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Bei Rotmilan und Storch lassen sie nicht locker

Windkraftkritiker im Hochwald fordern VG Hermeskeil auf, jetzt nach Horsten und Brutplätzen zu suchen

(Hermeskeil) Der Schutz von Rotmilan und Schwarzstorch ist bei der Windkraftplanung der Verbandsgemeinde Hermeskeil bislang zu kurz gekommen. So sieht es die Interessengemeinschaft Rettet den Hochwald. Da die Vögel nun aus dem Süden zurückkehren, fordert sie die VG auf, gezielt nach Horsten zu suchen und Schutzabstände auszuweisen. Der VG-Rat will allerdings schon am Donnerstag seine Planung weiter festzurren.

11.03.2016
Christa Weber
Hermeskeil. Die Verbandsgemeinde Hermeskeil wähnt sich bei der Windkraftplanung auf der Zielgeraden. In diesem Jahr soll der neue Flächennutzungsplan verabschiedet werden, der regelt, wo sich in der Verbandsgemeinde (VG) künftig Windräder drehen dürfen. Seit kurzem liegt ein Gutachten vor, mit dem die VG prüfen ließ, ob sich Anlagen auf den geplanten Flächen negativ auf das Landschaftsbild auswirken könnten. Das Fazit der Gutachter: Um Störungen zu vermeiden, sollten Flächen für etwa zehn Räder gestrichen werden (der TV berichtete am 6. Februar).

Die Kritik: Der Interessengemeinschaft (IG) Rettet den Hochwald geht das nicht weit genug. Aus Sicht der Windkraftkritiker hat die Verbandsgemeinde aber nicht nur beim Landschaftsbild nachzubessern, erklärt IG-Sprecher Karl Diller. Auch beim Schutz von Rotmilan und Schwarzstorch gebe es "Mängel zu beseitigen". Um die streng geschützten Vögel von den Windrad-Rotoren fernzuhalten, gelten Schutzabstände. Die VG Hermeskeil habe das Vorkommen der Vögel auf ihrem Gebiet aber bislang weitgehend "missachtet", kritisiert Diller.

Der Zeitpunkt: Diese Kritik ist nicht neu. Dass die IG sie jetzt erneut vorbringt, liegt an der in diesen Tagen erwarteten Rückkehr der Zugvögel aus Südeuropa. Laut Diller ist jetzt der "ideale Zeitpunkt", um nach Horsten und Brutplätzen zu suchen. "Die Verbandsgemeinde könnte nun das Versäumte nachholen." Er habe im Sommer 2015 das ornitologische Fachgutachten zum geplanten Windpark Hochwald bei Reinsfeld, Gusenburg und Grimburg eingesehen, sagt Diller. Darin habe das beauftragte Büro das Vorkommen von Rotmilan und Schwarzstorch ausgewertet. "Es wurden angeblich nur Rastplätze entdeckt, keine Brutplätze." Untersucht worden sei aber 2012 "nur an einem einzigen Tag - das reicht bei einem so großen Gebiet nicht aus".

Die Vorgeschichte: Die IG habe deshalb selbst nach Rotmilan-Horsten gesucht - und im Frühjahr 2015 ein Vogelpaar mit Nachwuchs im südlichen VG-Gebiet fotografiert. Auch den Schwarzstorch habe man dort "im Flug beobachtet". Von diesen Sichtungen habe man der unteren Naturschutzbehörde beim Kreis Trier-Saarburg berichtet, die als zuständige Fachbehörde zu den Windkraftplänen der VG Hermeskeil gehört werden muss. Die Behörde habe "Nachbesserungen" durch das Fachbüro verlangt. In der VG-Ratssitzung im Oktober, als über alle Einwände zum öffentlich ausgelegten Plan beraten wurde, sei dies aber abgelehnt worden. Eine IG-Vertreterin habe deshalb im Herbst erneut nach Rotmilan-Horsten gesucht und laut Diller "mindestens einen" entdeckt. Zusätzlich habe ein Büro auf der Mehringer Höhe Horste von Rotmilan und Schwarzstorch kartiert. Dies sei in die Flächennutzungsplanung der VG Schweich, nicht aber der VG Hermeskeil eingeflossen, bemängelt Diller.

Brief an den Landrat: Im Auftrag der Interessengemeinschaft hat sich der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete per Brief an Landrat Günther Schartz gewandt. Er bittet darum, dass der Kreis gegenüber der VG auf Ausweisung von Schutzradien um die Horste besteht, für die die IG notfalls selbst den Nachweis erbringen möchte: "Wenn die Verwaltung nichts macht, dann gehen wir los." Würden Horste bezogen, bedeute dies "erhebliche Schutzabstände" - und damit auch Auswirkungen auf die VG-Windkraftpläne, weiß Diller. Beim Schwarzstorch gilt ein Schutzradius von drei Kilometern, beim Rotmilan einer von anderthalb Kilometern.

Das sagt der Kreis: Der Kreis teilt auf TV-Anfrage mit, dass der unteren Naturschutzbehörde das Gutachten zum Rotmilan-Vorkommen erst seit kurzem vorliege. Die Behörde habe 2015 nur die Hinweise der IG an die Verbandsgemeinde weitergeleitet und darum gebeten, dass diese "entsprechend ausgewertet und bewertet werden". Die VG Hermeskeil habe "keine Verpflichtung zur ergänzenden Horst-/Brutplatzsuche gesehen", da lediglich "Flugbewegungen von Rotmilan und Schwarzstorch" festgestellt wurden. Die Behörde prüfe das Gutachten nun "zeitnah" darauf, ob ein "Nachbesserungsbedarf naturschutzfachlich erforderlich" sei. Der Kreis teilt auch mit: Sollte die IG Rettet den Hochwald "konkrete Horst- oder Brutplätze" benennen, werde man die VG Hermeskeil auffordern, prüfen zu lassen, "ob deren Existenz planungsrelevante Auswirkungen haben könnte".

Das sagt der VG-Chef: Michael Hülpes, Bürgermeister der VG Hermeskeil, möchte sich dazu nicht näher äußern. Der Flächennutzungsplan werde am 17. März im Verbandsgemeinderat diskutiert, dem wolle er nicht vorgreifen, sagt Hülpes und fügt dann doch hinzu: "Die Aussagen der IG Rettet den Hochwald, dass wir nicht ausreichend geprüft hätten, sind nicht richtig." Im Übrigen könne die IG ihre Einwände bei der nächsten Planoffenlage einbringen.

Reaktion der IG: "Dann ist es für die nötigen Untersuchungen zu spät. Wir werden jetzt handeln", stellt Karl Diller klar. Man werde sich das Brüten der Vögel "duch einen ausgewiesenen Fachmann" bestätigen lassen. Der VG-Rat stehe vor der Alternative, seine Abstimmung bis nach der Brutzeit zu verschieben "oder zu riskieren, dass wir die dann gefundenen Beweise in einem Rechtsstreitverfahren vortragen werden".

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