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Dank des Nationalparks ist Neuhütten "im Mittelpunkt"

(Neuhütten/Birkenfeld) Gute Nachricht für die Neuhüttener: Sie können den Umbau ihres Gemeindehauses im Ortsteil Muhl bald anpacken. Für die Einrichtung einer Nationalpark-Servicestelle gibt es Geld aus Brüssel, ebenso wie für weitere innovative Projekte.

17.07.2017
Christa Weber
Ortsbürgermeister Peter Kretz ist davon überzeugt, dass der Nationalpark eine große Chance für seine Gemeinde Neuhütten ist. "Wir lagen immer am Rand - in der Verbandsgemeinde, im Landkreis, im Land. Und plötzlich sind wir in den Mittelpunkt gerutscht."

Denn das 780-Seelen-Dorf liegt mitten im Herzen des Schutzgebiets. Ein Vorteil, den die Gemeinde nutzen will.
Dazu hat sie Ideen entwickelt, wie sie vom Nationalpark profitieren könnte. Ein Vorschlag: Das Bürgerhaus im kleinen Ortsteil Muhl soll zur Servicestelle für Touristen und Gäste des Nationalparks werden. Die Finanzierung des etwa 300 000 Euro teuren Projekts scheint nun gesichert. Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Erbeskopf, die Fördermittel der Europäischen Union und des Landes verteilt (siehe Info), hat das Vorhaben für einen hohen Zuschuss ausgewählt.

Die Idee Das Gelände rund um Bürgerhaus und Kapelle in Muhl soll zum Zentrum für Selbstfindung und Erholung in der Natur werden. Die St.-Josef-Kapelle ist das einzige Gotteshaus im Nationalpark. Gefördert vom Bistum startete 2016 das Projekt Kirche im Nationalpark, das religiöse und kulturelle Angebote zum Schutzgebiet erarbeitet. Die monatliche Pilgerwanderung habe sich mit jeweils 30 Teilnehmern etabliert, berichtete Kretz in der LAG-Mitgliederversammlung. Das Bürgerhaus ist Start- und Zielpunkt für Rangertouren im Nationalpark. Die Gästen werden von einem Verein betreut, der die Entwicklung des Ortsteils ehrenamtlich unterstützt.
Langfristiges Ziel ist der Aufbau eines Camps mit einfachen Übernachtungsmöglichkeiten auf der Wiese hinter dem Bürgerhaus. Dafür muss das Gebäude saniert und umgebaut werden. Geplant sind barrierefreie Duschen und Toiletten, eine neue Küche, die Öffnung des Hauses zum Campbereich und ein Foyer mit Platz für Infomaterial zum Schutzgebiet. Das Gebäude soll weiterhin den Bürgern offen stehen, aber zugleich Veranstaltungsort, Aufenthaltsraum für Gäste und Bildungsstätte sein.

Mit der Umsetzung hat die Gemeinde laut Kretz gezögert, weil sie den verbleibenden Eigenanteil an den Kosten nicht habe schultern können. "Ich habe immer gesagt, dass wir das Land als weiteren Partner brauchen." Inzwischen kam die Zusage aus Mainz, dass eine Landesstiftung 15 Prozent der Kosten trägt. Weitere 75 Prozent sind nun über die LAG abgedeckt - sobald der noch zu stellende Förderantrag bewilligt wird. Neuhütten hat also noch zehn Prozent, etwa 30 000 Euro, zu stemmen. Laut Kretz müsse über die Pläne nun im Gemeinderat endgültig abgestimmt werden, dann könne man die Ausschreibung angehen. "Vielleicht beginnen die Firmen noch in diesem Jahr."

Weitere ausgewählte Projekte Die LAG-Versammlung hatte bei ihrem Treffen am Umweltcampus in Birkenfeld ein Budget von rund 994 000 Euro zu vergeben. Die eingereichten Vorschläge wurden mit einem Punktesystem bewertet. Die erreichte Punktzahl entschied über die mögliche Höhe der Zuschüsse. Insgesamt wurden drei öffentliche und sechs private Projekte ausgewählt, die nun beim Land eine Förderung beantragen können.
Aussicht auf einen 200 000-Euro-Zuschuss haben private Investoren, die bei Birkenfeld eine russische Sauna-Landschaft mit angegliedertem Restaurant aufbauen wollen. Die maximale Fördersumme geht auch an die Betreiber des Schwalbenhofs in Berschweiler (VG Herrstein). Dort soll ein Seminargebäude entstehen, in dem Gäste etwas über ökologische Landwirtschaft, Natur- und Umweltschutz erfahren. Rund 100 000 Euro winken für ein Umweltbildungszentrum namens Wilde Katz in Leisel (VG Birkenfeld). Von dort sollen Gäste auf geführten Touren per E-Bike den Nationalpark entdecken. Weitere kleinere Projekte sind der Umbau einer Waldhütte im Hermeskeiler Stadtteil Abtei zur naturnahen Ferienwohnung, eine Obstpresse für einen Betrieb in Pluwig und eine Bikestation in Aben-theuer (VG Birkenfeld).

Von den öffentlichen Vorhaben erzielte das Bürgerhaus Muhl die höchste Bewertung. Auf Platz zwei kam ein Projekt der VG Birkenfeld. Diese plant einen barrierefreien Naturerlebnisweg entlang der Moorlandschaft im Nationalpark bei Börfink. Weil das Geld im Topf aber für dieses Vorhaben nicht mehr gereicht hätte, zog die VG ihren Antrag zurück. Somit kamen zwei kleinere Projekte zum Zug: ein aus Stangen gebauter Fitnessparcours im Freien in Dienstweiler und ein mit Steinlehrpfad und Bewegungsstationen gestalteter Rundweg in Wilzenberg-Hußweiler (beide VG Birkenfeld).

Neue Chance Laut LAG-Geschäftsführer Jens Lauer gibt das Land eine zusätzliche Million Euro an Fördermitteln frei. Deshalb sei eine weitere Zuschuss-Runde in diesem Jahr möglich. Projektvorschläge können vom 17. Juli bis zum 27. Oktober bei der LAG-Geschäftsstelle eingereicht werden. Wie Lauer mitteilte, sind die ausgewählten Projekte der aktuellen Förderperiode von 2014 bis 2020 "auf einem guten Weg". Für die meisten seien die Zuschüsse inzwischen bewilligt. "Das Geld fließt. Wir liegen, auch im Vergleich mit anderen LAG, ganz gut", urteilte auch der LAG-Vorsitzende Michael Hülpes und warb zugleich um neue Projektvorschläge: "Das Schlimmste wäre, wenn wir das Geld nicht verausgabt bekämen. Deshalb der Appell an alle, trotz Sommerpause die Werbetrommel zu rühren."
Extra: Geld aus Brüssel für den westlichen Hunsrück
Die Europäische Union und das Land Rheinland-Pfalz fördern gemeinsam Entwicklungsstrategien für den ländlichen Raum mit ihrem Programm Leader. Es setzt den Schwerpunkt auf Projekte, die innovativ sind, Wirtschaftskraft und Tourismus in der Region stärken, Arbeitsplätze im ländlichen Raum erhalten oder schaffen und die interkommunale Zusammenarbeit fördern. Um die Fördermittel zu verteilen und bei der Umsetzung der Projekte zu unterstützen, wurden Lokale Aktionsgruppen (LAG) gebildet. Das Gebiet der LAG Erbes kopf umfasst den westlichen Hunsrück. Dazu gehören die Verbandsgemeinde Herrstein, die Stadt Idar-Oberstein sowie die Verbandsgemeinden Birkenfeld, Hermeskeil, Kell am See, Thalfang am Erbeskopf, die Hochwaldgemeinden der VG Ruwer, die Einheitsgemeinde Morbach und Gornhausen in der VG Bernkastel-Kues.