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Ciao! Ist der Papa da?

O menno. Ich will nicht. Ich bin seriös. Ich kann doch nicht im Vatikan anrufen und Blödsinn fragen! Dummerweise sehen meine Kollegen das anders. Sie sagen: Du hast es versprochen. Du musst!
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 Und außerdem müsse ich auch fragen, ob diese roten Schühchen von Prada sind, befiehlt meine Kollegin Birgit und erwartet, dass ich, wenn schon nicht mit dem Papst, dann zumindest mit diesem George Clooney vom Vatikan rede.

Es interessiert sie gar nicht, dass ich nicht auf Clooney stehe und der Typ sich außerdem dem Zölibat verdingst hat. Und es hilft auch nix, dass ich von all den Anekdötchen erzählte, die ich bis Samstag noch unterbringen muss.

Wie das von meiner Kollegin Ariane, die von einem Italiener gefragt wurde: "Entschuldigunggg, können sie mirr sagen, wo ist, wie sagt man, Klamotten von Jesus?" Aber neee. Ich muss ja beim Papst anrufen. Unwillig gehe ich auf die Homepage (www.vatican.va - va!!). Der Papst streckt mir fröhlich grüßend die Hände entgegen. Das finde ich nett.

Also rufe ich todesmutig im Pressebüro an. Tuut. "Pronto", sagt ein Mann, der nicht so klingt, als könne er deutsch. In meinem besten Italienisch erkläre ich ihm, dass ich gerne wüsste, warum "il Papa" nicht in Trier ist. Er verbindet mich daraufhin zur Spezialistin für Trierfragen. "Pronto?", sagt sie. Den Papst selbst kann ich leider nicht sprechen. Denn der nehme gerade in seinen Gemächern das Mittagessen ein, erklärt mir die Dame. Wenn ich Papst wäre, würde ich das um 13 Uhr auch machen. Nach Clooney frage ich nicht. Aus Protest.

Also versuche ich ihr zu erklären, was Trier ist und dass da ja gerade … Doch sie fällt mir ins Wort. Dass in Treveri gerade die "Santa Tunica" zu sehen ist, weiß doch jeder. Ja, und warum ist der Papst dann nicht gekommen? In einem feurig italienischen Redeschwall erfahre ich, dass der Papst erstens sehr viele Einladungen bekommt, zweitens vergangenes Jahr erst in Deutschland war (Johannes Paul II. sei ja auch nicht ständig nach Polen gereist) und der Papst drittens 85 Jahre alt sei. Oje, ja geht es ihm denn nicht gut, frage ich. Doch, es gehe ihm gut. Er sei halt einfach nur 85.

Gut, denke ich, während die Dame immer genervter klingt - und jetzt die Schühchen. "Ich hätte da noch eine komische Frage", sage ich und stelle sie. Kurz ist es still. Dann folgt ein Redeschwall, der so genervt klingt, dass ich annehme, dass ich nicht die Erste bin, die diese blöde Frage stellt. "Unsinn, großer Unsinn!", ruft sie, und ich beschließe, mir die Leserfrage, wie der Papst nur so patriarchalisch wurde, für die nächste Heilig-Rock-Wallfahrt aufzuheben. Vielleicht ist er bis dahin ja eine Frau. Dann muss ich nicht. Das wäre doch schön.

In ihrer Kolumne "Trier rockt" macht sich unsere Redakteurin so ihre Gedanken über die Heilig-Rock-Wallfahrt. Mehr zur Heilig-Rock-Wallfahrt finden Sie auch im Internet unter www.volksfreund.de/heiligrock

 


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