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Betriebsversammlung in Mandern: Bilstein-Mitarbeiter bangen um ihr Werk

(Mandern) Beschäftigte des Manderner Bilstein-Werks haben am Mittwoch bei einer Betriebsversammlung erfahren, das ihr Werk bis 2020 Teile der Produktion nach Osteuropa abgeben soll. Die Gewerkschaft IG Metall fürchtet, dass bis dahin knapp 600 Jobs wegfallen. Beim Unternehmen heißt es, die Produktionsverlagerung solle den Standort langfristig sichern.

09.03.2016
Christa Weber
Auf dem Parkplatz vor der Siebenbornhalle in Mandern gibt es keinen freien Platz mehr. Auch die angrenzenden Straßen sind zugeparkt. Es sieht so aus, als seien fast alle 1338 Beschäftigten des Bilstein-Werks zur Betriebsversammlung gekommen, die vom Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall für Mittwoch, 10 Uhr, einberufen worden ist. Vor der Halle hängen Transparente. Darauf steht: "Wir machen Bilstein erfolgreich!! Ist das der Dank?" und "Wir kämpfen hier um jeden Platz, für Mandern gibt es keinen Ersatz."

Der Grund für die Aufregung sind Pläne der Geschäftsführung, bis 2020 große Teile der Produktion des Stoßdämpfer-Herstellers, der zum ThyssenKrupp-Konzern gehört, vom Hochwald nach Osteuropa zu verlagern. Damit verbunden solle die Zahl der Beschäftigten in Mandern bis 2021 auf 750, also etwa die Hälfte der aktuellen Belegschaft, reduziert werden. Diese Zahlen nennt Roland Wölfl, IG-Metall-Bevollmächtigter für die Region Trier, am Rande der Versammlung. Es gebe die Befürchtung, sagt er, dass der Standort dann im Vergleich zum Schwesterwerk im "Billiglohnland" Rumänien langfristig nicht mehr "konkurrenzfähig" sei: "Die Geschäftsführung will den Standort offenbar fallen lassen wie eine heiße Kartoffel."

Man habe von der Unternehmensleitung gefordert, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, eine Standortsicherung bis "mindestens 2030" zu garantieren und Zusagen zu machen, dass wichtige Produktionsfelder in Mandern verbleiben. Bislang sei dies aber abgelehnt worden. Wölfl fordert die Geschäftsleitung auf, sich um eine "tragfähige Lösung" zu bemühen, damit "so viele Jobs wie möglich erhalten bleiben".

"Wir kämpfen für den Erhalt jedes Arbeitsplatzes", sagt auch der Betriebsratsvorsitzende Fritz Weber und betont zugleich: "Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass wir die ganz großen Auswirkungen noch abwenden können."

In der Halle sind auch Mitglieder der Geschäftsführung dabei. Unternehmenssprecher Konrad Böcker teilt am Nachmittag auf TV-Anfrage mit, er könne das von der Gewerkschaft gezeichnete "Szenario" und auch die genannten Zahlen nicht bestätigen. Der Standort in Mandern sei zurzeit "sehr gut ausgelastet". Die Auftragslage sichere das Geschäft "bis zum Ende der Dekade". Anschließend gehe es darum, weitere Großaufträge der Autohersteller zu sichern. Dies funktioniere nur, "wenn wir uns im Verbund der Standorte entsprechend aufstellen". Dazu sei geplant, die "Schwerpunkte der Produktion in Mandern und Rumänien anders zu verteilen". Erhalte man den Zuschlag für die bevorstehenden Großaufträge, bedeute dies auch eine "langfristige Sicherung" des Standorts Mandern. Dessen Bedeutung als größter Standort im Unternehmen solle erhalten bleiben. Nicht ohne Grund habe der Konzern in den vergangenen vier Jahren "massiv" in das Hochwald-Werk investiert (siehe Hintergrund). Um über konkrete Auswirkungen der Pläne für 2020 oder Zahlen zu reden, sagt Böcker, sei es "noch viel zu früh". Man stehe in Kontakt mit dem Betriebsrat und werde weiter Gespräche führen.

Die von der Gewerkschaft genannten Zahlen haben auch die politischen Vertreter im Hochwald alarmiert. "In unserer strukturschwachen Region schmerzt jeder Arbeitsplatz, der verloren geht", sagt der Keller VG-Bürgermeister Martin Alten dem TV. Ebenso sieht es sein Amtskollege Michael Hülpes, da auch in der VG Hermeskeil viele Beschäftigte des Bilstein-Werks leben: "Diese Menschen wären dann zum Pendeln verdammt." Martin Alten will nun rasch das Gespräch zur Werkleitung suchen, um auszuloten, ob "wir von kommunaler Seite etwas tun können, damit es nicht zu drastischen Einschnitten kommt". Auch der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz teilt mit, dass er "gesprächs- und hilfsbereit" sei, wenn es um "Erweiterungspotenziale" am Standort Mandern gehe. Er habe beim Konzern um genauere Informationen gebeten.
Hintergrund: Bilstein-Werk in Mandern
Die ThyssenKrupp Bilstein GmbH mit Sitz in Ennepetal fertigt Stoßdämpfer und weitere Produkte zur Federung von Fahrzeugen internationaler Autohersteller. Weltweit sind rund 2000 Mitarbeiter für den Automobilzulieferer tätig. Produktionsstandorte bestehen in Deutschland (Mandern und Ennepetal), Rumänien (Sibiu), USA (Hamilton, Ohio und Poway, San Diego), China (Shanghai) und seit kurzem auch in Mexiko. Das Hans Bilstein Werk in Mandern wurde 1956 gegründet und zählt zu den größten Arbeitgebern im Hochwald. Zurzeit sind dort nach Auskunft des Unternehmens 1338 Menschen beschäftigt. In den vergangenen vier Jahren hat das Unternehmen nach eigener Aussage massiv in den Standort investiert, knapp vier Millionen Euro kostete 2014 der Bau einer neuen Produktionshalle. cweb


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