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Eine Passion, die verbindet

(Hermeskeil) Sänger und Musiker aus der Großregion und mehreren europäischen Ländern entführen in Hermeskeil mit einer barocken Matthäus-Passion in die Zeit der Uraufführung.

27.03.2017
Ursula Schmieder
 Mit geschlossenen Augen ist die Sinnestäuschung perfekt. Als die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach 1727 uraufgeführt wurde, dürfte es ganz ähnlich geklungen haben. Nachempfinden lassen das barocke Instrumente des luxemburgischen Ensemble de la Chapelle Saint-Marc unter Leitung von Musikdirektor Jean Halsdorf. Neben einem historischen Fagott wehklagen teils sehr spezielle Barockoboen, begleitet von weichen Traversflöten, und ab und an erfüllen Cembaloklänge das Kirchenschiff von Hermeskeil Sankt Martinus.

Sänger, Rezitatoren und Chöre stehen dem allerdings ins nichts nach. Mit Daniel Johannsen als Evangelist bereichert beispielsweise einer der gefragtesten Bachinterpreten seiner Generation das international besetzte Solisten-Ensemble. Mit ihm überzeugen allen voran Ekkehard Abele als Jesus, Véronique Nosbaum (Sopran), Jeff Mack (Alt), Manfred Bittner (Bass) und Nick Pritchard (Tenor). Sie lassen die Szenen des Leidensweges Jesu zu einem Klangerlebnis verschmelzen, das die Chöre eindrucksvoll umrahmen. Zum einen cantoLX, im Kern sechs Solisten, die als Kammerchor mit an die 40 Sängern auftreten mit ihrem Dirigenten Frank Agsteribbe, der die musikalische Gesamtleitung innehat. Zum anderen das Ensemble Vocal du Conservatoire du Nord, die Chorformation Grenzgänger und ein Jugendchor – alle drei geleitet von Martin Folz, von 1993 bis 2008 Dirigent des Trierer Friedrich-Spee-Chors.

„Das war ein Geschenk“, sagt Stefan Butterbach, Vorsitzender des gastgebenden Fördervereins Kirchenmusik Hermeskeil. Wegen der historischen Instrumente sei diese Passion selbst für die Akteure nicht alltäglich. Die Chance für die Aufführung einen Tag vor der in Ettelbrück, im Centre des Arts Pluriels (CAPE), hatte sich über private Kontakte von Dekanatskantor Rafael Klar aufgetan.

Es sei schon erstaunlich, dass der Förderverein derart renommierte Künstler habe gewinnen können, zeigt sich Carola Heiner aus Hentern vor allem vom Evangelisten beeindruckt. Chorleiter Folz räumt unumwunden ein, es erfülle ihn mit Stolz, zeigen zu können, was so ein Chor mit eigenen Kräften machen könne. Das zeige aber auch, „dass diese Großregion immer noch lebt“. Die Sänger seines Grenzgänger-Projektchores lebten alle in Trier, der Umgebung, Luxemburg, Frankreich und Finnland. Christoph Neumann, ein Studienkollege von Folz, ist extra aus Manderscheid hergekommen mit seiner Frau Christiane. Als „Bach-Fans“ sind sie rundum begeistert – auch von der Auswahl der alten Instrumente: „So muss es früher geklungen haben – bei Bach.“ Die dreistündige Aufführung sei wohl auch deshalb wie im Flug vergangen.