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EU-Finanzspritze für Radweg und Waldwerkstatt im Hochwald

Lokale Aktionsgruppe Erbeskopf hat Projekte ausgewählt, die von finanzieller Hilfe der EU profitieren sollen

(Hermeskeil/Kell am See.) Ein neuer Radweg zur Gedenkstätte Hinzert, eine Waldlehrwerkstatt in Hermeskeil und ein neues Internetangebot für den Tourismus rund um Kell: Unter anderem in diese Projekte im Hochwald sollen 2016 Zuschüsse der Europäischen Union fließen. Das hat die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Erbeskopf beschlossen. Ausgewählt wurde erstmals mit Hilfe eines Punktesystems.

26.03.2016
Christa Weber
Für die Entwicklung des ländlichen Raums gibt es seit einiger Zeit Zuschüsse von der Europäischen Union. Welche öffentlichen Projekte davon profitieren, entscheiden Lokale Aktionsgruppen (LAG). Für den westlichen Hunsrück ist dies die LAG Erbeskopf, deren Gebiet die Verbandsgemeinden (VG) Hermeskeil, Kell, Ruwer, Thalfang, Bernkastel-Kues, Herrstein, Birkenfeld, Baumholder, die Einheitsgemeinde Morbach und die Stadt Idar-Oberstein umfasst. Für die aktuelle Förderperiode von 2014 bis 2020 hat die LAGMitgliederversammlung nun zehn öffentliche und zwei private Projekte festgelegt, die von den für 2016 abrufbaren Zuschüssen profitieren sollen. Zu vergeben waren insgesamt 850 000 Euro an Fördersumme. Von 20. Januar bis 20. Februar waren Kommunen und Private öffentlich dazu aufgerufen worden, ihre Projektideen einzureichen. Laut dem LAG-Vorsitzenden Michael Hülpes gab es insgeamt 14 Vorschläge. „Wir haben erstmals in der Mitgliederversammlung Punkte für die Projekte vergeben und darauf basierend ein Ranking erstellt“, erläutert Hülpes das modifizierte Auswahlverfahren. Danach sei die Höhe des Fördersatzes ausgerichtet worden, der maximal bei 75 Prozent liegt. „Dadurch sind diesmal auch zwei Vorschläge herausgefallen.“ Folgende Projekte aus Hochwaldorten haben es auf die Liste geschafft:

Radweg Hinzert-Pölert: Die Ortsgemeinde plant einen 500 Meter langen Rad- und Wanderweg zur besseren touristischen Anbindung der Gedenkstätte SS-Sonderlager/ KZ Hinzert. Zudem soll ein nahe gelegener Steinbruch, in dem früher Lager-Häftlinge arbeiten mussten, freigelegt und als „Stätte der Unmenschlichkeit“ über den neuen Weg an die Gedenkstätte angebunden werden. „Gefördert wird nicht der Radweg, sondern die Verbesserung der Gedenkstätten- Arbeit“, betont LAG-Geschäftsführer Werner Haubrich. Kosten: 50 000 Euro, Fördersumme: 37 500 Euro.

Waldwerkstatt Hermeskeil: Nahe des Waldspielplatzes soll eine Waldlehrwerkstatt gebaut werden, die den Forstwirten im Winter als trockener Arbeitsplatz dienen soll. Zugleich ist der Neubau als Stätte für Natur- und Umweltbildung geplant. Jugendliche sollen dort beispielweise Nistkästen bauen, Schulklassen näher an Umwelt und Tierreich herangeführt werden. Kosten: etwa 150 00 Euro, Fördersumme: rund 119 000 Euro.

Internetseite Verein Hochwald- Ferienland: Die Internetseite zum touristischen Angebot der VG Kell am See soll neu gestaltet werden. Sie soll künftig barrierefrei zugänglich sein, etwa für Menschen mit Sehbehinderung. Zudem soll das Angebot Touristen aus England und den Niederlanden in deren Muttersprache ansprechen und technisch so aufgerüstet werden, das es von allen Endgeräten abrufbar ist. Kosten: 35 000 Euro, Fördersumme: 21 500 Euro.

Sanierungsgebiet Naurath: Die Ortsgemeinde Naurath will ein Sanierungsgebiet ausweisen, in dem Bauvorhaben speziell gefördert werden, um die Entwicklung des Ortskerns voranzutreiben. Fördersumme: 6000 Euro. Der Antrag für ein Sanierungsgebiet in Gusenburg wurde laut Hülpes zurückgestellt: „Dafür hat die aktuelle Summe nicht mehr gereicht, es kann aber beim nächsten Aufruf wieder eingereicht werden.“ Neben den öffentlichen Vorhaben sollen aber auch private Initiativen unterstützt werden. Dabei liegt der Schwerpunkt laut LAG-Geschäftsführer Haubrich auf kleineren und mittleren Unternehmen, die das touristische Angebot in der Nationalparkregion erweitern. Bis zu 40 Prozent Förderung sei hier möglich. LAG-Chef Hülpes verweist jedoch darauf, dass für private Interessenten derzeit der „bürokratische Aufwand sehr hoch“ sei. Auch deshalb habe man aktuell nur zwei Vorhaben auf der Förderliste. „Da muss sich was ändern.“ Im Juli soll der nächste Aufruf erfolgen, dann für Projekte, für die 2017 Mittel abrufbar sind. Insgesamt habe die LAG bis 2020 Zugriff auf fünf Millionen Euro, sagt Haubrich. Weitere elf Millionen aus Sondertöpfen könnten in die Region fließen: „Aber dafür müssen wir entsprechend innovative Projekte auf den Weg bringen.“

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