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Der Hunsrück kommt nicht nur im Inland gut an

(Kell/Hermeskeil/Thalfang) Bei ausländischen Besuchern stehen heimische Sehenswürdigkeiten hoch im Kurs. Die Touristiker in Kell, Hermeskeil und Thalfang fühlen sich in ihrer Arbeit bestätigt. Vor allem die gut beschilderten Rad- und Wanderwege kommen an.

12.09.2017
Hans-Peter Linz und Christa Weber
Eine eher strukturschwache Region, die dafür aber viel Natur zu bieten hat: Tourismus ist im Hunsrück kein Selbstläufer. Wer an den Hunsrück denkt, dem kommen vielleicht Spießbraten, die "Heimat"-Trilogie von Edgar Reitz, Edelsteine und dichte Wälder in den Sinn, sofern er aus der Region stammt. Für viele ausländische Touristen hingegen ist die Region noch recht unbekannt.

Die Gründung des ersten rheinland-pfälzischen Nationalparks Hunsrück-Hochwald hat allerdings vor zwei Jahren weltweit für Schlagzeilen gesorgt und den Bekanntheitsgrad der Region erhöht. Die Tourismus-Experten in Morbach, Thalfang, Hermeskeil und Kell am See setzen seit Jahren konsequent auf die Themen Naturverbundenheit, regionale Küche und Geschichte. Denn der Hunsrück wurde bereits vor den Römern von den Kelten besiedelt.

Die Strategie der Fremdenverkehrschefs geht offenbar auf - wie eine aktuelle Studie der Deutschen Zentrale für Tourismus in Frankfurt/Main (siehe Info) zeigt. Demnach wählten ausländische Touristen elf rheinland-pfälzische Sehenswürdigkeiten in die Top 100 der beliebtesten Reiseziele Deutschlands.

Das Moseltal (Platz zehn), die römischen Baudenkmäler in Trier (15), das Deutsche Eck in Koblenz (20), Bernkastel-Kues (91) tauchen in der Liste auf - und die Hängeseilbrücke Geierlay (Platz 95) im Hunsrück. Befragt wurden zwischen September 2016 und Juni 2017 mehr als 32 000 internationale Gäste aus 60 Ländern.
Es sei die gesamte Gebietskulisse von Naturpark Saar-Hunsrück und dem darin liegenden Nationalpark, die die Region so attraktiv mache, heißt es außerdem in der Studie. Die Vielfalt reiche von den Höhen des Rheinischen Schiefergebirges im Hunsrück mit dem Erbeskopf als höchstem Berg in Rheinland-Pfalz bis zu den Weinbergen an Mosel, Saar, Ruwer und Nahe. Hangbrüche im Hunsrück, bizarre Felsbildungen, tiefe Flusstäler und eine artenreiche Flora mit Narzissen-, Arnika-, Orchideen- und Streuobstwiesen böten Lebensräume für ausgefallene Tierarten wie den Eisvogel oder die Wildkatze. All diese Merkmale machten den Hunsrück besonders für aktive Touristen, für Sportler und Wanderer attraktiv.

Die Region habe mit dem zum schönsten deutschen Fernwanderweg 2017 gekürten Saar-Hunsrück-Steig und seinen Traumschleifen gerade für Wanderer viel zu bieten. Auch die kulinarischen Genüsse nennt die Studie in der Begründung der Ergebnisse. Dazu gehörten beispielsweise die Hunsrücker Kartoffeltage im Herbst, an denen sich viele Restaurants mit speziellen Gerichten beteiligen.

"Die Platzierung von rheinland-pfälzischen touristischen Highlights unter den Top 100 der beliebtesten Reiseziele in Deutschland ist ein guter Erfolg für unser Land," freut sich Stefan Zindler, Geschäftsführer der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH in Koblenz. Nach wie vor seien die Niederlande sowie Belgien und Großbritannien die stärksten Quellmärkte für das Land. "Wir arbeiten im Bereich des Auslandsmarketings intensiv mit unseren Partnern im eigenen Land zusammen und beobachten aufmerksam die Entwicklungen des Reiseverhaltens unserer ausländischen Gäste," versichert Zindler.

Daniel Thiel, Chef der Tourist-Info (TI) in Thalfang, bestätigt das: "Das ist sehr erfreulich und wird weitere aktive Naturgenießer in unsere Region bringen. Wr haben hier eine große Vielfalt zu bieten." Aktuelle Übernachtungszahlen bestätigten die Entwicklung. So habe sich zum Beispiel die Übernachtungszahl bei Wohnmobilen im Bereich Thalfang von 2550 auf 3600 im Jahr 2016 gesteigert.

Traditionell beliebt insbesondere bei Gästen aus den Niederlanden ist die Verbandsgemeinde Kell, auch wegen des Landal-Feriendorfs am Keller Stausee. Diesen Eindruck untermauern laut Walburga Meyer, Leiterin der Keller Touristinfo, auch die aktuellen Zahlen. Bei den Übernachtungen 2016 gingen 62 Prozent - also deutlich mehr als die Hälfte - auf das Konto ausländischer Gäste, sagt Meyer.

Trotz der bereits guten Zahlen sehe sie auch noch Steigerungsmöglichkeiten. Der Hochwald werde zunehmend für belgische Touristen interessanter, deshalb werde dort verstärkt auch auf kleineren Fachmessen geworben. Stärker als noch vor zehn Jahren ziehe insgesamt der "naturnahe Tourismus" rund um Kell auch Gäste aus den Nachbarländern an. "Wir sind nicht mehr nur ein schöner Ausgangspunkt für Ausflüge in die Region. Die Leute finden inzwischen gleich hier vor Ort viele interessante Angebote." Ein großer Vorteil seien dabei die gut ausgeschilderten Rad- und Wanderwege. "Die Gäste können sich ohne Ortskenntnis ganz unbekümmert hier bewegen. das haben viele erkannt." Die Nachfrage nach der Mountainbike-Broschüre beispielsweise sei bei den ausländischen Gästen "enorm gestiegen".
Von der Strahlkraft einer Attraktion wie der Geierlay-Hängebrücke profitiere zudem die gesamte Hunsrück-Hochwald-Region, sagt Ricarda Ahmetovic von der Hermeskeiler Touristinformation. Sie könne das Interesse nicht ad hoc an Zahlen festmachen. Aber es kämen immer häufiger ausländische Gäste in ihr Büro, die auf dem Saar-Hunsrück-Steig oder einem anderen Premiumweg wandern wollten. "Gerade erst waren zwei Damen aus Dänemark hier, die ich zur Traumschleife Frau Holle bei Reinsfeld geschickt habe."
 
Extra: Deutsche Zentrale für Tourismus
Seit mehr als 60 Jahren wirbt die DZT (Deutsche Zentrale für Tourismus) im Auftrag der Bundesregierung für das Reiseland Deutschland im Ausland. Auf der ganzen Welt vermarktet sie die touristische Vielfalt Deutschlands. Sie wirbt damit für eine der größten und attraktivsten Marken - das Reiseland Deutschland. Als Marketingorganisation für das Reiseland Deutschland übernimmt die DZT wichtige Funktionen für die internationale Vermarktung. Das geht von der Entwicklung eines angebots- und erlebnisorientierten Marketing über die Bündelung und Optimierung aller Marketingaktivitäten bis hin zum flächendeckenden Vertrieb in Wachstumsmärkten. Dabei stützt sich die DZT auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Deutschlandtourismus sowie Partnern aus Wirtschaft und Verbänden. Die Unternehmensziele sind unter anderem: Steigerung des Reiseaufkommens, Erhöhung der Deviseneinnahmen, Stärkung des Wirtschaftsstandortes.