fall schon mal größer, als das Bistum sich das erhofft hat.
Becker: Das ist ein weiterer unschätzbar wertvoller Effekt für Trier als Touristen- und Einkaufsstadt. Trier war mit Berichten und schönen Bildern in Tagesschau und Tagesthemen. Die Millionen Zuschauer, die das gesehen haben, hätten wir ohne die Wallfahrt nie in der Form erreichen können.

Wenn man Sie so hört, könnte man meinen, Sie wünschen sich möglichst schnell die nächste Heilig-Rock-Wallfahrt.
Becker: Naja, zu oft macht das natürlich auch keinen Sinn - dann würde sich die Sache totlaufen. Außerdem entscheidet das ja auch der Bischof nach ganz anderen Kriterien. Aber aus Sicht der Tourist-Information könnte die Wallfahrt schon so im 15- oder 20-Jahre-Rhythmus stattfinden.


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