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Lucky erklärt den Heiligen Rock: Ein T-Shirt mit Geschichte

(Trier) Der Heilige Rock wird im Trierer Dom aufbewahrt. Jesus soll ihn angehabt haben, als er starb, hat Lucky erfahren. Nun kann er, erstmals nach 16 Jahren, wieder angeschaut werden. Lucky, die Leseratte, hat sich deshalb umgehört, was der Heilige Rock ist und warum er für die Gläubigen so interessant ist.
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Irgendwie sieht er ja ganz modern aus. Dabei soll er mehr als 2000 Jahre alt sein. Gesehen hat die Leseratte den Heiligen Rock nur auf Fotos, deshalb lässt er sich ihn von Hans-Werner Tonner beschreiben. Der 50-Jährige ist Koordinator der Freiwilligendienste bei der Heilig-Rock-Wallfahrt vom 13. April bis 13. Mai in Trier.

„Der Heilige Rock hat T-Shirt-Form – die ist heute noch sehr gängig.“ Die Reliquie, also die Überreste des Gewands Jesu, sei nicht sichtbar, sondern nur eine Schutzhülle aus Stoff, sagt Tonner. Und selbst die sei kaum mehr als solche zu erkennen, weil sie im Laufe der Jahrhunderte mit verschiedenen Materialien immer wieder ausgebessert worden sei. 
 
Dass der Heilige Rock erdfarben sein soll, findet Lucky verwirrend. Schließlich hat Jesus auf allen Bildern ein weißes Gewand an. Die dunkle Farbe habe mit den Konservierungsstoffen zu tun, die die Stoffhülle haltbar machen sollen, sagt Tonner. Diese Hülle beherberge in der Mitte der verschiedenen Stoffschichten ein Stück verfilzten Wollstoff, dessen Alter durchaus bis ins erste Jahrhundert zurückreichen könnte. 
 
„Hat denn Jesus diese Wolltunika wirklich getragen?“, will Lucky wissen. „Es gibt Menschen, die glauben fest daran“, sagt Tonner, „aber es lässt sich wissenschaftlich nicht mehr klären. In der Glaubenstradition jedoch ist der Heilige Rock ein Zeichen von Jesus Christus.“ 
 
Und für die Trierer Kirche sei sie die bedeutendste Reliquie, zu der seit 500 Jahren Gläubige pilgern. „Die Wallfahrten sind ein Grund zusammenzukommen, den Glauben zu leben, Hoffnung zu gewinnen.“ 
 
Das Gewand wird in einer speziellen Holzkiste aufbewahrt und liegt seit der Domrenovierung 1974 in einer Glaspyramide in der Heilig-Rock-Kapelle. Diese war an den Bistumsfesten, den sogenannten Heilig-Rock-Tagen, geöffnet, die jährlich seit der letzten Wallfahrt 1996 stattfanden. Die Reliquie selbst jedoch war nicht zu sehen. „Sie ist 2000 Jahre alt“, sagt Tonner. „Sie häufig zu zeigen, würde sie zu sehr beanspruchen.“ Daher werde sie nur zu besonderen Anlässen im Rahmen einer Wallfahrt gezeigt. So ein Jahr sei jetzt, 2012. Denn nun sei es genau 500 Jahre her, dass Kaiser Maximilian (1493-1519) zum Reichstag nach Trier kam und das Gewand sehen wollte.
 
Mehr als 500 000 Pilger, also Gläubige, die wegen des Heiligen Rocks nach Trier fahren oder gehen, erwartet das Bistum Trier vom 13. April bis 13. Mai. Sie können das kostbare Gewand in einem Zedernschrein, einer Holzkiste in Tropfenform, in der Dom-Mitte betrachten. Lucky vermutet, dass sich riesig lange Menschenschlangen vor der Reliquie bilden. Doch die Leseratte freut sich schon. Endlich kann sie den Heiligen Rock, der so eine spannende Geschichte hat, sehen.

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